Assad im Interview: US-Bombardierung der syrischen Truppen kein Versehen – „Man kann keinen Fehler eine Stunde lang begehen.“

John Kerry beim Abendessen mit Baschar Hafiz al-Assad

John Kerry beim Abendessen mit Baschar Hafiz al-Assad – Bildquelle: AFP

Hat der US-Kongress offiziell Syrien den Krieg erklärt? Ich wüßte nicht. Warum haben die US-Amerikaner aber trotzdem „versehentlich“ syrische Truppen bombardiert? Und dies eine ganze Stunde lang?

In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP hat sich nun der syrische Präsident Bashar al-Assad zu diesem „Fehler“ geäußert. Da es leider nach wie vor so ist, dass wir in unserer Hochleistungspresse nur eine Sicht – die vom Westen genehme – präsentiert bekommen, ist es so wichtig auch einmal die zweite Seite zu Wort kommen zu lassen.

Assad zu dem „angeblichen Versehen“:

Es war kein Versehen durch ein Flugzeug; es waren vier Flugzeuge, die die Position der syrischen Truppen für annähernd eine Stunde oder etwas mehr als eine Stunde angegriffen haben.

(It was not an accident by one airplane; it was four airplanes which kept attacking the position of the Syrian troops for nearly one hour or maybe a little bit more than one hour.)

Wie wir wissen, bombardieren die USA gerne einmal versehentlich irgendwelche Truppen oder Botschaften (Jugoslawien chinesische Botschaft) oder Krankenhäuser (Ärzte ohne Grenzen-Krankenhaus im Kundus) – was sie nach offiziellem, eigenem Sprech wohl zu einer der schlechtesten Armeen/Luftwaffen der Welt macht.

Assad weiter zu den zeitgleich stattgefundenen Daesh-Angriffen:

Die Daesh-Truppen griffen genau zur gleichen Zeit an als die USA attackierten. Wie konnten sie wissen, dass Amerika diese Position [„versehentlich“] angreifen werden, und deswegen vorher ihre Kämpfer zusammenziehen und innerhalb einer Stunde nach den Luftschlägen angreifen. Es war defintiv beabsichtigt und nicht unbeabsichtigt…

(The IS troops attacked at the very same time as the American strike. How could they know that America was going to attack that position [“accidentally”] in order to gather their militants right away and attack it one hour after the strike? It was definitely intentional and not unintentional…)

Kein Wunder also, dass die syrische Armee sagt, dass die „Angriffe mit dem Daesh abgesprochen waren“. Auch deren Behauptungen, dass die USA die Terroristen des Daesh beschützen und stützen, gewinnt dadurch an Glaubwürdigkeit:

  • Wir [die syrischen Soldaten] dachten nach den ersten beiden Schüssen zuerst, dass uns das Flugzeug unterstützt, aber wir fanden schnell heraus, dass sie unsere Kräfte aggressiv angriffen, während wir die Daesh-Terroristen bekämpften. Das Flugzeug hat Streubomben gegen uns eingesetzt.
  • Einen Tag vor den Luftschlägen flogen [US-]Drohnen in diesem Gebiet und scannten es.
  • Die US-Luftschläge haben unser gesamtes Material und unsere Verteidigungspositionen zerstört.
  • Daesh-Kämpfer haben uns sofort und während der US-Angriffe attackiert. Einige von ihnen lachten.
  • US-Drohnen und Helikopter eröffneten das Feuer mit Machinengewehren auf unsere sich zurückziehenden Kräfte.
  • Es war sicherlich kein Fehler, sie haben uns gezielt angegriffen, um dem Daesh zu helfen.
  • Amerika ist selbst der Daesh.

  • (– We [Syrian soldiers] first thought the aircraft are support to us after the first 2 shots, but we quickly found out that they are targeting our forces aggressively, while we were fighting IS terrorists. The aircraft used cluster bombs against us.
  • A day before the airstrikes, the [US] drones were flying and scanning all the area.
  • The US air-strikes destroyed all our equipment and defense points.
  • IS fighters attacked us immediately after and during the US strikes. Some of them were laughing.
  • US drones and helicopters opened fire from machine guns on our retreated forces.
  • It for sure wasn’t a mistake, they targeted us intentionally to help IS.
  • America is ISIS itself.)

