Smarte Technologien: Wie sie unsere Gerichtsbarkeit verändern werden

Internet der Dinge - Bildquelle: Wikipedia / Wilgengebroed on Flickr, Creative Commons Attribution 2.0 Generic

Internet der Dinge – Bildquelle: Wikipedia / Wilgengebroed on Flickr, Creative Commons Attribution 2.0 Generic

Im Dezember letzten Jahres machte ein Mordfall in den USA Schlagzeilen. Nicht wegen des Mordes selbst, sondern wie man den Verdächtigen ermittelte. James Bates feierte in der Nacht des 21. Novembers 2015 eine Party in seinem Haus in Bentonville, Arkansas. Irgendwann an diesem Abend ertrank ein Mann in Bates‘ Whirlpool. Bates behauptete, dass er das Opfer am nächsten Morgen fand, als er wieder aufwachte. Er gab an, dass es sich um einen tragischen Unfall handeln müsste. Die Polizei beschaffte sich daraufhin die Daten des Smart Meters (elektronischer Stromzähler) von Bates und stellte eine Anomalie des Verbrauchs zwischen 1 und 3 Uhr morgens fest. Aufgrund dieser Daten, die die Polizei im Übrigen ohne richterlichen Beschluss erhalten hatte – wurde Bates verhaftet und des Mordes bezichtigt.

Bates war damit wohl der erste, in dessen Fall Daten eines „Smart Home“-Gerätes bei der Ermittlung herangezogen wurden.

James Bates wollte zur eigenen Verteidigung daraufhin Aufnahmen seines Amazon Echo-Geräts von Amazon einfordern. Jedoch lehnt Amazon bislang die Herausgabe dieser Aufzeichnungen ab. Während also die Polizei ohne richterlichen Beschluss Bates per Smart Meter-Daten verhaften konnte, werden Bates ironischerweise die Aufzeichnungen eines weiteren „smarten Gerätes“ verweigert, um seine Verteidigung zu unterfüttern.

Inzwischen gibt es einen weiteren aufsehenerregenden Fall in den USA, wo ein „stimmengesteuertes smartes Gerät“ in New Mexico die Sicherheitskräfte während einer angeblichen Auseinandersetzung anforderte:

Eduardo Barros passte mit seiner Freundin und deren Tochter Sonntag Nacht auf eine Residenz in Tijeras auf, etwa 15 Meilen östlich von Albuquerque. Das Paar geriet in einen Streit und die Auseinandersetzung wurde körperlich, so der Sprecher des Bernalillo County Sheriff Departments, Deputy Felicia Romero.

Angeblich fuchtelte Barros mit einer Schusswaffe und drohte, seine Freundin zu töten und fragte sie: „Hast du die Sheriffs angerufen?“ Ein smartes Gerät, das an ein Surround-Sound-System im Haus angebunden war, erkannte das als Sprachbefehl und rief die 911, sagte Romero.

(Eduardo Barros was house-sitting with his girlfriend and her daughter Sunday night at a residence in Tijeras, some 15 miles east of Albuquerque. The couple got into an argument and the altercation became physical, according to the Bernalillo County Sheriff Department’s spokesperson, Deputy Felicia Romero.

Barros allegedly wielded a firearm and threatened to kill his girlfriend, asking her: „Did you call the sheriffs?“ A smart speaker, which was hooked up to a surround sound system inside the home, recognized that as a voice command and called 911, Romero said.)

Nach mehreren Stunden des Verhandelns wurde Barros in Haft genommen und angeklagt. Diesmal – im Gegensatz zu Bates – sehen die Strafverfolgungsbehörden die Aufzeichnungen und den Notruf des „smarten Gerätes“ als relevant und zulässig an. Der zuständige Richter sieht im Vorgang, dass das „smarte Gerät“ die Polizei rief, bereits einen ausreichenden Grund für die Verhaftung Barros.

