Energiekrise: Kapitulation Irans in fünf Wochen oder warum dies erst der Anfang sein dürfte

Öltanker – Bildquelle: Pixabay / KaddunPhoto; Pixabay License
Das letzte Mal, dass die globalen Energiemärkte einen Schock erlebten, der dem vergleichbar ist, was uns in diesem Jahr bevorstehen wird, war während des arabischen Ölembargos von 1973. Die Spannungen eskalierten im Nachgang des Jom-Kippur-Kriegs, als die arabische Koalition einen Überraschungsangriff auf Israel startete. Die OPEC-Staaten schlossen sich zusammen, um die Öllieferungen an Verbündete Israels, darunter auch nach Europa und in die USA, einzustellen. Dadurch wurden rund 15% der Ölexporte gestoppt, was zu Spekulationen am Markt, Hamsterkäufen und Preissteigerungen führte.
Die Auswirkungen griffen auf die asiatischen Märkte über, die seit langem in Bezug auf Energieressourcen vom Nahen Osten abhängig waren. Dies bremste die industrielle Produktion, und viele Regierungen verhängten Rationierungen und Preiskontrollen.
Bilder von langen Autoschlangen an Tankstellen und Menschen, die zusätzliche Kanister füllten oder von leeren Autobahnen an autofreien Sonntagen, haben sich in das kollektive Gedächtnis all jener eingebrannt, die diese Zeit miterlebt haben. Die eigentliche Bedrohung für den Westen waren jedoch nicht Versorgungsengpässe, sondern vielmehr die Aussicht auf eine Marktkaskade.
Die Stagflation in Verbindung mit Schwachstellen in der Lieferkette wurde durch die Panik in der Bevölkerung noch verschärft. Auch die Aktienmärkte rutschten in Erwartung eines industriellen Abschwungs in den Rezessionsbereich ab. Das Embargo dauerte nur fünf Monate, doch der Schaden war enorm.
Was die Straße von Hormus betrifft, so ist der direkte Schaden für die USA minimal, was wohl auch die Bereitschaft zum Angriff erhöht hat. Nur 7% aller Öllieferungen in die USA werden tatsächlich über die Straße von Hormus transportiert, und venezolanisches Öl hilft dabei (auch darin liegt ein Grund für das Vorgehen gegen Maduro), diese Lücke zu schließen, während der Rest der Welt die eigentlichen Leidtragenden dieses illegalen Angriffskrieges und der damit verbundenen Folge der Sperrung der Straße von Hormus ist. Die größere Gefahr (auch für die USA) liegt in der Globalisierung und dem interdependenten Handelssystem begründet.
So sind beispielsweise US-Verbündete wie Australien, Indien, Japan und die Philippinen stark von einer Sperrung der Straße von Hormus betroffen. Australien hat nach offiziellen Angaben bereits Versorgungsengpässe, und das Land verfügt über kaum bis gar keine Reserven. Die Philippinen haben inzwischen den Notstand ausgerufen und Rationierungsmaßnahmen eingeführt; sie verfügen über Notvorräte für vielleicht zwei Monate. Japan greift derzeit auf strategische Ölreserven zurück und fährt die Kohleverstromung hoch. Doch nicht nur in Asien sind erste Rationierungsmaßnahmen eingeführt wurden. Auch in Europa (Großbritannien, Slowenien, …) folgt man dieser der Plandemie 1.0 „angelehnten“ Strategie. Sicherlich kein Zufall…
Auch China ist erheblich gefährdet, da 15% seiner Ölversorgung direkt aus iranischen Ölquellen stammen und rund 35% seiner gesamten Ölversorgung durch die Straße von Hormus transportiert werden. Nach Venezuela der zweite Schlag, den die USA dem großen Gegner im Osten verpasst haben. Peking verfügt über Reserven für etwa vier Monate, bevor die Krise das Land wie ein Güterzug trifft.
Der Iran behauptet, er beabsichtige, „nicht-feindliche Schiffe“ die Meerenge passieren zu lassen, doch hat er diese Woche nach dieser Ankündigung mehrere chinesische Schiffe gestoppt. Es ist wahrscheinlich, dass die Kriegsbedingungen weitere Monate andauern werden, und im schlimmsten Fall könnte die Straße von Hormus für viele gefährdete Länder weit über den von Trump angestrebten Stichtag hinaus geschlossen bleiben. Je länger der Krieg andauert, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer Marktkaskade.
