Finanzsystem: Ist die Deutsche Bank das neue Lehman Brothers?

Diese Frage mag auf den ersten Blick provokativ erscheinen, aber im Folgenden werde ich versuchen sie als gerechtfertigt darzustellen.

Die Deutsche Bank (DB) ist ungefähr dreimal größer als es Lehman Brothers (LB) zum Zeitpunkt ihres Zusammenbruchs war. Und wie 2008 würde ein Implodieren der DB eine Schockwelle durch das marode Finanzsystem schicken. Bereits seit September 2015 schreibe ich regelmäßig über die Situation der DB und seitdem haben sich die Fundamentaldaten der DB wahrlich nicht verbessert. So musste die Konzernspitze einen Verlust für das Jahr 2015 von 6,8 Milliarden Euro bekanntgeben. Daneben war die DB bei fast allen Skandalen beteiligt, die in den letzten Monaten publik wurden. Sei es bei der Manipulation der Edelmetallpreise, wo sich die DB jetzt als Kronzeuge verdingt, oder beim Handel mit den Kreditausfallversicherungen. Immer wieder lesen wir dort den Namen Deutsche Bank:

Einen Monat nachdem die Deutsche Bank zugegeben hat die Edelmetallmärkte zu manipulieren, wurde sie heute von einem Doppelschlag aufgrund angeblichen betrügerischen  Verhaltens getroffen und die Aktie rutscht weiter ab. Zuerst berichtet Reuters, dass die Bank eine Strafe von 450 Millionen Euro wegen „Aktienhandelbetrugs“ hinnehmen muss, und dann berichtet Bloomberg, dass die SEC die Positionen der Deutschen Bank bei den Hypothekenpositionen seit der Krise prüfen wird.

(A month after admitting to rigging precious metals markets, Deutsche Bank has been hit with a double-whammy of more alleged fraudulent behavior today and the stock is sliding. First, Reuters reports that the bank took a charge of 450 million euros for “equity trading fraud,” and then Bloomberg reports that the SEC is looking into Deutsche’s post-crisis mortgage positions.)

Die Deutsche Bank hat inzwischen immense Rücklagen für Klagen/Strafen gebildet und es dürften noch weitere von Nöten sein, wenn die SEC ihre Untersuchungen fortsetzt (Kurzer Einschub: Warum riecht es hier schon wieder so komisch, wenn ausgerechnet die US-amerikanische SEC gegen ein deutsches Unternehmen vorgeht und die eigenen „Spielgefährten“ wieder einmal „unbeobachtet“ bleiben?):

Der schwer angeschlagene Wall Street-Riese Deutsche Bank wird im Rahmen einer anderen Untersuchung, diesmal von der Securities and Exchange Commission, in Bezug auf die Preisgestaltung und Berichterstattung über bestimmte hypothekenbesicherte Wertpapiere geprüft.
Die SEC will wissen, ob die in Frankfurt am Main, Deutschland ansässige Bank künstlich den Wert von hypothekarisch gesicherten Wertpapieren im Jahr 2013 angehoben und später diese Verluste über einen längeren Zeitraum versteckt hat, wie Bloomberg zunächst unter Berufung auf Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sind, berichtete.

(Troubled Wall Street giant Deutsche Bank is under another investigation, this time by the Securities and Exchange Commission regarding the pricing and reporting of certain mortgage-backed securities.
The SEC wants to know whether the Frankfurt, Germany-based bank artificially raised the value of mortgage-backed securities in 2013 and later hid those losses for an extended period of time, Bloomberg first reported, citing people familiar with the matter.)

Aber auch ohne Skandale und Untersuchungen ist die DB eine Bank, die sich in mehr als schwierigem Fahrwasser bewegt. Allein mit 64 Billionen US-Dollar soll die DB im Derivategeschäft involviert sein. Dieser Betrag enstpricht 16 mal dem BIP Deutschlands. Und darin dürfte auch der Grund liegen, warum alles getan weden wird, dass die DB nicht zusammenbricht. Es wäre ein Finanztsunami sondersgleichen, den die Welt bisher noch nicht gesehen hat, wenn auch nur ein Teil davon schlagend wird. Allein ein Blick auf den aktuellen Chart der DB und den einkopierten von Lehman Brothers – kurz vor ihrem „Dahinscheiden“ – spricht Bände und ist wie ein Déjà-vu:

DB und LB - Bildquelle: www.zerohedge.com

DB und LB – Bildquelle: www.zerohedge.com

Anfang des Jahres bewegte sich der Aktienwert der DB auf einem Rekordtief und seitdem liegt er auch in diesem Bereich. Dass die DB Riesenprobleme hat, ist sicherlich kein Geheimnis und der Ausblick für das Frankfurter Bankhaus ist nicht gerade rosig:

Immer noch zu viele Probleme: Das größte Problem ist, dass die DBK zu stark gehebelt ist. Unserer Annahme nach glauben wir, dass die DBK noch über 40x gehebelt ist. Die DBK kann entweder ihre Vermögenswerte reduzieren oder ihr Kapital erhöhen, um dies zu korrigieren. Ersteres geben die Märkte aufgrund der Größe und des Preises nicht her, um diesen Weg zu beschreiten. Das Zweite erscheint im Moment unmöglich, da die Rentabilität des Kerngeschäfts  unter Druck steht. Fremdkapital zu suchen ist wahrscheinlich auch schwierig, da es das Management wahrscheinlich schwer haben dürfte dem Kapital irgendeine Form von Rendite zu bieten.

(Too many problems still: The biggest problem is that DBK has too much leverage. On our measures, we believe DBK is still over 40x levered. DBK can either reduce assets or increase capital to rectify this. On the first path, the markets do not exist in the size nor pricing to enable it to follow this route. Going down the second path also seems impossible at the moment, as the profitability of the core business is under pressure. Seeking outside capital is also likely to be difficult as management would likely find it hard to offer any type of return on new capital invested.)

Die DB dürfte in ihrer heutigen Form nur noch wenig Überlebenschancen haben und es ist nur eine Frage der Zeit bis es zumindestens zu einer Umstrukturierung/Aufsplittung/Teilgeschäftsverkauf o.ä. kommen muss – was dann zum Teil zu Lasten der Steuerzahler gehen dürfte.

Und neben der DB sollten wir noch einen Blick nach Japan riskieren. Denn dort ist im siebten Monat in Folge der Export eingebrochen. Allein 10,1% im April im Vergleich zum Vorjahr. Auch der Import fiel zum Vorjahresmonat um 23,2%.

Japan ud Deutschland. Die Verlierer des Zweiten Weltkriegs sind die beiden Länder, die es gilt in den nächsten Wochen und Monaten zu beobachten.

Quellen:
May 2016: Will Deutsche Bank Survive This Wave Of Trouble Or Will It Be The Next Lehman Brothers?
There Are Indications That A Major Financial Event In Germany Could Be Imminent
Touchy derivatives market spreading Deutsche Bank waves
Deutsche Bank Slides After Mortgage Probe Unveiled; Admission It Rigged Stocks
Deutsche Bank Admits It Rigged Gold Prices, Agrees To Expose Other Manipulators
Deutsche Bank Is Getting Probed by the SEC
Analyst Warns Deutsche Bank’s Problems May Now Be „Insurmountable“
Japan April Trade Surplus 823.5 Billion Yen, Beats Estimates


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6 Kommentare bei “Finanzsystem: Ist die Deutsche Bank das neue Lehman Brothers?

  1. Sebastian
    24. Mai 2016 um 12:54

    In Bankenkreisen ist es üblich, DeuBa zu sagen. DB steht für Deutsche Bahn. Vielleicht könnte das geändert werden.

    Sonst beobachte ich auch einen Krieg gegen deutsche Unternehmen wie VW oder DeuBa. Allerdings hat sich letztere durch das von den USA aufgezwungene Shareholder Value selbst in die missliche Lage manövrieren lassen. Einen Untergang kann ich mir nicht vorstellen, nur eine Zerschlagung.

  2. keinerosigenzeiten
    24. Mai 2016 um 13:55

    Japan und Deutschland. Die Verlierer des Zweiten Weltkriegs sind die beiden Länder, die es gilt in den nächsten Wochen und Monaten zu beobachten.

    Wenn das kein Weckruf ist – Alliierte sind und bleiben eben Alliierte. Konjunktion sagt es ja schon lange, „Russophile“ möchten es aber nicht wahr haben. Nun, es wird die Zeit kommen, wo man verstehen wird. Was dann noch von D übrig ist, steht in den Sternen.

  3. forexlegend
    24. Mai 2016 um 22:11

    Haben nicht amerikanische Banken der DeuBa aus der Misere geholfen? Ich hatte mal irgendwo gelesen, dass unter anderem die JP M. faule Papiere aufgekauft hat…
    Aber ich bin mir sicher, dass diese Titanic nicht sinken wird.

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