Paris – Syrien: Die Frage nach dem Cui bono

Eines vorweg: Meine Anteilnahme und mein Mitgefühl gilt den Opfern und Angehörigen des Anschlags am vergangenen Freitag. Wieder einmal mussten unschuldige Menschen für eine Politik sterben, die sie nicht zu verantworten haben, die sie maximal durch den Versuch des Protests hätten ändern können. Wieder einmal müssen unschuldige Menschen leiden, die von den Politdarstellern in die erste Reihe gestellt wurden, während sie sich selbst hinter Schutzmauern und ganzen Bodyguard-Trupps verschanzen – wohlwissend dass sie nie die Opfer ihrer eigenen menschenverachtenden Politik sein werden.

Karte der Pariser Anschäge - Bildquelle: Wikipedia / Maximilian Dörrbecker (Chumwa)

Karte der Pariser Anschäge – Bildquelle: Wikipedia / Maximilian Dörrbecker (Chumwa)

Bei Ereignissen wie den Anschlägen in Paris ist die erste Frage, die von Politdarstellern und Hochleistungspresse gleichermaßen gestellt wird, die Frage nach den Tätern. Wie bei anderen Vorfällen auch wussten beide Gruppen sofort wer die Täter waren. Im konkreten Fall der Islamische Staat. (Fast) Nie wird – insbesondere in der Hochleistungspresse – die Frage nach dem Cui bono gestellt oder dem einst klassischen investigativen Ansatz Folge dem Geld nachgegangen.

Ob Paris ein weiterer Fall einer False Flag Operation ist bzw. bewusst zugelassen wurde (woran ich persönlich eher glaube, ggf. inklusive Unterstützung durch westliche Geheimdienste – aber das ist nur meine persönliche Einschätzung; “Let It Happen on Purpose”), mag jeder ob nachfolgender Informationen (und das ist nur ein kleiner Ausschnitt dessen was zu Irritation führen muss, ob der offiziellen Berichterstattung), die wir im Mainstream nicht so sehen, selbst entscheiden:

Doch zurück zur Frage nach dem Cui bono.

Der Islamische Staat als Geschöpf des Westens war Teil des US-geplanten Regime Change in Syrien. Nicht nur, dass IS durch die Proxies Saudi-Arabien und Katar finanziert wurde, so gab auch der ehemalige Chef des US-Geheimdienstes Defense Intelligence Agency (DIA) Michael Flynn zu, dass die USA die Entstehung des IS bewusst zugelassen haben, um IS gegen Assad in Stellung zu bringen.

Nachdem Russland in kurzer Zeit das erreichte, was die USA – nun mag jeder selbst entscheiden, ob bewusst oder aufgrund von Unfähigkeit – in über einem Jahr nicht “hinbekam”, nämlich die gezielte Schwächung des Islamischen Staates, durften in Washington die Alarmglocken angegangen sein. Wie kann man das eigene “Baby” IS vor den Luftangriffen Russlands schützen? Zumal man im Gegensatz zu Moskau keinerlei Mandat der syrischen Regierung hat auf dem hoheitlichen Gebiet Syriens aktiv zu werden. Keine 48 Stunden nach den Anschlägen von Paris liess die französische Regierung das Gebiet um Al-Rakka angreifen, das als IS-Hochburg gilt. Jenes Al-Rakka, das jedoch bereits vor über einer Woche von russischen Militärjets schwer getroffen wurde (und somit wohl eher leere IS-Gebäude usw. durch Frankreich bombardiert wurden), so dass sich die IS selbst in Al-Rakka nicht mehr so frei wie zuvor bewegen kann:

Früher befanden sich im Zentrum von Al-Rakka und um die Stadt herum ständige Kontrollpunkte des IS. Doch vor zwei Tagen haben die Dschihadisten sie abgebaut. Die Kämpfer können sich jetzt nicht mehr ruhig durch das Stadtzentrum mit Waffen bewegen. Sie sind gezwungen, Schleier anzulegen und die Waffen in deren Falten zu verstecken, damit sie nicht identifiziert werden.