Diese Ereignissen haben ihre eigene propagandistische Note in der Hochleistungspresse hinterlassen, einschließlich der Vorstellung, dass der Westen allein aufgrund der Schließung der Straße von Hormus kurz vor dem Zusammenbruch steht. In Wirklichkeit ist es nicht nur ein Prozess, sondern es sind zahlreiche Prozesse, die nicht nur den Osten wirtschaftlich treffen. Es bestehen erhebliche Risiken für Europa, dem Osten und nicht zu vergessen Afrika, das bei dieser Betrachtung immer „unter dem Tisch fällt“ (Stichwort Nahrungsmittelversorgung), und diese hängen davon ab, wie lange der Konflikt andauert.
Energiekrise, Wahlrisiken und globaler Wirtschaftskrieg
Wie ich bereits im Oktober 2024 in meinem Artikel Atlantic Council: Der Plan für einen Krieg zwischen dem Iran und den USA feststellte, gibt es unter den IGE gezielte Bemühungen, Amerikaner und Europäer in langwierige Konflikte mit dem Iran und mit Russland zu verwickeln. Ich schrieb 2024:
Der Joker ist hier Donald Trump. Die etablierten Medien berichten, dass der Iran die Wahlkampfstrategien der Trump-Kampagne gehackt und an das Harris-Lager weitergegeben hat. Es gibt auch Gerüchte, die von US-Geheimdiensten verbreitet werden, dass der Iran an der Ermordung von Trump arbeitet. Sind diese Behauptungen wahr? Es gibt kaum öffentlich zugängliche Beweise dafür.
Vielleicht will der Iran Trump wirklich zu Fall bringen. Vielleicht ist dies aber auch Teil eines Komplotts, mit dem sichergestellt werden soll, dass Trump im Falle seines Wahlsiegs einen ausgewachsenen Krieg mit dem Iran unterstützt. Trump hat wiederholt gesagt, dass er beabsichtigt, den Krieg in der Ukraine zu beenden, sobald er ins Weiße Haus zurückgekehrt ist. Dies würde die über ein Jahrzehnt andauernde Planung des Atlantic Council zunichte machen. Was aber, wenn sie die USA in einen anderen Konflikt mit demselben Potenzial für einen Weltkrieg hineinziehen können? Das ist es, was der Iran ist – eine weitere Eskalationsmöglichkeit.
Ich möchte anmerken, dass ein „Weltkrieg“ viele Formen annehmen kann. Es kann sich um einen Krieg handeln, in dem eher wirtschaftliche Waffen als Atomwaffen zum Einsatz kommen und der im Grunde genommen seit mehr als vier Jahren bereits gefochten wird. Es kann eine Reihe von Stellvertreterkriegen sein, die sich zuspitzen und ausweiten.
Der Konflikt in der Ukraine dient als Stellvertreterkrieg, in dem Russland indirekt mit der NATO konfrontiert ist, und Russland ist nun gezwungen, seine militärische Präsenz weitaus länger als erwartet und zu wesentlich höheren Kosten aufrechtzuerhalten. Der Iran hat das Potenzial, zu einer weiteren Ukraine zu werden, allerdings zu einer, in der die USA und Israel dazu gezwungen sind, militärische und wirtschaftliche Ressourcen aufzuwenden, während Russland und China die Kosten in die Länge ziehen.
In meinem Artikel vom Juni 2025 mit dem Titel Naher Osten: Die „iranische Falle“ und das Potenzial zum Dritten Weltkrieg habe ich vorausgesagt:
Der Iran wird reichlich Waffen und Informationen aus russischen Quellen erhalten, was den Konflikt in die Länge zieht.
Der Kreml hat im Grunde zugegeben, dass dies bereits geschieht. Der Iran hat bei einigen Raketenangriffen eine für ihn ungewöhnliche Präzision an den Tag gelegt, gerade weil er Zugang zu russischen Satellitendaten und Zielerfassung hat. Nach allem, was wir wissen, könnten die Russen sehr wohl die strategischen Operationen des Iran leiten. Ich habe außerdem argumentiert, dass:
An der politischen Front wird es eine tiefe Kluft zwischen den israelfreundlichen Konservativen und den Antikriegskonservativen geben. Trump wird einen großen Teil seiner Basis verlieren, wenn die USA Truppen entsenden. Bei den nächsten Wahlen wird es dann eine aggressive Bewegung geben, um die Kriegshetzer loszuwerden. Und wenn die Eskalation zu einem Weltkrieg führt, werden die Neocon-Politiker direkte Konsequenzen zu spüren bekommen.
