Irak-Krieg: Freigegebenes Memo beweist, dass das Pentagon keinerlei Beweise für Massenvernichtungswaffen im Irak hatte

Dreizehn Jahre nach der Invasion und Besetzung des Iraks ist es allgemein bekannt, dass dieser Krieg auf Lügen und Propaganda basierte. Es gab keine Massenvernichtungswaffen. Der Irak stellte keine wirkliche Bedrohung für die USA dar und es war keine Brutstätte des Terrorismus bis zu dem Zeitpunkt an dem man Saddam absetzte.

George W. Bush - Bildquelle: Wikipedia / White house photo by Eric Draper

George W. Bush – Bildquelle: Wikipedia / White house photo by Eric Draper

Nun aber ist die Bombe in Form eines durchgesickerten klassifizierten Berichts – die „Smoking Gun“ wenn man so will -, aufgetaucht, der diesen Betrug am US-amerikanischen Volk und der Welt aufdeckt, um die damalige Invasion durchführen zu können. Er zeigt, wie weit die Kabale unter George W. Bush, aus der die Gruppe Project for the New American Century (Projekt für das neue amerikanische Jahrhundert, PNAC) die bekannteste ist, bereit war zu gehen, um mit Angst die globale US-Hegemonie zu sichern.

Während Dick Cheney, Donald Rumsfeld und andere propagierten, dass sie sich einer drohenden Gefahr für die USA durch Saddams Irak gewiss und sicher sind, enthüllen die durchgesickerten Dokumente, dass sie fast nichts über irgendwelche tatsächlichen Waffen oder militärischen Fähigkeiten des Iraks wussten.

Am 16. August 2002 forderte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld den Air Force Major General Glen Shaffer, Leiter des Joint Staff Intelligence Directorate, auf einen Bericht über „what we don’t know (in a percentage) about the Iraqi WMD program (das, was wir nicht über das irakische Massenvernichtungswaffen-Programm wissen [in Prozent]) zu erstellen.

Die Ergebnisse, die unter dem Titel Iraq: Status of WMD Programs (Irak: Status des Massenvernichtungswaffen-Programms) laufen, wurden mit dieser Aussage zusammengefasst:

Our assessments rely heavily on analytic assumptions and judgment rather than hard evidence. The evidentiary base is particularly sparse for Iraqi nuclear programs.
(Unsere Einschätzungen verlassen sich stark auf analytische Annahmen und Urteile, anstatt auf harten Beweisen. Die Beweisbasis ist besonders spärlich bzgl. des irakischen Nuklearprogramms.)

In Bezug auf die damals aktuellen Programme, heißt es weiter:

We’ve struggled to estimate the unknowns. […] We range from 0% to about 75% knowledge on various aspects of their program…
Our knowledge of the Iraqi (nuclear) weapons program is based largely — perhaps 90% — on analysis of imprecise intelligence.
(Wir haben gekämpft, um das Unbekannte abzuschätzen. […] Wir liegen im Bereich von 0% bis etwa 75% Wissen über verschiedene Aspekte ihres Programms…
Unser Wissen über das irakische (nukleare) Waffenprogramm basiert weitgehend – vielleicht zu 90% – auf der Analyse ungenauer Geheimdienstinformationen.)

Bei der Weiterleitung des Berichts beantwortet Air Force Major General Glen Shaffer Rumsfelds ursprüngliche Frage mit der Feststellung: „We don’t know with any precision how much we don’t know. (Wir wissen nicht mit irgendeiner Genauigkeit, wie viel wir nicht wissen.)

Rumsfeld glaubte offenbar, dass der Bericht eine gewisse Bedeutung hat, als er diesen an den Vorsitzenden der Joint Chiefs of Staff weiterleitete und sagte: „Please take a look at this material as to what we don’t know about WMD. It is big. (Bitte werfen Sie sich einen Blick auf dieses Material bzgl. dessen was wir nicht über die Massenvernichtungswaffen wissen. Es ist groß.)

In Anbetracht dessen, dass es sich dabei um eine Zusammenfassung von all dem handelte was die US-Geheimdienstapparate über Iraks Massenvernichtungswaffen-Fähigkeiten (oder deren Fehlen) wusste, stellt sich die Frage: Wie konnte irgendein verantwortlicher Politiker es nur versuchen die Invasion dem amerikanischen Volk zu verkaufen?

