Skip to content

Fed: „Inflationsziel seit 66 Monaten in Folge gerissen“ oder „Die Bankrotterklärung der USA“

Fed - Bildquelle: Screenshot-Ausschnitt www.federalreserve.gov

Fed – Bildquelle: Screenshot-Ausschnitt www.federalreserve.gov

Der US-Preisindex für private Konsumausgaben (PCE) vom August, der wichtigste Inflationsindikator der Fed, verzeichnete im Jahresvergleich einen Anstieg von 3,4%. Der Kern-PCE, in dem Lebensmittel und Energie nicht berücksichtigt sind, stieg unterdessen („nur“) um 3 %.

Das bedeutet, dass der von der Fed bevorzugte Maßstab für die Preisinflation seit 66 Monaten in Folge über dem Zielwert von zwei Prozent liegt. Das heißt, das letzte Mal, dass die Preisinflation – laut den Daten der US-Bundesregierung selbst – unter zwei Prozent lag, war im Februar 2021, zu Beginn der Amtszeit von Präsident Biden. So sehr hat sich die Fed der sogenannten „Preisstabilität“ verschrieben. Analog gilt Ähnliches im Übrigen auch für die Daten der EZB.

PCE Changes - Bildquelle: Screenshot-Ausschnitt FRED

PCE Changes – Bildquelle: Screenshot-Ausschnitt FRED

Die Folge waren wiederholte Phasen sinkender Reallöhne und eine Wohnbaufinanzierbarkeit auf historischem Tiefstand. Es zeigt sich, dass es auch Nachteile hat, wenn die Zentralbank mit neu geschaffenem Geld Staatsanleihen und hypothekenbesicherte Wertpapiere im Wert von Billionen aufkauft.

Change in Earnings - Bildquelle: Screenshot-Ausschnitt FRED

Change in Earnings – Bildquelle: Screenshot-Ausschnitt FRED

Einige Marktanalysten haben viel Aufhebens darum gemacht, dass der gemeldete PCE-Wert leicht unter den „Erwartungen“ lag, doch selbst diese äußerst geringfügige „gute Nachricht“ ist eher auf eine erneute Änderung der Methodik bei der Berechnung des PCE zurückzuführen. Das heißt, es werden nun neue Referenzwerte verwendet, doch selbst unter Berücksichtigung dieser Änderung liegt der PCE-Wert weiterhin deutlich über dem Zielniveau.

Die Medienberichterstattung über diese leichte Stabilisierung des PCE-Niveaus besagt, dass die Federal Reserve nun mehr Spielraum habe, um von Zinserhöhungen Abstand zu nehmen, da die Preisinflation angeblich besser unter Kontrolle sei.

Das ist eine weitreichende Interpretation eines äußerst geringfügigen Abwärtstrends bei den Preisinflationsraten. Tatsächlich scheinen die Anleihemärkte von der neuen PCE-Zahl unbeeindruckt zu sein, und Anleiheinvestoren sehen offenbar keinen Grund zu der Annahme, dass die Preisinflation nun eingedämmt wird. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen stieg heute auf ein neues 24-Jahres-Hoch. Die Benchmark-Rendite kletterte im Handel um 5 Basispunkte auf bis zu 5,31% und erreichte damit ein Niveau, das zuletzt im Frühjahr 2002 zu verzeichnen war. Damit lag die Rendite auch über ihrem bisherigen Höchststand aus dem Jahr 2007. Die Rendite 10-jähriger US-Anleihen ist in diesem Monat um etwa 55 Basispunkte gestiegen.

Dies beschränkte sich nicht nur auf die 10-jährigen US-Anleihen, sondern die Renditen stiegen heute entlang der gesamten Zinsstrukturkurve. Die Rendite der zweijährigen US-Staatsanleihe stieg um 2 Basispunkte auf 4,89%, während die Rendite der fünfjährigen Anleihe um 4 Basispunkte auf 5,10% zulegte. Die Rendite der 30-jährigen Anleihe liegt nun bei über 5,6 Prozent – dem höchsten Stand seit 2002.

