Studie: Staatliche Überwachung führt zur Selbstzensur

Edward Snowden - Bildquelle: www.konjunktion.info

Edward Snowden – Bildquelle: www.konjunktion.info

Eine neue Studie besagt, dass das Wissen über staatliche Überwachung und Kontrolle dazu führt, dass Menschen sich online eine Art Selbstzensur auferlegen, um nicht mit abweichenden Meinungen aufzufallen.

Die bei Journalism and Mass Communication Quarterly erschienene Studie untersuchte die Effekte, wie Individueen kommunizierten, nachdem sie an die Überwachung durch den Staat erinnert wurden.

Die Mehrheit der Teilnehmer an der Studie legten sich nach dieser „Erinnerung“ eine Selbstzensur auf, was kritische und nicht-mainstreamige Meinungsäußerungen anbelangte:

Die „Schweigespirale“ ist ein gut erforschtes Phänomen, bei dem Menschen unbeliebte Meinungen unterdrücken, um sich anzupassen und soziale Isolation zu vermeiden. Dies wurde im Rahmen der Betrachtung der sozialen Medien als Echokammer-Effekt beobachtet, in dem wir unsere Meinungen so zuschneiden, dass sie zu den Online-Aktivitäten unserer Facebook– und Twitter-Freunde passen. Aber diese Studie fügt eine neue Ebene hinzu, indem explizit untersucht wird wie sich staatliche Überwachung auf die Selbstzensur auswirkt.

Die Teilnehmer der Studie wurden zuerst nach ihrer politischen Überzeugung, ihren Persönlichkeitsmerkmalen und Online-Aktivitäten befragt, um ein psychologisches Profil für jede Person zu erstellen. Eine zufällige Stichprobengruppe wurde dann auf subtile Weise an die Überwachung durch die Regierung erinnert; darauf folgte für alle Teilnehmer innerhalb der Studie, dass eine neutrale, fiktive Schlagzeile gezeigt wurde, die besagt, dass US-Luftangriffe den Islamischen Staat im Irak als Ziel hatten. Die Probanden wurden dann gebeten, eine Reihe von Fragen über ihre Haltung gegenüber dem hypothetischen Nachrichtenereignis zu beantworten, beispielsweise wie sie denken wie die meisten Amerikaner sich dabei fühlen und ob sie öffentlich ihre Meinung zu dem Thema äußern würden. Die Mehrheit der Personen mit dem Hinweis auf die Überwachung äußerten sich weit weniger über ihre weitergehenden nonkonformistischen Ideen, inklusive derer, die basierend auf ihrem psychologischen Profils als weniger anfällig für Selbstzensur bewertet wurden.

The „spiral of silence“ is a well-researched phenomenon in which people suppress unpopular opinions to fit in and avoid social isolation. It has been looked at in the context of social media and the echo-chamber effect, in which we tailor our opinions to fit the online activity of our Facebook and Twitter friends. But this study adds a new layer by explicitly examining how government surveillance affects self-censorship.

Participants in the study were first surveyed about their political beliefs, personality traits and online activity, to create a psychological profile for each person. A random sample group was then subtly reminded of government surveillance, followed by everyone in the study being shown a neutral, fictional headline stating that U.S. airstrikes had targeted the Islamic State in Iraq. Subjects were then asked a series of questions about their attitudes toward the hypothetical news event, such as how they think most Americans would feel about it and whether they would publicly voice their opinion on the topic. The majority of those primed with surveillance information were less likely to speak out about their more nonconformist ideas, including those assessed as less likely to self-censor based on their psychological profile.)

Elizabeth Stoycheff als Studienleiterin findet die Ergebnisse sehr besorgniserregend:

So viele Leute mit denen ich gesprochen habe, sagen, dass sie sich nicht um die Online-Überwachung kümmern, da sie keine Gesetze brechen und nichts zu verbergen haben. Und ich finde diese Argumentation zutiefst beunruhigend.

(So many people I’ve talked with say they don’t care about online surveillance because they don’t break any laws and don’t have anything to hide. And I find these rationales deeply troubling.)

