US-Dollar und Gold: Bärenmarkt voraus?

US-Dollar - Bildquelle: Pixabay / JESHOOTS-com; Pixabay License

US-Dollar – Bildquelle: Pixabay / JESHOOTS-com; Pixabay License

Der Preis von Gold hat in den letzten Tagen in Euro gerechnet einen Rekordstand erreicht. Und auch in Yen gerechnet stand der Goldpreis so hoch wie zuletzt vor 40 Jahren. Gold ist in den letzten 49 Monaten um 55% gestiegen. In dieser Zeit haben wir die Straffungspolitik der Federal Reserve erlebt, eine niedrige Inflation in den Industrieländern und massiv überbewertete, durch Aktienrückkäufe befeuerte Aktienmärkte. Zudem stieg in diesen gut vier Jahren der US-Dollar auf ein Allzeithoch, während fast alle anderen Rohstoffe nicht an dieser Rally partizipierten.

Dass der Preis von Gold in dieser Zeit von 1.053 US-Dollar auf 1.610 US-Dollar gestiegen ist, ist mehr als bemerkenswert, da es durchaus eine gewisse Skepsis der Marktteilnehmer (und dazu gehören natürlich auch die Notenbanken) gibt, ob des Wirtschaftssystems und seiner Resilienz. In den 1970ern, als sich Gold um den Faktor 24 vervielfachte (von 35 US-Dollar auf 850 US-Dollar nach dem einseitigen Vertragsbruch der USA, der immer beschönigend als Aufhebung des Goldstandards deklariert wird), zog die Inflation rasant an. In den 2000ern, als der Goldpreis von 250 US-Dollar auf 1.915 US-Dollar explodierte, wurden die Zinssätze nach unten gefahren, China boomte, der Ölpreis stieg von 10 US-Dollar auf 150 US-Dollar das Barrel und die Märkte in den Industriestaaten bewegten sich mehr oder weniger über 8 Jahre nur seitwärts.

Daher ist der aktuell steigende Goldpreis sehr ungewöhnlich. Auch weil parallel die Indices hoch stehen (z.B. der S&P 500 mit dem höchsten Stand seit 2013).

Renditen und Arbeitslosenquote - Bildquelle: Zerohedge

Renditen und Arbeitslosenquote – Bildquelle: Zerohedge

Wie die obige Grafik zeigt, sind in den vergangenen Jahren die Renditen der US-Papiere parallel zur Arbeitslosenquote bzw. Lohnsteigerung gefallen. Demographie und Produktivitätssteigerungen haben dabei ihren Anteil, aber historisch gesehen sind solche Ausprägungen immer Warnhinweise für eine Rezession. Die derzeitige Entwicklung der steiler werdenden Renditekurve gilt Ökonomen gemeinhin als Warnsignal, da die Renditekurve als der zuverlässigste Rezessionsindikator gilt.

In den vergangenen Tagen erreichte der Dow Jones ein Allzeithoch von über 29.000 Punkten. Etwa 55% der US-Amerikaner (oder 181 Millionen Menschen) sind NICHT im Aktienmarkt investiert. Für Deutschland sind diese Zahlen sogar noch weit schlechter. Das bedeutet, dass andere wohlhabender werden müssen und es für diese 55% immer schwieriger wird, Aktien zu einem für sie erschwinglichen Preis zu kaufen. So beträgt der US-Durchschnittslohn 27 US-Dollar die Stunde – was wiederum bedeutet, dass ein Durchschnittslohnbezieher 1.000 Stunden arbeiten muss, um sich einen Punkt des Down Jones “leisten zu können”. Gerechtigkeit sieht de facto anders aus. Fast die Hälfte der arbeitenden US-Amerikaner besitzen nach Steuern usw. ein Jahreseinkommen von ca. 30.000 US-Dollar. Damit ist es schlichtweg unmöglich sich ein Vermögensstandbein aufzubauen, das dort gerne als “passive income stream (passive Einnahmequelle)” bezeichnet wird. Auch in Deutschland wird es daher immer schwieriger sich – wie von der Politik so oft gefordert – ein zweites privates Standbein für die Altersvorsorge aufzubauen.