Assad spricht in diesem Interview einen wichtigen Punkt an. Wenn die USA wirklich versehentlich die syrischen Truppen (eine Stunde lang) angegriffen haben, wie konnte der Daesh wissen, dass dieser „versehentliche Angriff“ stattfinden würde? Die Hochleistungspresse schrieb von Anfang an, dass es sich bei der Bombardierung um einen „Fehler“ gehandelt habe. Ohne dabei auf die Häufung dieser „Fehler“ einzugehen. Oder darauf, dass doch die USA ansonsten mit „chirurgischer Präzsion“ ihre Angriffe durchführen „können“. Eine Berichterstattung ganz im Sinne der „translatlantischen Beziehungen“

Quellen:

Assad Interview: US Airstrikes on Syrian Troops Not a Mistake, “You Cannot Commit a Mistake for One Hour”

“They targeted us intentionally to help ISIS”: Obama Protecting Terrorists with Airstrikes in Syria

US attack on Syrian troops not an accident, definitely intentional – Assad to AP


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8 Kommentare bei “Assad im Interview: US-Bombardierung der syrischen Truppen kein Versehen – „Man kann keinen Fehler eine Stunde lang begehen.“

  1. 24. September 2016 um 11:20

    Wenn die U$A wirklich den Daesh bekämpfen würden, dann hätten sich die Daesh-Kämpfer beim Anflug der U$-Kampfflugzeuge in ihre Bunker zurückgezogen und bestenfalls hätten ein paar mit Abwehr-Raketen auf die U$-Kampfflugzeuge geschossen. Wer im Bunker sitzt hat keinen Überblick über die Lage und kann daher nicht sofort einen Angriff starten.
    Es spricht also alles dafür, dass der ‚versehentliche‘ Angriff auf die syrischen Truppen mit dem Daesh abgesprochen war – Hinterlistigkeit ist ja nichts Neues bei gewissen U$Anern, schon seit den IndianerKriegen.

    Es gibt auch den Verdacht, dass der Hilfskonvoi von einer Hellfire-Rakete abgefeuert von einer U$-Drohne getroffen wurde:
    https://www.contra-magazin.com/2016/09/syrien-traf-eine-hellfire-rakte-den-un-hilfskonvoi

  2. flowerpower
    25. September 2016 um 03:22

    Welche kranken, amerikanischen „Dosenköpfe“ haben sich wohl diesen Daesh-Schaden ausgedacht?
    So ein Wahnsinn!

    • 25. September 2016 um 10:31

      @flowerpower:

      In einem Gesellschafts-&Wirtschafts-System, in dem Macht über Menschen möglich ist, werden fast immer die Skrupellosesten an die Macht gelangen, – eben weil sie keine Skrupel haben.
      Angesichts der heutigen technischen Möglichkeiten – Möglichkeit zur Umweltschädigung und Waffentechnik – brauchen wir deshalb ein System, das Macht verunmöglicht.
      DenkAnsätze dazu gibt es ja einige, mit mehreren Abstufungen der möglichen Macht.

      • flowerpower
        25. September 2016 um 12:37

        Lieber Heinz Göd,

        zu den Skrupellosen gehören auch noch die 6% Psychophaten einer Gesellschaft.
        Schon deshalb ist die Idee „keine Macht für Niemand“ eine gute.
        Aber wie umsetzen?
        Die „Grünen „wollten deshalb bei ihrer Gruendung das „zweijährige Rotationsprinzip“ einführen (Macht korrumpiert potenziell, so das Paradigma.)

        Dies wurde aber dann verworfen, weil sich die „Realos“ mit dem Standpunkt durchsetzen konnten, dass es länger brauchen würde gute politische Arbeit zu leisten.

        Heute zum Beispiel schreibt „Arschloch Fischer“ (Fischerzitat: „Herr President sie sind ein Arschloch!“) skrupellose Gefälligkeitsartikel für das Machtsystem und die IGE.