Gerade diejenigen, die von sich selbst behaupten „Nichts zu verbergen zu haben“, sind laut Stoycheff die „stärksten Selbstzensoren“:

Die Tatsache, dass die „Nichts zu verbergen-Menschen“ eine erhebliche abschreckende Wirkung erleben, spricht dafür dass die Online-Privatsphäre viel größer ist als die bloße Rechtmäßigkeit des eigenen Handelns. Es geht um ein fundamentales Menschenrecht, Kontrolle über die eigene Selbstdarstellung und das Eigenbild zu haben, im privaten und nun bzgl. der Such-Historie und der Metadaten.

(The fact that the „nothing to hide“ individuals experience a significant chilling effect speaks to how online privacy is much bigger than the mere lawfulness of one’s actions. It’s about a fundamental human right to have control over one’s self-presentation and image, in private, and now, in search histories and metadata.)

Staatliche Überwachung schafft also eine Kultur der Selbstzensur, da sie zur Entrechtung der Individueen führt. Diese Entrechtung rückgängig zu machen bzw. das Recht auf freie Meinungsäußerung wieder zu stärken wird gerade dadurch erschwert, dass die kritischen Stimmen in den Diskussionen nicht mehr gehört bzw. wahrgenommen werden. Demokratie beruht auf der Vielfalt der Ideen – Selbstzensur schafft diese Vielfalt jedoch ab.

Die Studie zeigt, dass eine staaliche Überwachung zwangsweise zu staalicher Tyrannei führen muss, da ohne freie Meinungsäußerungen, Missstände nicht mehr adressiert werden (können). Wenn die Menschen Angst davor haben ihre Meinung und ihre Gedanken zu äußern, wie können wir dann noch von Freiheit und (westlichen?) Werten reden?

Quellen:
New Study Shows Mass Government Surveillance Silences Unpopular Opinions
Under Surveillance: Examining Facebook’s Spiral of Silence Effects in the Wake of NSA Internet Monitoring
Mass surveillance silences minority opinions, according to study
Spiral of Silence
Social Media and the ‘Spiral of Silence’


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11 Kommentare bei “Studie: Staatliche Überwachung führt zur Selbstzensur

  1. Rüdiger
    30. März 2016 um 00:07

    Soziale Medien nutze ich nicht. Und sollten meine Leute auf diesem Planeten landen, wird selbstverständlich auch überwacht werden. Hier mehr, dort weniger.
    Auch bei Preußens herrschte diesbezüglich Ordnung (das unten auf der Seite aufgeführte Buch „Kneipengespräche“ ist lesenswert):
    https://de.wikipedia.org/wiki/Milit%C3%A4rverbot

    Und noch ein wenig schöne Tradition:
    https://archive.org/details/bub_gb_ipoVAQAAMAAJ
    Drittes Reich und DDR diskutiere ich mit Deutschen übrigens grundsätzlich nicht.
    Eher schon Henry Ford. Der ließ auch überwachen:
    http://jalopnik.com/when-henry-fords-benevolent-secret-police-ruled-his-wo-1549625731
    Ich mag ihn.
    Seit dem Echelonskandal dürfte eigentlich auch dem letzten informierten Bürger klar sein: Sie können es und sie machen es.

    Aktuell in den VSA:
    http://fm4.orf.at/stories/1767986/
    Dabei interessieren mich nur mögliche Schnittstellen zu BRD-Diensten. Man kennt sich, man hilft sich.
    Und was ergibt sich aus Schnüffelergebnissen? Sie können Leute totmachen, neutralisieren.

    Letztens gab es für einen Facebookkrakeeler zusätzlich zur üblichen Strafe noch Führerscheinentzug. Und das ist es, wo für mich der Staatsterror beginnt. Die kleinliche Schikane nebenher.
    Allerletzter Höhepunkt demokratischen Engagements war ja der bekannte Ruin einer Bäckerei in Folge einer wirklich normalen Äußerung auf Facebook. Davon wird noch Einiges kommen.

    Bis Ruhe herrscht. Game over.