Wie das Onlinemagazin Barron’s es formuliert:

Die 10-jährige Anleihe hat seit über drei Jahrzehnten kein so schlechtes Quartal mehr erlebt.
—
(The 10-year note hasn’t had a quarter this ugly in over 3 decades.)

Die Anleihemärkte haben allen Grund, zwei Dinge anzunehmen: dass sich die US-Haushaltsdefizite des Bundes weiter anhäufen werden, was bedeutet, dass mehr Staatsanleihen auf den Markt geworfen werden müssen, da die US-Bundesregierung künftig Kredite in Höhe von mehr als zwei Billionen US-Dollar pro Jahr aufnehmen wird. Gleichzeitig ist mit einer Preisinflation zu rechnen, da die Zentralbank offensichtlich nicht bereit ist, die Geldpolitik zu straffen, und wahrscheinlich einen Teil ihrer Schulden durch Inflation abbauen wird, anstatt die Ausgaben einzudämmen. Daher ist mit einem weiteren Aufwärtsdruck auf die Renditen zu rechnen, insbesondere bei den längerfristigen Anleihen.

US Deficits - Bildquelle: Screenshot-Ausschnitt FRED

US Deficits – Bildquelle: Screenshot-Ausschnitt FRED

Natürlich könnte sich die Lage erheblich ändern, sobald eine Finanzkrise oder Rezession eintritt. Zu diesem Zeitpunkt wird die Federal Reserve verzweifelt versuchen, die Zinsen zu senken, obwohl unklar ist, ob die Fed überhaupt die Macht hat, die Zinsen über den Bereich der kurzfristigen Schuldtitel hinaus zu drücken. Eines ist sicher: Die aktuelle Lage ist volatil, und wir erleben etwas ganz anderes als in den vergangenen dreißig Jahren, in denen die Zinsen unaufhaltsam gesunken sind. Tatsächlich befinden sich die USA auf unbekanntem Terrain, denn als die Zinsen das letzte Mal, Anfang der 1980er Jahre, rapide stiegen, lag die Gesamtverschuldung des Staates bei etwa 30 Prozent des BIP. Heute beträgt die Staatsverschuldung mehr als 120 Prozent des BIP, und die USA zahlen allein für den Schuldendienst mehr als eine Billion US-Dollar pro Jahr. Dies ist natürlich auf die 40 Billionen US-Dollar Schulden der USA zurückzuführen. Ein anhaltender Anstieg der Renditen wird das Finanzministerium unter weitaus größeren Druck setzen als dies während des starken Anstiegs der Defizite in den 1980er Jahren der Fall war.

Fazit: Die USA sind pleite und werden ihre Vasallen wie Deutschland über die Energiewaffe noch mehr ausbeuten (müssen).

Quellen:
FRED Webseite
Home Ownership Affordability Monitor
PCE: Don’t Confuse A Revision With Disinflation
The 10-year note hasn’t had a quarter this ugly in over 3 decades

Beitrag teilen:

Ein Artikel bildet zwangsweise die Meinung eines Einzelnen ab. In Zeiten der Propaganda und Gegenpropaganda ist es daher umso wichtiger sich mit allen Informationen kritisch auseinander zu setzen. Dies gilt auch für die hier aufbereiteten Artikel, die nach besten Wissen und Gewissen verfasst sind. Um die Nachvollziehbarkeit der Informationen zu gewährleisten, werden alle Quellen, die in den Artikeln verwendet werden, am Ende aufgeführt. Es ist jeder eingeladen diese zu besuchen und sich ein eigenes Bild mit anderen Schlussfolgerungen zu machen.


www.konjunktion.info unterstützen:

Das könnte Ihnen auch gefallen …

Schreiben Sie einen Kommentar

Datenschutz-Übersicht & Cookies-Information

Diese Website verwendet Cookies, damit wir Ihnen die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in Ihrem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von Ihnen, wenn Sie auf unsere Website zurückkehren, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für Sie am interessantesten und nützlichsten sind.

Unbedingt notwendige Cookies

Unbedingt notwendige Cookies sollten jederzeit aktiviert sein, damit wir Ihre Einstellungen für die Cookie-Einstellungen speichern können.