Mit anderen Worten: Eine der größten Katastrophen, die den USA (und auch dem Westen) infolge dieses Krieges widerfahren könnte, wäre, dass ideologisch verblendete Demokraten und Linke nach den US-Zwischenwahlen wieder genügend politischen Einfluss gewinnen, um jegliche praktischen Reformen zu blockieren und schließlich den Albtraum des „Wokeismus“ zurückzubringen, den wir unter der Biden-Regierung erlebt haben. Sollte dies geschehen, sind gewalttätige Massenunruhen in den USA unvermeidlich. Ganz zu schweigen davon, dass ein Krieg mit Russland in der Ukraine wieder auf der Tagesordnung stehen würde.
Für weite Teile Asiens wird die Katastrophe unmittelbar spürbar sein, einschließlich wirtschaftlicher Implosion, Rationierung und wahrscheinlich ziviler Unruhen. Und dank der Globalisierung kann sich eine Wirtschaftskrise in Asien auf die westlichen Volkswirtschaften ausbreiten.
Europa hingegen ist der ganz große Leidtragende. Einmal durch den ideologischen Irrsinn alle wirtschaftlichen und energietechnischen Beziehungen zu Russland abzubrechen (im Übrigen auf Geheiß der USA, die sich selbst kein Jota daran halten) und zum anderen durch die Erpressbarkeit bei LNG aus den USA. Während man gleichzeitig mit Asien auf dem Weltmarkt konkurrieren muss, was die Energieversorgung anbelangt.
Für Afrika wird das Thema Nahrungsmittelsicherheit essenziell werden, da sowohl die Verknappung bei Öl als auch Gas sowie bei Dünger(vor)produkte zu höheren globalen Preisen bei Weizen und Co. führen wird, was die meisten afrikanischen Staaten nicht zahlen werden können.
Die BRICS-Staaten haben einen Großteil ihres Einflusses auf den US-Dollar verloren, den sie vor zehn Jahren noch hatten (Chinas Dollar- und Staatsanleihebestände haben sich halbiert und die Exporte aus China in die USA sind deutlich zurückgegangen), aber sie können durch Handelsstörungen immer noch genügend Wirtschaftskrieg führen, um auf den US-Märkten Chaos anzurichten.
Wie ich in jüngsten Artikeln erwähnt habe, ist jede Störung des Yen-Carry-Trades derzeit vielleicht die größte Bedrohung für die US-Wirtschaft/-Dollar, und dies könnte durch hohe Energiepreise in Japan ausgelöst werden; nicht als Angriff, sondern als natürliche Folge der gegenseitigen Abhängigkeit der Märkte. All dies hängt von den wahren Zielen hinter den US-Operationen im Iran ab, die meiner Meinung ganz woanders legen als daran einen Regime-Change in Teheran herbei zu führen.
Die Neokonservativen und Israel wollen und werden Bodentruppen einsetzen. Ein solches Vorhaben könnte Jahre dauern und würde einen maximalen Einsatz von US-Bodentruppen erfordern.
Das Ziel Israels und der USA ist es nicht lediglich, die Fähigkeit des Iran zu zerstören, militärische Macht außerhalb seines Landes auszuüben, oder die Kontrolle über die Straße von Hormus zu übernehmen. Ein Rückzug ist weder für Netanjahu noch Trump in dieser Phase eine Option (die Straße von Hormus kann nicht in den Händen der Iraner belassen werden, ohne dass man Druckmittel gegen sie hat).
Der Schlüssel zur Beendigung des Iran-Kriegs in fünf Wochen
Wir hören ständig von den internationalen Risiken einer Sperrung der Straße von Hormus, aber die Medien erwähnen selten, dass der Iran die am stärksten gefährdete Wirtschaft von allen ist. Derzeit passieren weiterhin iranische Öltanker die Meerenge, und diese Schiffe sind die wirtschaftliche Lebensader des Iran. Strategische Schätzungen deuten darauf hin, dass die iranische Wirtschaft ohne die stetige Durchfahrt dieser Öltanker innerhalb von fünf Wochen vollständig zusammenbrechen würde.