Dick Cheney - Bildquelle: Wikipedia / Executive Office of the President of the United States

Dick Cheney – Bildquelle: Wikipedia / Executive Office of the President of the United States

Doch das ist genau das, was passiert ist. Vielleicht tat dies niemand inbrünstiger als Vizepräsident Dick Cheney. Es gibt unzählige Beispiele von Cheney, wo er unmissverständlich behauptet, dass die nuklearen, chemischen, biologischen und ballistischen Raketen des Iraks eine Bedrohungen für die USA darstellen.

Cheney behauptete, dass der Irak heimlich seine biologischen und chemischen Waffenprogramme wieder aufgenommen hat, aber in dem Bericht heißt es dazu:

We cannot confirm the identity of any Iraqi facilities that produce, test, fill, or store biological weapons.
We do not know if all the processes required to produce a weapon are in place. [The Iraqis] lack the precursors for sustained nerve agent production […] we cannot confirm the identity of any Iraqi sites that produce final chemical agent.
(Wir können die Identität der irakischen Einrichtungen, die biologische Waffen produzieren, testen, befüllen oder lagern, nicht bestätigen.
Wir wissen nicht, ob alle erforderlichen Prozesse, die notwendig sind um eine Waffe zu produzieren, vorhanden sind. [Den Irakern] fehlen die Vorstufen für eine dauerhafte Nervengasproduktion […] wir können das Vorhandensein von irakischen Fabriken, die die chemischen Endprodukte herstellen, nicht bestätigen.)

Während Cheney und die Gruppe der Kriegstreiber die Panikmache von „Atompilzen“ wiederholten, stellt der Bericht fest:

We do not know the status of enrichment capabilities. We do not know with confidence the location of any nuclear-weapon-related facilities.
(Wir kennen den Status der Anreicherungsfähigkeiten nicht. Wir wissen nicht mit Sicherheit den Standort irgendeiner kernwaffenbezogenen Einrichtung.)

Mehrere Tage bevor Bush behauptete, dass der Irak ballistische Raketen entwickelt, die Israel mit Massenvernichtungswaffen erreichen könnten, hatte der Bericht festgestellt:

We doubt all processes are in place to produce longer range missiles.
(Wir bezweifeln, dass alle Prozesse vorhanden sind, um Langstreckenraketen zu produzieren.)

Der Geheimbericht wurde den wichtigsten Akteuren in der Propaganda-Kampagne, darunter Colin Powell, der als Narr auserkoren worden war, vorenthalten. Kurz vor der Invasion sagte Powell vor der UNO-Vollversammlung:

My colleagues, every statement I make today is backed up by sources, solid sources. These are not assertions. What we’re giving you are facts and conclusions based on solid intelligence.
(Meine Kollegen, jede Aussage, die ich heute mache, ist durch Quellen, solide Quellen gesichert. Dies sind keine Behauptungen. Was wir Ihnen vorstellen, sind Fakten und Schlussfolgerungen auf Grundlage solider Geheimdienstinformationen.)

Trotz dieses Mangels an Beweisen, um ihre Sehnsucht einer Invasion des Iraks – ein Ziel des PNAC seit 1998 – zu erreichen, fuhren die Kriegstreiber mit tiefgehenden Beziehungen zur Rüstungsindustrie fort ihre eigenen Geschichten zu fabrizieren, um die Propaganda-Kampagne zu rechtfertigen.

Donald Rumsfeld - Bildquelle: Wikipedia / Scott Davis, U.S. Army

Donald Rumsfeld – Bildquelle: Wikipedia / Scott Davis, U.S. Army

Sie wandten sich an einen parallelen Geheimdienstapparat, den sie geschaffen hatten, der auf einem Netzwerk von irakischen Überläufern und Exilanten beruhte. Vor allem auf Ahmed Chalabi, der später zugab falsche Informationen verbreitet zu haben.

In den USA hatten Cheney und Rumsfeld etwas aufgebaut, das sie als Office of Special Plans bezeichneten, das von Paul Wolfowitz und Douglas Feith geleitet wurde. Dieses Pentagon-Büro schickt rohes Geheimdienstmaterial von Chalabi und anderen ruchlosen Quellen direkt an den Präsidenten, ungesichtet und unbearbeitet durch Geheimdienstanalysten.

