Zypern/Syrien/Ukraine: Immer geht es um Russland, Gazprom und Ressourcen

Flagge Russland

Flagge Russland – Bildquelle: Wikipedia / Zscout370

Der Westen musste in den letzten ca. zwei Jahren feststellen, dass Russland wieder zu einem ernst zu nehmenden Machtfaktor auf der Welt geworden ist. Auch wenn sich einige Akteure damit noch nicht anfreunden konnten, dürften im Hintergrund – in den diversen Think Tanks und regierungsnahen Stiftungen – bereits seit einem wesentlichen längerem Zeitraum diese Erkenntnisse eine wichtige Rolle bei den strategischen Entscheidungen spielen.

Russlands Wiedererstarken steht in einem engen Zusammenhang mit seinen Ressourcen, deren Ausbeutung und deren Export gegen Devisen. So ist Russland der weltweit größte Exporteur von Erdgas bzw. der zweitgrößte von Erdöl und seine Wirtschaftskraft beruht hauptsächlich auf der Energiewirtschaft. Dabei kann man die russische Energiewirtschaft mehr oder weniger mit der halbstaatlichen Gazprom gleichsetzen, die allein 2012 einen Gewinn von 29 Milliarden Euro erzielen konnte.

Genau diese Abhängigkeit von Gas und Öl ist die Achillesferse, die dem Westen eine Möglichkeit bietet Russland zu schwächen. Zu schwächen indem man direkt und indirekt die Geschäfte von Gazprom stört. Und beleuchtet man einige der Geschehnisse der vergangenen Monate im Lichte dieser Abhängigkeit, zeichnet sich ein gänzlich neues Bild bei dem einen oder anderen Ereignis.

Zypern
Gazprom ist seit 1990 mit der Gazprombank im Bankensektor mit 3 Millionen Privat- und 45.000 Geschäftskunden aktiv. Unter anderem seit Februar 2009 mit der Tochtergesellschaft GPB Financial Services Limited in Limassol, Zypern. Seit Januar 2010 mit nachfolgenden Dienstleistungen:

  • Reception and Transmission of orders related to one or more financial instruments
  • Order execution on behalf of clients
  • Dealing on own account
  • Underwriting financial instruments and/or placing financial instruments on a firm commitment basis
  • Placing of financial instruments on a non-firm commitment basis
  • In addition to the direct investment services listed above, the company is also permitted to perform the following ancillary services
  • Safekeeping and administration of financial instruments, including custodianship and related services
  • Granting credits or loans to one or more financial instruments, where the firm granting the credit or loan is involved in the transaction
  • Advice to undertakings on capital structure, industrial strategy and related matters and advice and services relating to mergers and the purchase of undertakings
  • Foreign exchange services when related to the provision of investment services
  • Investment research and financial analysis
  • Services related to underwriting

Daneben diente der zyprische Arm der Gazprombank auch als Clearingstelle für die Rohstoffgeschäfte mit der EU. Neben dem massiven Vertrauensverlust der durch die Enteignung zyprischer Bankkunden entstand, musste die Gazprombank durch ihre Tochter auch erhebliche negative Auswirkungen in der eigenen Bilanz einstellen.

Viel wichtiger dürfte aber sein, dass durch das Eingreifen der EU, Weltbank und IWF auch Vertragsverhandlungen zwischen Gazprom und Zypern über die Ausbeutung der Offshore-Gasfelder vor der zyprischen Küste zum Erliegen kamen. Statt eines Konsortiums aus GPB Global Resources (einer weiteren Gazprom-Tochter), Total und der russischen Novatek (hier hält Gazprom 10% der Anteile), machten die italienische ENI und die Korea Gas Corp. das Rennen. Zwar scheiterten diese Verhandlungen bereits Ende 2012, also vor der eigentlichen Bankenkrise in Zypern, jedoch noch zu Zeiten als die ersten Verwerfungen bekannt wurden, aber auch nachfolgende Sondierungsgespräche verliefen aus russischer Sicht negativ.