Tatsächlich sickern bereits Informationen aus dem Iran durch, die darauf hindeuten, dass gerade ein wirtschaftlicher Zusammenbruch stattfindet. Dies wird die Verhandlungsbereitschaft der islamischen Regierung beschleunigen.
Sollten sie dies nicht tun, wird Trumps Strategie in einer Bodeninvasion der Insel Kharg sowie mehrerer anderer Inseln bestehen, die der Iran zur Sicherung der Straße von Hormus nutzt. Über die Insel Kharg laufen etwa 96% der iranischen Rohölexporte, was sie zur größten Schwachstelle des Irans macht.
Was aber, wenn Kharg ein zu großes Risiko darstellt? Die US-amerikanische Öffentlichkeit lehnt selbst minimale militärische Verluste ab, weshalb das Land politisch schlecht gerüstet ist, einen langwierigen Krieg zu überstehen. Zudem sollte man die Fähigkeiten des Irans auf militärischer Ebene nicht unterschätzen. Es gibt nach Ansicht einiger Analysten aber einen anderen Weg, und der sei viel „sicherer“:
Iranische Frachtschiffe können durch eine US-Blockade des Persischen Golfs weit entfernt von den engen Gewässern der Straße von Hormus zur Beschlagnahmung ins Visier genommen werden. Die Schiffe könnten zerstört werden, aber es wird vermutet, dass das US-Kriegsministerium versuchen wird, Ölverschmutzungen und ökologische Katastrophen zu vermeiden. Stattdessen besteht die beste Option darin, die iranischen Tanker zu kapern und das Öl dann in Länder umzuleiten, denen eine Verknappung droht. Der Iran hat die Möglichkeit, die GPS-Ortung für seine Schiffe (Schattenflotte) abzuschalten, doch dies würde ihm nicht helfen, eine umfassende US-Blockade zu umgehen.
Mit anderen Worten: Einige Analysten behaupten, dass die USA den Spieß gegen den Iran umdrehen und dessen Abhängigkeit von der Straße von Hormus gegen ihn nutzen könnten. Da die iranische Wirtschaft am Boden liegt, wird das Land nicht mehr in der Lage sein, Raketen oder Drohnen zur Nachschubversorgung aus Russland und China zu kaufen. Es wird nicht in der Lage sein, die logistischen Ressourcen für sein Militär zu bezahlen, und es wird nicht in der Lage sein, öffentliche Unruhen einzudämmen.
Die Iraner wären zu Verhandlungen gezwungen, und der Krieg wäre schnell vorbei, mit minimalem Risiko für die US-Truppen. Das ist die einzige Option, die manche sehen, um die Energiemärkte innerhalb weniger Monate wieder zum Normalbetrieb zurückzuführen und gleichzeitig eine globale Krise zu verhindern. Trump sollte alle Forderungen nach einer langfristigen Bodenbesetzung mit Argwohn betrachten; es besteht kein Bedarf für ein solches militärisches Engagement. Der Krieg kann schnell mit wirtschaftlichen Mitteln entschieden werden.
Haben diese Analysten recht? Oder unterliegen sie einem Wunschdenken? Ich denke, dass es ein Mittelding ist. Teheran hat gezeigt, dass seine asymmetrische Kriegsführung durchaus militärische Erfolge bringt und ich gehe davon aus, dass sie auch entsprechende Pläne für eine Bodenoffensive der USA und Israel haben werden, die durchaus schmerzhaft und verlustreich sein werden. Ob sie am langen Ende einer Invasion Stand halten können? Vieles dürfte tatsächlich damit stehen oder fallen, was die wirtschaftliche Lage des Irans mittels seiner Ölexporte anbelangt – und hier könnten die Analysten tatsächlich richtig liegen. Auch wenn sie in der Annahme, dass danach in wenigen Monaten alles wieder „wie gehabt“ laufen würde, vollkommen falsch liegen – dafür wurde zu viel benötigte Infrastruktur im Nahen Osten bereits zerstört.
Quellen:
Global Energy Crisis Or Iranian Surrender In Five Weeks?
From the archives: Americans get by on less during 1973 oil crisis
Energy disruptions from Iran war trigger sprawling oil shortages across Asia
Atlantic Council: Der Plan für einen Krieg zwischen dem Iran und den USA
Naher Osten: Die „iranische Falle“ und das Potenzial zum Dritten Weltkrieg
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