Derivatemarkt und einbrechender Ölpreis: Die Rettung naht für die Banken

Im Artikel Ölpreis und Finanzkollaps: Wir werden die mit Rohstoff-Derivaten vollgesaugten Banken wieder einmal retten müssen ging ich bereits auf die Thematik ein, dass die US-Energie-Fracking-Firmen durch Absicherungen auf dem Derivate-Markt ihre Ölproduktion zu hohen Preisen abgesichert haben und somit das andere Ende dieser Geschäfte, sprich die Banken, den schwarzen Peter zugeschoben bekommen.

Ein schwarzer Peter, den die korrupierte Bankter-Kaste natürlich nicht bezahlen will und dementsprechend wird gerade über eine massive Lobbyarbeit in Washington versucht den schwarzen Peter weiterzugeben. An den gemeinen Steuerzahler.

Dazu wirken gerade die Wall Street-Casinospieler auf das Capitol ein, wie die Huffiington Post berichtet:

Wall Street lobbyists are trying to secure taxpayer backing for many derivatives trades as part of budget talks to avert a government shutdown.
According to multiple Democratic sources, banks are pushing hard to include the controversial provision in funding legislation that would keep the government operating after Dec. 11. Top negotiators in the House are taking the derivatives provision seriously, and may include it in the final bill, the sources said.
(Wall Street Lobbyisten versuchen die Absicherung durch den Steuerzahler bei vielen Derivategeschäften im Rahmen der Haushaltsverhandlungen, die einen erneuten Shutdown der Regierungsausgaben verhindern sollen, zu sichern.
Laut mehreren demokratischen Quellen üben die Banken ernormen Druck aus, die umstrittene Bestimmung in den Haushalt, der die Regierungsgeschäfte nach dem 11. Dezember am Laufen halten soll, aufzunehmen. Die Top-Unterhändler im Capitol nehmen die Derivatebestimmung ernst und sie kann von ihnen in das finale Gesetz Aufnahme finden, so die Quellen.)

Die Huffington Post weiter:

The bank perks are not a traditional budget item. They would allow financial institutions to trade certain financial derivatives from subsidiaries that are insured by the Federal Deposit Insurance Corp. (FDIC) — potentially putting taxpayers on the hook for losses caused by the risky contracts. Big Wall Street banks had typically traded derivatives from these FDIC-backed units, but the 2010 Dodd-Frank financial reform law required them to move many of the transactions to other subsidiaries that are not insured by taxpayers.
(Die Vergünstigungen für die Banken sind keine traditionellen Haushaltsposten. Sie würden es den Finanzinstituten erlauben bestimmten Finanzderivate von Tochterunternehmen zu handeln, die durch die Federal Deposit Insurance Corp. (FDIC) versichert sind – damit werden die Steuerzahler an den Haken genommen für potenzielle Verluste, die durch die riskanten Aufträge verursacht werden. Die großen Wall-Street-Banken hatten typischerweise Derivate dieser von der FDIC gesicherten Einheiten gehandelt, aber das 2010er Dodd-Frank-Finanzreformgesetz verlangte von ihnen, dass sie viele der Geschäfte in andere Beteiligungen auslagern, die nicht durch die Steuerzahler abgesichert sind.)

Letztendlich versuchen die Finanzjongleure die ehemals per Dodd-Frank-Act ausgelagerten Derivategeschäfte und die damit einhergehenden Risiken wieder unter die “Schutzfittiche” der Steuerzahler per FDIC zu bekommmen.

Die im Eingangs erwähnten Artikel angenommene Vermutung, dass entstehende und unvermeidbar auftretende Verluste durch den Steuerzahler getragen werden sollen – also das klassische Gewinne realisieren, Verluste sozialisieren -, nimmt durch die wahrscheinliche Aufnahme der “Wiedereingliederung der Tochterunternehmen unter den Schutz der FDIC” Realität an.

Damit entlegen sich die Banken erneut ihres Risikos auf Steuerzahlerkosten und können das schon als wahnsinnig zu bezeichnende, irrationale Spielcasino namens Derivategeschäft weiter spielen – ohne sich irgendwelche Gedanken und Sorgen über mögliche Risiken und Verluste machen zu müssen. Moral Hazard in Reinkultur! Gewinnen sie ihre Wetten, streichen sie die Gewinne ein. Verlieren sie, springt die FDIC mit Steuergeldern ein und haut sie einmal mehr raus.

Die Banken haben durchaus realisiert, dass ihnen durch die Derivate der sinkende Ölpreis das Genick brechen wird. Es ist aber auch denkbar, dass Washington von vornherein die bewusste Ölpreismanipulation mit der Wall Street abgesprochen hat, um Russland in die Knie zu zwingen – unter der Zusicherung, dass es genau jenen Bail-Out geben wird, der jetzt in Gesetzesform gegossen werden soll.

Zu unwahrscheinlich? Wohl eher nicht, wenn man sich die neuesten Zahlen des Office of the Controller of the Currency (dem US-Finanzministerium zugeordnet) für das Derivategeschäft anschaut. Und dabei ist es vollkommen irrelevant, ob es sich um Netto- oder Bruttopositionen handelt, da die Volumen selbst bei einer angenommenen 30%-igen Nettobetrachtung immer noch pervers sind:

OCC Derivate - Bildquelle: Screenshot-Ausschnitt Bericht des OCC

OCC Derivate – Bildquelle: Screenshot-Ausschnitt Bericht des OCC

Dabei ist anzumerken, dass die Top 4 auf der Liste ihre Positionen seit dem letzten Bericht weiter stark ausgebaut haben.

Leider bleibt zu befürchten, dass die Annahme der “Verlustsozialisierung” sich schneller bewahrheiten wird als derzeit vorstellbar. Eine “Sozialisierung”, die in der heutigen vernetzten Welt auch nach Deutschland durchschlagen und zu neuen Verwerfungen führen wird. Nur komplette Ignoranten werden davor noch die Augen verschliessen können und das Offensichtliche abstreiten. Es ist alles nur noch eine Frage der Zeit…

Quellen:
Wall Street Demands Derivatives Deregulation In Government Shutdown Bill
Wall Street Moves to Put Taxpayers on the Hook for Derivatives Trades
New Law Would Make Taxpayers Potentially Liable For TRILLIONS In Derivatives Losses
Wikipedia – Office of the Comptroller of the Currency
OCC’s Quarterly Report on Bank Trading and Derivatives Activities
Neue Zeitrechnung am OTC-Derivatmarkt
5 U.S. Banks Each Have More Than 40 Trillion Dollars In Exposure To Derivatives


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