Syrien
Bereits 2010 unterzeichneten der Iran, Irak, Libanon und Syrien eine erste Absichtserklärung über den Bau einer Gaspipeline, die iranisches Gas nach Europa liefern sollte. Dabei sollte die schweizerische Energiegesellschaft Elektrizitätsgesellschaft Laufenburg eine wichtige Rolle bei der Planung und Durchführung des Baus einnehmen. Doch aufgrund des Drucks durch die USA und neuer Sanktionenen gegenüber dem Iran, stellte das schweizerische Unternehmen im Oktober 2010 seine Aktivitäten ein.
Im März 2011 begannen die Auseinandersetzungen in Syrien und seitdem haben die Proxies Katar und Saudi-Arabien Milliarden US-Dollar in die syrische “Opposition” gesteckt und verhindern seitdem auch die Realisierung des im Juli 2011 neu unterzeichneten Vertrags des Pipeline-Konsortiums bestehend aus Iran, Irak und Syrien – diesesmal ohne schweizerische Beteiligung. Interessanterweise steht auch dieses Projekt – wie die South-Stream-Pipeline – in direkter Konkurrenz zum Nabucco-Projekt (Gas aus Aserbaidschan an Russland vorbei Nach Europa) des Westens.

Doch was hat das – abgesehen von der Konkurrenzpipeline Nabucco – mit Russland/Gazprom zu tun?

Endpunkt dieser Pipeline sollte auf syrischer Seite der Hafen von Tartus, der auch als russischer Militärstützpunkt im Mittelmeer dient, sein. Auch die im August 2011 entdeckten syrischen Gasvorkommen in der Nähe von Homs (!) sollten durch den russisch dominierten und kontrollierten Hafen in Tartus laufen. Damit hätte Russland eine weitere Kontrollmöglichkeit in Händen gehalten den europäischen Gasmarkt zu bestimmen. Eine weitere Abhängigkeit Europas von russisch kontrolliertem Erdgas wäre die logische Folge daraus.

Ukraine
Die Ukraine nimmt eine zentrale Rolle im Pipelinenetz Russlands ein. So verlaufen dort die Hauptversorgungsleitungen für Europa durch die 70% der russischen Erdgaslieferungen transportiert werden:

Wenn die Ukraine als Transitland ausfiele, könnte nur die Hälfte des Gases über andere Länder geliefert werden, was ein Risiko für die Energieversorgung Westeuropa darstellt. – Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank

Neben dem Risiko für die westeuropäische Gasversorgung, die in den Augen der USA und selbst der EU wohl eher als zweitrangig zu betrachten ist, wäre auch ein Einbrechen der Einnahmen auf russischer Seite zu nennen – falls die Ukraine als Transitland ausfallen würde.

So titelt auch der Energieexperte Steffen Bukold in einem Die Zeit-Interview

Gazprom braucht daher die Ukraine […]

und auch der Bau der Gaspipeline South Stream ist aufgrund einer EU-Blockadehaltung im Zuge des Krim-Konflikts stark gefährdet:

[Der Konflikt] stellt die vielen behördlichen Genehmigungen infrage, die die europäischen Staaten für den Bau der Pipeline erteilen müssen. – Paolo Scaroni, ENI-Chef

Unter anderem hat die EU-Kommission ihre Unterstützung für das Projekt zurückgezogen, da sie

sich aus der Abhängigkeit russischer Energielieferungen lösen [will]. Anonyme Quellen sagten gegenüber Euractiv, dass das Projekt „keine sichere Investition mehr“ und praktisch „tot“ sei.

Sehen wir hinter diesen Ausführungen, die eigentlichen Gründe für die drei vom Westen gesteuerten Ereignisse in Zypern, Syrien und Ukraine?

Sind diese Geschehnisse in diesen drei Ländern mit dem Ziel verbunden Gazprom und dadurch Russland entscheidend zu schwächen?

Und damit ein Einbrechen der russischen Wirtschaft zu erreichen?

Was wiederum ein weiteres Erstarken Moskaus verhindern würde und die Bedeutung Russlands zurück auf den Status der 1990er Jahre setzen würde?

Und damit die USA/NATO/Westen wieder als alleinigen politischen Machtblock in der Welt festigen würde?

Oder ist das nur eine erneute Verschwörungstheorie?

Quellen:
Wikipedia – Energiewirtschaft Russlands
Wikipedia – Gazprom
GPB Financial Services Limited – Official Website
GPB Financial Services Limited  – Gazprombank
Cyprus rejects Russian gas fix for bank woes
Wikipedia – Iran-Iraq-Syria pipeline
Wikipedia – Bürgerkrieg in Syrien
Iraq greenlights gas pipeline deal with Iran, Syria
Putin’s Pipeline to Syria
Syria, Turkey, Israel and a Greater Middle East Energy War
Iran, Iraq sign deal on gas pipeline construction
Syria’s Pipelineistan war
Machtfaktor Gas
“Gazprom braucht die Ukraine”
Krim-Konflikt: Gas-Pipeline „South Stream“ steht vor dem Aus


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