  2. 30. März 2016 um 06:11

    Also dieser Effekt hat bei mir noch nie gewirkt. Wer mich kennt, weiss, dass ich nie und nirgends ein Blatt for den Mund nehme, und mein Markenzeichen politisch volltotal unkorrekt ist.
    https://dudeweblog.wordpress.com/2014/05/12/selbstzensur-oder-mut-die-schicksalsfrage/

    P.S: Wer’s nicht glaubt, lese hier nur mal die Kommentarstränge der letzten ca. 100 Publikationen durch, wo man dafür schon einige Beweise finden wird. 😉

  3. 30. März 2016 um 06:18

    Oh, ich vergass noch…

    Überwachung zwangsweise zu staalicher Tyrannei führen muss…

    Aber mit Garantie!
    https://dudeweblog.wordpress.com/2013/11/26/uberwachung-kann-richtung-totalitarismus-abgleiten/

  4. 30. März 2016 um 09:36

    Wenn es denn so einfach wäre, dann führten wir ein weniger komplexes soziales Leben. Alles hat seinen Preis.

    Heute bin ich kein Angestellter mehr.
    Heute bin ich kein Ehemann mehr.
    Heute bin ich kein Gemeindechrist mehr.

    Meine Entscheidungen brachten mich in eine andere Lebenssituation:
    Ich berücksichtige meine Kunden.
    Ich berücksichtige meine potentiellen Lebenspartnerinnen.
    Ich berücksichtige meine Sangesschwestern und Sangesbrüder als 2. Vorstand unseres Chores.
    Ich berücksichtige die Chöre und Orchester als 2. Vorstand unseres Sängerbundes und Musikvereins.
    Ich berücksichtige meine Leser.

    Was der Gruppenzwang und was die Schere im Kopf im Zusammenhang mit hierarchischen oder totalitären Systemen aus Menschen macht, habe ich erlebt und mitgetragen. Jetzt, kurz vor meinem 63sten Geburtstag bin ich dankbar für die kostbaren Freiheiten, die ich mir seit 1995 schrittweise erobert habe. Die möchte ich bewahren, auch wenn ich manches kritische Wort veröffentlicht habe und keinen Rundfunkbeitrag zahle. Doch habe ich schon 1999 an die Adresse von Ermittlungsbeamten veröffentlicht, dass ich nicht bereit bin, meine wirtschaftliche Existenz zu ruinieren oder gar ins Gefängnis zu gehen. Das macht mich noch lange nicht zu einem Bettvorleger aus einem ehemals zahnlosen Tiger. Sogar für zahlende Kunden schreibe ich mit Biss und lenke die Aufmerksamkeit auf manche fatale Entwicklung, wenn ein thematischer Zusammenhang zu Fertiggaragen besteht.

    Was ich von totalitären Systemen halte, kann jeder nachlesen: „Warum alle totalitären Organisationen zu meiden sind“
    http://www.dzig.de/Warum_alle_totalitaeren_Organisationen_zu_meiden_sind

  5. Lukas W.
    30. März 2016 um 10:35

    In diesen Kontext passt die Schweigespirale von Noelle-Neumann!

    Die wurde auch von Gerhard Wisnewski im letzten Interview erwähnt.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Schweigespirale

  6. MadChengi
    15. April 2016 um 13:39

    Endergebnis – wir werden alle Chinesen, wenn sie westlichen TV-Stationen Interviews über Zensur/Politische Themen etc. geben – und immer falsch grinsen und brav die gewünschten/erwarteten Zombie-Phrasen zum besten geben…..GRINS!!!! – Wie hiess es noch?? Ah ja, „Wir sind alle Charlie, äh Chinesen in Zukunft!“ Wenn der Hirnchip kommt ist eh alles nur noch Makulatur – die Menschheit wollte es so, danke an alle Spiesser und Diffamierer von 9/11-Verschwörungstheorien, das lachen wird allen vergehen! Inzwischen hab ich 100% Schadenfreude (mangels anderen/inzwischen verbotenen Freu(n)den).

    Die NWO-Diktatur wird diese Deppen so was von knechten!

  7. MadChengi
    15. April 2016 um 13:42

    Die blöden Bürger mit ihrem Luxus-Konsum-„Bin ja versichert“-Denken verdienen die Auslöschung der 95% & Chippen der Restsklaven!!! Don’t give a shit anymore!!

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