        Geld=Macht und Macht=Geld (Macht verunmoeglichen=Geld verunmoeglichen?…Hmm)

        Wie baut man damit ein gutes System?

        Die reale Umsetzung einer einfachen Idee (keine Macht für Niemand) scheint mir so schwierig zu sein wie die Realisierung der einfache Idee der Wasserstofffusion des Tokamaks.

        Man darf einfach nicht aufgeben und zum Glück gibt es ja auch noch genügend Menschen, die „Herz und Verstand“ l(i)eben statt mit Ego und Macht leiden (Es gibt Menschen, die sind so arm, die haben nur Geld.)
        Sie sind die göttliche (Gott=gut) Hoffnung.

        • 25. September 2016 um 14:30

          Liebe flowerpower,

          Geld=Macht und Macht=Geld (Macht verunmöglichen=Geld verunöeglichen?…Hmm)

          Wir sind uns diesbezüglich einig.

          Wie baut man damit ein gutes System?

          Es gibt da bereits einige Vorschläge:
          http://www.members.aon.at/goedheinz/GOD_Deutsch/Zukunft/2069Buch/2069D_0.html
          http://stattkapitalismus.blogsport.de/2008/12/05/inhaltsverzeichnis/
          http://peerconomy.org/wiki/Deutsch

          Da Sie sich ‚flowerpower‘ nennen, könnte Ihnen möglicherweise ‚2069‘ zusagen.

          Freundliche Grüße
          HG

  3. 26. September 2016 um 12:49

    Doch kann man. Der Begriff Friendly Fire sagt doch alles.

    Viel verstörender finde ich den Umstand, dass ein (hausgemachter?) Putsch bei einem „demokratisch“ gewählten Volksvertreter zu einem Aufschrei der Nationen führt, hier es aber anscheinend völlig uninteressant ist, dass dies auch für Assad gilt.
    Zu dem Thema Macht = Geld etc. möchte ich gerne anmerken, dass jeder sein Publikum/Unterstützer braucht. Natürlich kann man mit Geld viel erreichen, doch wenn der Rest der Menschheit aufhören würde sich bestechen und beeindrucken zu lassen würde dies gewaltig gemindert. Was würde z. B. mit Stars passieren, wenn keine Hochglanzzeitschrift mehr gelesen würde, wenn keiner mehr zum roten Teppich käme. Die machen ihre Arbeit und gut ist.
    Solange wir uns vor der Macht/Geld verneigen und sie ihnen zugestehen wird sich nichts ändern. Es wäre ein wichtiger Schritt getan, wenn die nicht „Mächtigen“ Werte und Gewissen vor Gier und persönliche Vorteilsnahme stellen würden. Wenn z.B. Patienten nach dem First come-Prinzip Termine bekommen. Wenn Firmen nicht jeden beliefern etc..

    Ohne Soldaten kann auch der Mächtigste keinen Krieg führen (wobei, Zweikampf zwischen Obama und Putin hätte schon was).

    Das Ansehen in unserer Gesellschaft wird doch von allen geprägt. Was wäre, wenn wir Menschen nach dem Charakter beurteilen statt nach seinem Status, wenn Freundschaft und Miteinander wichtiger sind als Macht und Reichtum. Wenn wir auf Statussymbole verzichten. Wenn die Mutter mit fünf Kindern der Star ist.
    Das entscheiden doch wir alle oder etwa nicht. Wenn wir nicht das System ändern können, können wir es zumindest schwächen. Wir müssen uns an die eigene Nase fassen.
    Und sagt jetzt bitte nicht, wenn ich es nicht tue, dann macht es ein anderer. Wie bequem. Dann darf man sich aber auch nicht beschweren. Für mich gilt die Devise was ich nicht bereit bin zu leisten/tun, kann ich auch von keinem anderen erwarten. Manchmal muss man mit gutem Beispiel vorangehen. auch wenn es hart ist und weh tut.
    Dabei nie vergessen, was soll ich allein da machen sagen Millionen.

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