USA: Der angeschlagene Hegemon in Asien?

Vielen dürfte der Ausspruch von Lord Acton, einem britischem Historiker und Politiker aus dem 19. Jahrhundert bekannt sein:

Macht korrumpiert, absolute Macht korrumpiert absolut.

Ein Ausspruch, der ganz besonders interessant wird, wenn man ihn auf die Hegemonialmacht USA anlegt, die ihr Streben nach absoluter Macht unter Ausblendung von Kosten, Risiken und Mißbrauch vorantreibt.

Hegemonie als Basis und Antrieb der US-Politik wird von Washington damit gerechtfertigt, dass die Welt eine US-Führung verlangt, obwohl es nach dafürhalten der USA kein US-Interesse per se wäre. Doch zeigen zahlreiche Erklärungen, Statenotes und Stellungnahmen genau das Gegenteil auf.

Sustaining US Global Leadership

Sustaining US Global Leadership – Bildquelle: Screenshot-Ausschnitt Sustaining US Global Leadership

Dazu Kriegsnobelpreisträger Obama in der Erklärung “Sustaining US Global Leadership”:

I am determined that we meet the challenges of this moment responsibly and that we emerge even stronger in a manner that preserves American global leadership, [and] maintains our military superiority … meeting these challenges cannot be the work of our military alone, which is why we have strengthened all the tools of American power … in a changing world that demands our leadership, the United States of America will remain the greatest force for freedom and security that the world has ever known.
(Ich bin entschlossen verantwortungsvoll den derzeitigen Herausforderungen zu begegnen und gestärkt in einer Weise daraus hervorzugehen, dass die USA die globale Führung bewahrt [und] wir weiterhin unsere militärische Überlegenheit besitzen… Diesen Herausforderungen können wir nicht allein durch unser Militär begegnen, deswegen haben wir alle Werkzeuge der amerikanischen Macht gestärkt… In einer sich veränderten Welt verlangt die Welt nach unserer Führung, die Vereinigten Staaten von Amerika wird die größte Kraft für Freiheit und Sicherheit, die die Welt je gekannt hat, bleiben.)

Oder aus dem Quadrennial Defense Review des US-Verteidigungsministeriums:

America’s interests and role in the world require armed forces with unmatched capabilities and a willingness on the part of the nation to employ them in defense of our interests and the common good. The United States remains the only nation able to project and sustain large-scale operations over extended distances. This unique position generates an obligation to be responsible stewards of the power and influence that history, determination, and circumstance have provided.
(Amerika’s Interessen und seine Rolle in der Welt erfordern Streikräfte mit unübertroffenen Fähigkeiten und eine nationale Bereitsschaft diese zur Verteidigung unserer Interessen und des Gemeinwohls einzusetzen. Die Vereinigten Staaten bleiben die einzige Nation, die in der Lage ist über einen längeren Zeitraum großangelegte Operation durchzuführen. Diese einzigarte Position erzeugt eine Verpflichtung ein verantwortungsvoller Verwalter der Macht und des Einflusses, der uns durch die Geschichte, die Entschlossenheit und die Umstände zuteil wurde, zu sein.)

Und aus dem Selbstverständnis der DARPA (Defense Advanced Research Project), dem “Forschungslabor des Militärs”):

DARPA’s mission is to maintain the technological superiority of the US military and prevent technological surprise from harming our national security by sponsoring revolutionary, high-payoff research bridging the gap between fundamental discoveries and their military use.
(DARPA’s Auftrag ist es, die technische Überlegenheit des US-Militärs zu erhalten und zu verhindern, dass technologische Überraschungen unsere nationale Sicherheit schaden, in dem wir revolutionäre, mit hoher Erfolgsquote versehene Forschung betreiben, die die Lücke zwischen grundlegenden Entdeckungen und ihrem militärischen Nutzen schließt.)

Oder von der IARPA, dem Pendant zur DARPA für die Schlapphutträger:

The Intelligence Advanced Research Projects Activity (IARPA) invests in high-risk, high-payoff research programs that have the potential to provide the United States with an overwhelming intelligence advantage over future adversaries.
(Die Intelligence Advanced Research Projects Activity (IARPA) investiert in hochriskante, mit hoher Erfolgsquote versehene Forschungsprogramme, die das Potenzial besitzen, die USA mit einem überwältigenden Vorteil gegenüber zukünftigen Gegner in Fragen der Spionage zu versehen.)

Bezeichnenderweise haben die Enthüllungen von Edward Snowden genau die oben aufgeführten Punkte

  • der Totalkontrolle und -überwachung über alles und jeden außerhalb der USA und
  • den Glauben daran, dass dieses Eingreifen in die Privatsphäre von Milliarden Menschen rechtens ist

bestätigt.

Quadrennial Defense Review Report

Quadrennial Defense Review Report – Bildquelle: Screenshot-Ausschnitt Quadrennial Defense Review Report

Die eigene Hegemonie aufrecht zu erhalten ist nicht nur finanziell für die USA ein Vabanquespiel. Auch politisch und sozial besteht die Gefahr eines “Overstretch”. Nicht verwunderlich, dass durch die derzeitige Schwäche der USA Länder wie Brasilien und natürlich China versuchen den Hegemon provozieren. Sei es seitens Brasiliens durch die Schaffung eines von den USA losgelösten Internets für Südamerika oder durch die geschickt agierenden Chinesen mit ihren 36 Strategemen.

Asien als die größte Herausforderung für die USA und speziell China mit seinen 1,6 Milliarden Menschen, Nuklearwaffen und der zweitgrößten Wirtschaft der Welt streben nach Unabhängigkeit von Washington. Dessen ist sich auch der Hegemon USA bewusst und der Grund warum die USA seit knapp zwei Jahren enorme militärische Anstrengungen im Westpazifik unternehmen. Eine “multi-polare Welt” muss nach dem Denkmuster der US-Think-Tanks zwingend verhindert werden. Und dafür wird selbst der wirtschaftliche Bankrott der USA in Kauf genommen.

Zwar deutete sich im letzten Jahr eine Annäherung zwischen China und den USA und ein zaghaftes Akzeptieren eines “asiatischen Hegemons namens China” durch die USA an, doch die Entwicklungen, wie die kürzlich bekannt gewordene Truppenverstärkung in Süd Korea oder die Inselstreitigkeiten zwischen China und dem US-Stellvertreter Japan, haben diese Hoffnung zunichte gemacht.

Letztendlich kann und wird die USA ein Arrangement ausgeglichener Kräfte in Asien nicht akzeptieren und auf seinen Status als alleinige Hegemonialmacht bestehen. Koste es was wolle – Geld, Menschen, Umwelt. Doch im Unterschied zu früheren Zeiten besteht für die USA die Gefahr, dass sie die Geschehnisse in Asien nicht mehr (an)führen wird, sondern nur noch auf diese reagieren kann. Vielleicht machen aus diesem Blickwinkel die Anstrengungen der USA bzgl. Freihandelsabkommen TPP und TTIP noch mehr Sinn?

Quellen:
Wikipedia – John Dalberg Acton
Sustaining US Global Leadership
Quadrennial Defense Review Report
Website DARPA – About
Website IARPA – What Is
5000 Pretexts for War


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