US-Dollarstärke - Bildquelle: Zerohedge

US-Dollarstärke – Bildquelle: Zerohedge

Während mit einem weiter anziehenden Goldpreis (auch wegen der massiven Ankäufe der Zentralbanken) zu rechnen ist, deutet alles beim US-Dollars auf einen Bärenmarkt aka auf einen fallenden US-Dollar hin. In wenigen Tagen soll ganz offiziell die Phase 1 der Handelseinigung zwischen Peking und Washington unterschrieben werden. Nach wie vor gehe ich davon aus, dass dies nur als eine Art Heftpflaster zu bewerten ist, das alsbald wieder abgerissen werden und damit den US-Dollar weiter schwächen wird. Zudem werden die EZB und auch die Bank of Japan 2020 eine weit weniger “entlastende Geldpolitik” fahren (da sie bis auf eine Ausweitung der Negativzinsen bereits ihr Pulver verschossen haben) als die Fed, was ebenfalls gegen den US-Dollar spricht. In der technischen Analyse des 50-DMA (50 Day Moving Average) spricht man in einem solchen Fall von einem sogenannten Death Cross.

Kurzinformation zum Thema 50-Day Moving Average (50-Tages-Durchschnitt)
Was ist ein gleitender 50-Tages-Durchschnitt?

Der gleitende 50-Tages-Durchschnitt ist ein beliebter technischer Indikator, anhand dessen Anleger die Preisentwicklung analysieren. Dies ist vereinfacht der durchschnittliche Schlusskurs eines Wertpapiers in den letzten 50 Tagen.

Berechnen eines gleitenden 50-Tages-Durchschnitts:

Sie können den gleitenden 50-Tage-Durchschnitt berechnen, indem Sie den Durchschnitt des Schlusskurses eines Wertpapiers der letzten 50 Tage [(Tag 1 + Tag 2 + Tag 3 + … + Tag 49 + Tag 50) / 50] heranziehen.

Oberflächlich betrachtet scheint es, dass der Markt umso bullischer ist, je höher der gleitende 50-Tage-Durchschnitt ist (und je niedriger er ist, desto bärischer). In der Praxis ist jedoch das Gegenteil der Fall. Extrem hohe Werte sind ein Hinweis, dass sich der Markt bald nach unten drehen könnte. Hohe Werte zeigen, dass die Händler viel zu optimistisch sind. In diesem Fall gibt es häufig nur wenige neue Käufer. Unterdessen bedeuten sehr niedrige Werte das Gegenteil; die Bären sind im Aaufstieg und ein Boden ist in der Nähe. Je kürzer der gleitende Durchschnitt, desto eher wird es zu einer Veränderung des Marktes kommen.

Warum der 50-DMA wichtig ist:

Der gleitende 50-Tages-Durchschnitt wird als Trennlinie zwischen einer technisch gesunden Aktie und einer nicht gesunden Aktie angesehen. Darüber hinaus bestimmt der Prozentsatz der Aktien, der über ihrem gleitenden 50-Tages-Durchschnitt liegt, die allgemeine Marktgesundheit. Viele Markthändler verwenden auch gleitende Durchschnitte, um rentable Einstiegs- und Ausstiegspunkte für bestimmte Wertpapiere zu bestimmen.

(Quelle: InvestingAnswers)

Die nächsten Wochen werden sehr spannend werden, ob die Hoffnungen des Phase 1-Deals halten oder schneller wieder gebrochen werden als es dauerte ihn zu verhandeln. Auch die Lage im Iran bleibt weiter kritisch und wird auch seine Auswirkungen auf den Gold- und US-Dollar-Preis haben. Und Ende des Monats steht der offizielle Brexit an. Bleiben wir also dran…

Quelle:
DEATH CROSS: Dollar Stopped Cold — TECHNICAL BEAR HERE!
Onvista – Goldpreis
What Is the Average Income in the U.S. in 2019?
December’s Slower Wage Growth Reflects Drop In Incentive Income


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