Spanien brennt und Deutschland schaltet ab

In meinem Artikel Medienschelte für unsere GEZ-finanzierten Sender bin ich bereits auf die nichtstattgefundene und -findende Berichterstattung zur Lage in Spanien eingegangen. So haben die öffentlich-rechtlichen als auch privaten Sender, die Demonstrationen in Spanien der letzten Woche mehr oder weniger ausgeblendet.

Begründet wurde dies bei der ARD damit, dass nur ca. 6.000 Demonstranten auf den Straßen Madrids unterwegs wären und dass in den Augen der verantwortlichen Redakteure das Thema keine große Relevanz besitze.

Im oben erwähnten Eintrag habe ich zur Haltung der ARD dazu folgendes geschrieben:

Man kann sich des Eindrucks nicht verwehren, als würden die Öffentlich-Rechtlichen auf Geheiß von Oben bestimmte Themen nicht in ihrer Klarheit, Dringlichkeit und vor allem Realität zeigen (dürfen).

Zwischenzeitlich findet man immer mehr Videos zu den Demonstrationen in der letzten Septemberwoche in Madrid auf Youtube. Unter anderem das Video Rising Up – Spain der Journalistin Jihan Hafiz von Journeyman Pictures:

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Schockierende Bilder aus einem demokratischen Land, das Mitglied der Euro-Zone ist und damit automatisch im Fokus der Berichterstattung liegen sollte. Zumal wenn in dieser Form gegen friedliche Demonstranten vorgegangen wird, die für eine persönliche Zukunft für sich und ihr Land kämpfen. Aber ARD, ZDF und Co. hielten es nicht für nötig im erforderlichen Umfang darüber zu berichten. Vielmehr versuchte man die Entscheidungen seitens der ARD zu begründen:

Unsere Arbeit am gestrigen Abend aber entsprach unserem täglichen, tausendfach wiederholten Muster. Anders als viele Mitbewerber haben wir ein Studio in Madrid. Unser Studio war vor Ort und hat gedreht. Das Thema stand daher auf der Agenda und wurde folglich in unser bewährtes Relevanzraster eingefügt. Wir müssen dabei die ganze Welt im Blick haben und abwägen und haben uns nach Abwägung aller nachrichtlichen Kriterien in den verkürzten Tagesthemen am Dienstag für die Wasserschlacht zwischen taiwanesischen und japanischen Schiffen entschieden. Das Relevanzraster wird permanent überprüft mit Blick auf eine veränderte Lage an den Schauplätzen der Geschehnisse. Am sehr späten Abend eskalierten die Ausschreitungen in Madrid großflächiger. Im Nachtmagazin sah man folglich erste Bilder, in der Tagesschau um zwölf hatten wir einen Korrespondentenbericht.

Es mag sein, dass eine große Anzahl an verschiedenen Themen täglich gesichtet, bewertet und durch das selbst definierte Relevanzraster fallen müssen. Aber ehrlich liebe ARD, wenn ihr Team wirklich in den Straßen Madrids unterwegs war, ähnliche Bilder, wie die von Jihan Hafiz, aufgenommen hat und ihnen diese in die Zentrale übermittelt hat, fallen dann solche Bilder, eine solche Missachtung der demokratischen Grundwerte in einem europäischen Land, der verzweifelte Kampf der Menschen gegen die kriminellen Machenschaften der spanischen Regierung wirklich durch ihr Relevanzraster?

Wenn dem so ist, dann Gute Nacht! Denn was wir hier in Spanien und auch in Griechenland sehen, wird von vielen unabhängigen Journalisten in Anlehnung an den arabischen Frühling bereits als der europäische Herbst bezeichnet. Ein europäischer Herbst, der nicht vor den Ländergrenzen halt machen wird und der auch in Deutschland ankommen wird. Wird die ARD dann die Berichterstattung ebenfalls einstellen? Auf Geheiß von oben?


Ein Artikel bildet zwangsweise die Meinung eines Einzelnen ab. In Zeiten der Propaganda und Gegenpropaganda ist es daher umso wichtiger sich mit allen Informationen kritisch auseinander zu setzen. Dies gilt auch für die hier aufbereiteten Artikel, die nach besten Wissen und Gewissen verfasst sind. Um die Nachvollziehbarkeit der Informationen zu gewährleisten, werden alle Quellen, die in den Artikeln verwendet werden, am Ende aufgeführt. Es ist jeder eingeladen diese zu besuchen und sich ein eigenes Bild mit anderen Schlussfolgerungen zu machen.
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