Wenn es jemals eine Smoking Gun gegeben hat, dann ist es diese hier. Wenn es jemals einen Grund gab George W. Bush und Dick Cheney wegen Kriegsverbrechen und Machtmissbrauch anzuklagen, dann ist es dieser Bericht.

(Teil-/Übersetzung des Artikels Declassified Memo Proves the Pentagon had ZERO Evidence of WMDs in Iraq von Justin Gardner/Activistpost.com)

Anmerkungen www.konjunktion.info: Kriegsverbrecher wie Bush, Rumsfeld und Cheney oder auch Blair werden leider auch weiterhin unbehelligt ihre „Altersruhe“ geniessen dürfen. Solange das westliche System, das System der Macht ist, wird diesen feinen Herren nichts passieren. Auch wenn solch offensichtliche Beweise vorliegen, wie sie mit dieser Smoking Gun vorhanden sind. Während unsere Hochleistungspresse bei sonstigen „Beweisen“ gegen unliebsam gewordene Dikatoren alle erdenklichen Hebel in Bewegung setzt, um denjenigen als das ultimative Böse darzustellen, werden wir von diesem Memo nichts hören. Dafür ist die Sprengkraft viel zu groß. Eine Sprengkraft, die das System zum Explodieren bringen wird und zeigt, dass Alles – wirklich Alles – was nach 2003 kam auf Lügen basierte.

Quellen:
Declassified Memo Proves the Pentagon had ZERO Evidence of WMDs in Iraq
What Donald Rumsfeld Knew We Didn’t Know About Iraq
The Project for the New American Century
Wikipedia – Office of Special Plans


Ein Artikel bildet zwangsweise die Meinung eines Einzelnen ab. In Zeiten der Propaganda und Gegenpropaganda ist es daher umso wichtiger sich mit allen Informationen kritisch auseinander zu setzen. Dies gilt auch für die hier aufbereiteten Artikel, die nach besten Wissen und Gewissen verfasst sind. Um die Nachvollziehbarkeit der Informationen zu gewährleisten, werden alle Quellen, die in den Artikeln verwendet werden, am Ende aufgeführt. Es ist jeder eingeladen diese zu besuchen und sich ein eigenes Bild mit anderen Schlussfolgerungen zu machen.
www.konjunktion.info unterstützen:
Artikel bewerten:
Note 6Note 5Note 4Note 3Note 2Note 1 (bislang keine Bewertungen vorhanden)
Loading...
Artikel weiterleiten:

5 Kommentare bei “Irak-Krieg: Freigegebenes Memo beweist, dass das Pentagon keinerlei Beweise für Massenvernichtungswaffen im Irak hatte

  1. Rüdiger
    27. Januar 2016 um 12:42

    Für mich ist die Präsentation der Bilder von der angeblichen Produktion der MVM im Irak noch deutlicher Erinnerung. Heutige Abiturienten sehen die Welt jedoch schon mit ganz anderen Augen. Da ist das so weit weg wie Pearl Harbor oder die Berliner Mauer.
    Geschichtsvergessenheit als Programm?
    http://zeit-fragen.ch/index.php?id=2362

  2. NWO-Troll
    27. Januar 2016 um 15:14

    Ich weiß nicht, warum jetzt diese Diskussion nochmals aufkommt. Es ist doch schön längst klar, dass es kein Massenvernichtungswaffen gab. Diese Typen haben es ja selbst vor Jahren schon offiziell zugegeben, das es keine gab. Die gehören schön längst hinter Gitter. Oder nein, in den USA gibt es auch die Todesstrafe.

    • Th. Körner
      29. Januar 2016 um 20:01

      Le Hague will nicht bombardiert werden.

  3. Ralle
    27. Januar 2016 um 20:00

    Geschichtsvergessenheit – NEIN – Verblödung und „Amerikanisierung unserer Nachkommen“!

    Um vorzubauen – ich habe nichts gegen Amerika, bin nicht anti-amerikanisch – ich habe etwas gegen dies „auserwählte Nation“, „God´s own country“ und ähnliches Gesäusel, welches nur den Hintergrund hat, den Rest der Welt vom eigenen Weg – einer eventuell mitmenschlichen, vernünftigen, nachhaltigen Umgangsweise – miteinander-füreinander- abzubringen!

    PFUI DEIBEL diesem System, mit allen Staatsschauspielern und seinen Martionetten – egal wo, egal wann, egal wer! :-(((

    vG Ralf

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel wurde geschlossen, da der Artikel älter als drei Monate ist.