Paris selbst sieht in den den Anschlägen vom vergangenen Freitag den Rechtfertigungsgrund nun in Syrien militärisch vorgehen zu dürfen. Auch ein Großteil der Bevölkerung Frankreichs, wie auch wohl in den meisten anderen westlichen Ländern, dürfte damit d’accord gehen.  Ein (zwar falscher, aber nichtsdestotrotz für viele “annehmbarer”) Legitimationsgrund, der bislang dem Angriffsbündnis NATO fehlte. Mit den Pariser Anschlägen scheint einmal mehr die Stimmung in Richtung Pro-Krieg bzw. Pro-Kriegsbeteiligung in Syrien gekippt zu sein. Wieder einmal scheint niemand die Zusammenhänge erkennen zu wollen, die doch so offensichtlich sind. Syrien schien aufgrund der Unterstützung Russlands drauf und dran zu sein den IS massiv zu schwächen bzw. zurückzudrängen. Den NATO-Mitgliedern fehlte ein Grund, um selbst in Syrien aktiv zu werden und somit Russlands zunehmendes Gewicht in der Region wieder auf ein ihnen genehmes “Normalmass” zurecht zu stutzen. Mit den Anschlägen scheint dieser in den Augen der westlichen Regierungen und der NATO gegeben zu sein. Die NATO erhielt damit quasi den Vorwand, um in Syrien eingreifen zu können. Etwas, das selbst die Giftgasangriffe, die man seitens des Westens Assads in die Schuhe schieben wollte und doch von der eigenen Seite durchgeführt wurden, nicht erreichten.

Mit dem direkten Eingreifen Frankreichs und der USA (und wohl in Kürze auch anderer Länder wie England oder Belgien) hat der – und dies fällt mir wahrlich nicht leicht zu schreiben – Dritte Weltkrieg begonnen. Analog zu 9/11 bzw. dem Angriffskrieg gegen Afghanistan wird ein Land ohne Kriegserklärung angegriffen, obwohl die Täter nicht aus dem angegriffenen Land stammen (9/11 Afghanistan, Paris Belgien). Doch diesesmal ist Russland nicht auf der Seite der NATO/USA, sondern verfolgt konträre eigene Interessen. Ein Aufeinanderprallen dieser unterschiedlichen Interessen in Form einer direkten Konfrontation ist nur noch eine Frage der Zeit. Zusätzlich sollte man nicht vergessen, dass – ebenfalls analog zu 9/11 – die Pariser Anschläge als Auslöser für den Bündnisfall gewertet werden können. Artikel 5 des NATO-Vertrags besagt:

Die Parteien vereinbaren, dass ein bewaffneter Angriff gegen eine oder mehrere von ihnen in Europa oder Nordamerika als ein Angriff gegen sie alle angesehen wird; sie vereinbaren daher, dass im Falle eines solchen bewaffneten Angriffs jede von ihnen in Ausübung des in Artikel 51 der Satzung der Vereinten Nationen anerkannten Rechts der individuellen oder kollektiven Selbstverteidigung der Partei oder den Parteien, die angegriffen werden, Beistand leistet, indem jede von ihnen unverzüglich für sich und im Zusammenwirken mit den anderen Parteien die Maßnahmen, einschließlich der Anwendung von Waffengewalt, trifft, die sie für erforderlich erachtet, um die Sicherheit des nordatlantischen Gebiets wiederherzustellen und zu erhalten.

Von jedem bewaffneten Angriff und allen daraufhin getroffenen Gegenmaßnahmen ist unverzüglich dem Sicherheitsrat Mitteilung zu machen. Die Maßnahmen sind einzustellen, sobald der Sicherheitsrat diejenigen Schritte unternommen hat, die notwendig sind, um den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit wiederherzustellen und zu erhalten.

– Der Nordatlantikvertrag: Washington DC, 4. April 1949

Jetzt da sowohl Franzosen und US-Amerikaner ihr “Mandat” für Syrien bekommen haben, dürfte der Luftraum über Syrien “ziemlich eng werden”. Ein Luftraum, den bislang Russland beherrscht und den die NATO den Russen streitig machen muss, wenn sie ihr eigenen Geschöpf der IS am “Leben erhalten will” und somit ihre eigenen Interessen in der Region. Dank der emotionalen Geschehnisse in Paris hat der Westen wieder “den Stiefel in der syrischen Tür”. Liegt hierin etwa die Beantwortung nach dem Cui bono?

Schlussbemerkung: Ich bin mir bewusst, dass meine Schlussfolgerungen und Aussagen zu einer kontroversen Diskussion führen werden. Das sollen sie auch. Denn die uns von der Hochleistungspresse vorgekauten Analysen, Meinungen und Abläufe bedürfen genauso des Hinterfragens, wie die meinigen. Ich freue mich auf einen angeregten Diskurs.

Quellen:
The Paris Terror Attacks: An Open Source Investigation
US ex-intelligence chief on ISIS rise: It was ‘a willful Washington decision’
The “State Sponsors” of ISIS, Saudi Arabia, Qatar, Turkey: Why are they No Subject to Sanctions?
America’s Allies Are Funding ISIS
Frankreich bombardiert IS-Hochburg in Syrien
French jets drop 20 bombs in massive anti-ISIS raid in Syria
Der IS ist in Panik: Kontrollpunkte in AL-Rakka abgebaut
Wikipedia – Bündnisfall


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