Diese beiden Fälle verdeutlichen in meinen Augen sehr gut, in wie weit sich durch die uns alles umgebende Technik aus Mikrofonen, Aufzeichnungen, Datenbanken, Datenspeicherung und Kameras die Gerichtsbarkeit verändern wird. Die Wanzen in unseren Taschen, die Kameras und Mikrofone an Laptops, Tablets und Smart TVs (Stichwort CIA’s Vault 7), und all die anderen „smarten Geräte“, die sich langsam aber sicher in unseren Alltag „hineinfressen“, zeigen langsam ihr wahres Gesicht. Leider verkennen zu viele Menschen, dass die Vorteile solcher Geräte mit zahlreichen Nachteilen eingekauft werden. Aber anscheinend wollen das nur wenige erkennen und ergreifen entsprechende Maßnahmen.

Quellen:
Voice-Activated Smart Home Technology Used To Make Arrest In Assault Case
Smart Meter Data At Crux Of Arkansas Murder Case
Suspect OKs Amazon to hand over Echo recordings in murder case
Anything You Say Around Your Smart Devices Can And Will Be Used Against You In Court
Smart home device alerts New Mexico authorities to alleged assault


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4 Kommentare bei “Smarte Technologien: Wie sie unsere Gerichtsbarkeit verändern werden

  1. MFG-Hamburg
    12. Juli 2017 um 10:47

    „Leider verkennen zu viele Menschen, dass die Vorteile solcher Geräte mit zahlreichen Nachteilen eingekauft werden. Aber anscheinend wollen das nur wenige erkennen“

    wollen? das bewußtsein dafür existiert garnicht, gleich jenem, der aus 500m entfernung, ein plaket lesen sollte, im grunde, nichtmal das plakat sieht

    in alten zeiten freute ich mich über techische entwicklungen, fundamentale sprünge nach vorne. doch jetzt ist klar, in diesen zeiten werden die negativen kräfte, alle diese kenntnisse gegen den menschen nutzen.

  2. guguk
    12. Juli 2017 um 16:27

    Man sollte umstellen in eine naturnahe Lebensweise, in den kanadischen Wäldern oder Abseits sonstwo.
    Je weiter weg von der Zivilisation, desto besser.

  3. petro dollar
    13. Juli 2017 um 13:01

    Kapriziert doch nicht immer auf vermeintlich vermummte rechte Truppen, ist hier nun wirklich nicht das Problem.
    Schaut euch lieber mal die G8- Aktion des italienischen Staats in Genua 2001 an, insbesondere die gerichtliche Aufarbeitung in den Jahren danach.
    Ein anschließender Vergleich mit der Polizeitaktik in Hamburg, insbesondere auch die merkwürdige Entlassung der vermeinlichen 13 Straftäter vom Dach eines Hauses im Schulterblatt.
    Ausgerechnet die Leute, wegen denen die Polizei die Bewohner des Schanzenviertels stundenlang mit dem marodierenden Mob allein gelassen hat, für die extra das SEK kommen mußte… ja, ja, es passieren schon seltsame Dinge.

  4. energy007
    13. Juli 2017 um 23:09

    Das Internet der Dinge: ich habe kein Bedürfnis, einen Stromzähler zu haben, der auf Anfrage „weiß“, ob ich zu Hause bin, einen Kühlschrank, der auf Anfrage „weiß“ was ich esse, einen Rauchmelder im Schlafzimmer, der „Amateurpornos“ aufzeichnet und in einer Wohnung zu wohnen, in der ich nicht sicher sein kann, ob meine Gespräche nicht aufgezeichnet werden.
    Das ultimative Fernziel des Internets der Dinge sieht so aus:
    ein Wanderer geht bei einer Rinderherde vorbei und ruft denen zu: „Ihr braucht gar nicht so überheblich dreinschauen, nächstes Jahr habe ich auch so einen Chip!“

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