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Systemfrage: Griechenland und der Ölpreis als auslösendes Momentum?

EZB Frankfurt - Bildquelle: Wikipedia / Eric Chan

EZB Frankfurt – Bildquelle: Wikipedia / Eric Chan

Der Ölpreis brach gestern (Mittwoch, 4, Februar) um mehr als 8% ein. Parallel dazu entschied die EZB, dass griechische Anleihen nicht mehr als Sicherheiten akzeptiert werden, was Athen letztlich in den finanziellen Kollaps treiben wird. 24 Stunden zuvor schien es so zu sein als würde sich die Situation entschärfen. Der Ölpreis stieg seit Donnerstag letzter Woche bis Dienstag um 20%. Und auch die Lage in der EU ließ so etwas wie Optimismus erkennen. Beides zusammen konnte man durchaus als positive Zeichen für den Monat Februar werten. Aber seit gestern ist die Angst wieder da. Angst bei den Politikern, bei den Geldjongleuren und bei den ominösen Märkten.

Natürlich sollte man nicht einen Tag als Grundlage für das derzeitige Marktverhalten hernehmen. Ein längerer Zeitraum ist immer besser. Tatsache ist aber, dass die Märkte seit Monaten auf dieser Berg und Talfahrt unterwegs sind. Und das ist wirklich ein ganz schlechtes Zeichen. Sind die Zeiten ruhig, steigen die Märkte kontinuierlich an. Aber zeigen sich erste Zeichen eines Sturmes, sollte man sich auf Größeres gefasst machen. Gerade die hohen Wellen und Wellentäler der letzten Monate sind Indikatoren dafür, dass – um im Bild zu bleiben – raue See auf uns zukommt.

Die gestrige Entscheidung der EZB ab dem 11. Februar 2015 keine griechischen Papiere mehr als Sicherheiten zu akzeptieren, dürfte der Startschuss für das große Finale in Europa sein. Denn damit hat Draghi ein enormes Verhandlungspotenzial gegenüber Tsipras und Athen aufgebaut, was kurzfristig zu massiven Problemen im griechischen Finanzsystem führen wird. In wie weit die US-amerikanischen Finanzjongleure bei dieser Entscheidung ihre Finger im Spiel hatten, kann man derzeit nicht beantworten. Aber interessant sind die Meinungen aus den USA dazu trotzdem, wie hier ein kurzes Ausschnitt aus einem CNBC-Bericht:

“The European Central Bank is telling the Greek banking system that it will no longer accept Greek bonds as collateral for any repurchase agreement the Greek banks want to conduct,” said Peter Boockvar, chief market analyst at The Lindsey Group, in a note.
“This is because the ECB only accepts investment grade paper and up until today gave Greece a waiver to this clause. That waiver has now been taken away and Greek banks now have to go to the Greek Central Bank and tap their Emergency Liquidity Assistance facility for funding,” he said.
(“Die Europäische Zentralbank sagt dem griechischen Bankensystem, dass es keine griechischen Anleihen mehr als Sicherheit für Pensionsgeschäfte, die die griechischen Banken zur Durchführung der Kreditverlängerung ausgeben wollen, akzeptiert”, sagte Peter Boockvar, leitender Marktanalyst bei der Lindsey-Gruppe in einer Notiz.
“Das Ganze deswegen, da die EZB nur Investment-Grade-Papiere akzeptiert und bis heute genießt Griechenland einen Verzicht bzgl. dieser Klausel. Dieser Verzicht wurde nun einkassiert und griechischen Banken müssen sich nun an die griechische Zentralbank wenden und die dortige Emergency Liquidity Assistance Facility für die Finanzierung anzuzapfen”, sagte er.)

Natürlich dauerte es nicht allzu lange bis die weltweiten Finanzmärkte darauf reagierten:

The Greek stock market closed hours ago, but the exchange-traded fund that tracks Greek stocks, GREK, crashed during the final minutes of trading in the US markets.
The euro is also getting walloped, falling 1.3% against the US dollar.
(Der griechische Aktienmarkt schloss vor Stunden, aber der börsengehandelte Fond, der griechische Aktien abbildet, der GREK brach in den letzten Minuten des Handels an den US-Märkten ein.
Der Euro wird auch verprügelt, fällt um 1,3% gegenüber den Dollar.)

Aber das dürfte nur der Anfang sein.

In den kommenden Monaten muss man von einer 1:1-Paritität des Euros zum US-Dollar ausgehen. Sollte sich Athen den Forderungen der EU nicht beugen, was letztlich zum Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro führen muss, kann das das Ende der Eurozone bedeuten – zumnindestens in der heutigen Form.

