Fukushima: Das Verharmlosen geht weiter

Fukushima

Bildquelle: Wikipedia / KEI

Bereits im Artikel Die vergessen Katastrophe bin ich kurz auf die nicht mehr existierende Berichterstattung bzw. das Informationsvakuum, das weder die japanische ReGIERung noch der Betreiber TEPCO mit Leben füllen wollen, eingegangen.

Neuesten Informationen zufolge hat sich die Situation in Fukushima verschärft. Konkret geht es um die Verseuchung von Grundwasser durch kontaminiertes, verstrahltes Kühlwasser bzw. das Auslaufen des Kühlwassers ins Meer:

Tokyo Electric Power Co. said 56,000 becquerels of radioactive substances, including strontium, were detected per liter of groundwater sampled on Aug. 5 in the “No. 1-5” monitoring well, which is adjacent to the turbine building for the No. 1 reactor. The previous measurement for the well water was made on July 31.

Highly radioactive water has been detected for some time in groundwater near reactor and turbine buildings of the nuclear plant. A record high level of 900,000 becquerels per liter was found in early July in water taken from a different monitoring well.

Die gemessenen Werte für Caesium lagen damit um das 14-fache und für Strontium um das 46-fache höher als bei der letzten Kontrolle wenige Tage zuvor. Wie üblich sieht die Stellungnahme TEPCOs eine Verharmlosung der Situation vor:

TEPCO officials say they do not know the cause for the spikes, and they will further look into how contaminated water has spread and what effects it has brought.

Nur kurz zur Erinnerung:

Caesium kommt normalerweise nicht im Körper vor. Mit der Nahrung aufgenommenes Caesium wird auf Grund der Ähnlichkeit zu Kalium im Magen-Darm-Trakt resorbiert und analog zu Kalium vorwiegend im Muskelgewebe gespeichert. Die biologische Halbwertszeit, mit der Caesium vom menschlichen Körper wieder ausgeschieden wird, ist abhängig von Alter und Geschlecht und beträgt im Durchschnitt 110 Tage.

Caesium ist chemisch nur in sehr geringem Maß giftig. Typische LD50-Werte für Caesiumsalze liegen bei 1000 mg/kg (Ratte, oral).Von Bedeutung ist jedoch die Wirkung der ionisierenden Strahlung aufgenommener radioaktiver Caesiumisotope, die je nach Dosis die Strahlenkrankheit verursachen können. Wegen der guten Wasserlöslichkeit der meisten Caesiumsalze werden diese im Magen-Darm-Trakt vollständig resorbiert und vorwiegend im Muskelgewebe verteilt.

Da Strontium biologisch ähnlich wie Calcium wirkt, ist das radioaktive Strontiumisotop 90Sr eines der potentiell gesundheitsschädlichsten Spaltprodukte, denn es lagert sich nach Aufnahme in den Organismus in den Knochen ab und verbleibt bis zu seinem Zerfall im Körper. Da die Halbwertszeit etwa 30 Jahre beträgt, trägt man das Strontium für den Rest des Lebens in sich. Das eigentlich Gefährliche am 90Sr ist das Tochternuklid 90Y, das ebenfalls zerfällt, wobei seine Betastrahlung die vierfache Energie derjenigen des 90Sr aufweist.

Sowohl das Caesium als auch das Strontium in ihrer am häufigsten auftretenden, radioaktiven Isotopenform haben eine Halbwertszeit von ca. 30 Jahren. Das heißt eine Aufnahme der beiden Gifte bedeutet, dass man beide Stoffe für den Rest seines Lebens im Körper trägt. Beide Isotopen gelten als Betastrahler und speziell Strontium 90 als Quelle von Knochenkrebs und Leukämie.

Wie hilflos TEPCO und auch die japanische ReGIERung der Vereuchung von Grund- und Meerwasser gegenüber stehen, lassen die Worte eines ehemaligen AKW-Ingenieurs nur erahnen:

At the end of the day, collecting 400 tons of water every single day is not a sustainable solution.

Die schiere Masse an verseuchtem Wasser kann TEPCO nicht über Jahrzehnte auffangen. Die einzigen verbleibenden “Lösungen” sind daher: Einleiten ins Meer oder das Verdunsten lassen. Beides keine Optionen.

Japan und die Welt haben es zwar geschafft Fukushima in den vergangenen zwei Jahren mehr oder weniger aus dem Gedächtnis der Menschen zu tilgen. Mutter Natur jedoch lässt sich nicht überlisten und schlägt jetzt indirekt zurück. Es wird spannend sein zu beobachten, wie TEPCO und die Politclowns in Japan versuchen werden, die Verseuchung zu verharmlosen und zu verschleiern. Notfalls setzt man eben die Grenzwerte hoch oder stellt Kontrollen ganz ein. Schließlich hat man hier ja schon Erfahrung wie das Beispiel Oktober 2012 zeigte:

In die gleiche Kerbe schlägt nun die von der EU verabschiedete Erleichterung beim Import japanischer Lebensmittel. Nach der AKW-Katastrophe von Fukushima hatte die EU den Import bestimmter Lebensmittel wie Tee oder Pilze aus der betroffenen Präfektur Fukushima wie aus den daran grenzenden Gebieten verboten bzw. an bestimmte Grenzwerte gekoppelt. Am vergangenen Freitag wurden diese Einfuhrbestimmungen seitens der EU aufgeweicht. Ab den 1. November dürfen eine Vielzahl an tierischen und pflanzlichen Erzeugnissen aus Fukushima und den angrenzenden Präfekturen wieder in die EU eingeführt werden.

Fukushima ist und bleibt nicht nur eine Gefahr für Japan, sondern für die ganze Welt. Und wir sollten uns immer wieder diese Gefahr ins Gedächtnis rufen.

Quellen:
Die vergessene Katastrophe
Japan struggles with Fukushima water leaks
Press Release (Aug 05,2013) – Tritium Density Result of Water Quality Survey inside the Port of Fukushima Daiichi NPS (Follow-up Information 29)
Radioactivity levels in Fukushima groundwater increase 47-fold over 5 days
TEPCO struggling to contain contaminated water
Radioactive water emergency at Fukushima ‘beyond Tepco’s control’
Wikipedia – Betastrahlung
Wikipedia – Caesium
Wikipedia – Spaltprodukte
EU erleichtert den Import japanischer Lebensmittel


Ein Artikel bildet zwangsweise die Meinung eines Einzelnen ab. In Zeiten der Propaganda und Gegenpropaganda ist es daher umso wichtiger sich mit allen Informationen kritisch auseinander zu setzen. Dies gilt auch für die hier aufbereiteten Artikel, die nach besten Wissen und Gewissen verfasst sind. Um die Nachvollziehbarkeit der Informationen zu gewährleisten, werden alle Quellen, die in den Artikeln verwendet werden, am Ende aufgeführt. Es ist jeder eingeladen diese zu besuchen und sich ein eigenes Bild mit anderen Schlussfolgerungen zu machen.
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