Zeitgleich hat auch der Ölpreis eine neue Richtung eingeschlagen.

In der letzten Woche stieg der Preis von 43,58 auf 54,24 US-Dollar an, fiel dann unter die 48 US-Dollar und versuchte sich gestern abend wieder zu erholen. Ein solches Verhalten ist aber das genaue Gegenteil davon, wie ein gesunder Markt aussehen sollte.

Ölfässer - Bildquelle: Wikipedia / Trevor MacInnis

Ölfässer – Bildquelle: Wikipedia / Trevor MacInnis

Der derzeitge Ölpreis ist für ein auf Wachstum ausgelegtes System die absolute Katastrophe. Und je länger der Preis auf diesem Niveau verharrt, umso mehr Schaden wird angerichtet werden.

Griechenland und der Ölpreis sind natürlich nicht die einzigen Probleme, denen wir uns derzeit ausgesetzt sehen. Die Wahrheit ist, dass wir eine ganze Reihe an Problemen haben, die den nächsten großen (finalen?) Kollaps verursachen können. Wir müssen nur ganz ehrlich zu uns selbst sein und realisieren, was uns die ganzen Zeichen an der Wand wirklich sagen.

Nicht nur im Westen schlagen immer mehr Menschen Alarm. Auf der ganzen Welt warnen hochqualifizierte Experten vor dem großen Sturm, der sich da gerde am Horizont zusammen braut. Beispielsweise schreibt der Chef der chinesischen Ratingagentur Dagong, dass wir in den nächsten Jahren mit einer neuen Weltfinanzkrise rechnen müssen:

The world economy may slip into a new global financial crisis in the next few years, China’s Dagong Rating Agency Head Guan Jianzhong said in an interview with TASS news agency on Wednesday.
“I believe we’ll have to face a new world financial crisis in the next few years. It is difficult to give the exact time but all the signs are present, such as the growing volume of debts and the unsteady development of the economies of the US, the EU, China and some other developing countries,” he said, adding the situation is even worse than ahead of 2008.
(Die Weltwirtschaft wird wohl in den nächsten Jahren in eine neue globale Finanzkrise schlittern, sagte Chinas Dagong Rating Agency Leiter Guan Jianzhong am Mittwoch in einem Interview mit der Nachrichtenagentur TASS.
“Ich glaube, wir werden in den nächsten Jahren mit einer neuen weltweiten Finanzkrise konfrontiert werden. Es ist schwierig, den genauen Zeitpunkt anzugeben, aber alle Anzeichen dafür sind vorhanden, wie beispielsweise die wachsende Menge an Schulden und die unsichere Entwicklung der Volkswirtschaften der USA, der EU, China und einiger anderer Entwicklungsländer”, sagte er und fügte hinzu, die Situation ist noch schlimmer als vor 2008.)

Bereits Anfang des Jahres bin ich darauf eingegangen, dass das Jahr 2015 das entscheidende Jahr werden dürfte. Aber gleichzeitig dürfen wir nicht glauben, dass 2015 das Ende von allem ist. Es ist nur der Anfang vom Ende.

In den letzten Jahren haben wir in einer temporären Blase falscher finanzieller Stabilität gelebt, die durch rücksichtsloses Gelddrucken und einer beispiellosen Veschuldung befeuert wurde. Aber statt irgendeines der Probleme direkt und gezielt anzugehen, haben die bis jetzt vorgenommen Massnahmen nur dafür gesorgt, dass ein Zusammenbruch umso weitreichendere Folgen haben wird.

Der Tag der Abrechnung rückt immer näher.

Das Leben, wie wir es kennen, ist gerade im Begriff sich dramatisch zu ändern. Und die meisten Menschen sind darauf vollkommen unvorbereitet.

Quellen:
This Is Exactly How Markets Behave Right Before They Crash
Stocks close mostly lower on Greek news; Dow ekes out gain
Greece ETF crashed
The euro is getting walloped
This Is The Beginning Of The End For The Euro
Radical Leftists Win Election In Greece – Future Of Eurozone In Serious Jeopardy
Oil Enters Correction A Day After It Enters Bull Market
Why The Damage To The Economy Caused By The Oil Crash Is Going To Get Progressively Worse
Birth Pangs Of The Coming Great Depression
World heading for financial crisis worse than in 2008 — China’s Dagong rating agency head
Barack Obama Says That What America Really Needs Is Lots More Debt

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