Digitale ID: Wenn Lethargie, Gleichgültigkeit und die Ignoranz der Masse die Wegbereiter für das digitale Gefängnis sind

Gefangenenzelle – Bildquelle: Pixabay / MarcinCzerniawski; Pixabay License
Viele denken immer noch, dass die Masse der Bevölkerung einer digitalen ID entgegentreten würde, diese nicht akzeptieren oder sich ihrer Nutzung verweigern würden. Ich gehe davon aus, dass dies – leider – nicht der Fall sein wird. Denn wenn wie wir spätestens seit Gustave LeBon wissen:
Nie haben die Massen nach Wahrheit gedürstet. Von den Tatsachen, die ihnen mißfallen, wenden sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu vergöttern, wenn er sie zu verführen vermag. Wer sie zu täuschen versteht, wird leicht ihr Herr, wer sie aufzuklären sucht, stets ihr Opfer.
Und auch ein aktuelles Beispiel aus Südafrika unterstützt meine Annahme:
Mehr als eine Million Südafrikaner haben sich innerhalb von sieben Monaten über die Banken des Landes biometrische Smart-ID-Karten beschafft, wodurch die „Ablösung der betrugsanfälligen Green ID-Books beschleunigt wurde“. Eigentlich sollte jeder Nutzer dieser „Green ID-Books“ inne halten und sich fragen, warum sollte die neue Version der digitalen ID nicht auch „betrugsanfällig“ sein – aber da hört es leider bei den meisten eben schon auf…
Das Innenministerium Südafrikas führte im März das dezentrale Ausstellungsmodell ein, um die Ablösung der Green ID-Books zu beschleunigen, von denen noch 14,7 Millionen im Umlauf sind. Das Innenministerium plant, die Produktion der Green ID-Books am 31. März 2027 einzustellen und ihre Anerkennung als gültiger Ausweis am 31. März 2028 aufzuheben.
Die neuen Ausweise sollen eine biometrische Überprüfung der Inhaber ermöglichen, um deren Anspruch auf Sozialleistungen der südafrikanischen Sozialversicherungsbehörde (SASSA) zu bestätigen. Dieser Meilenstein ist laut einer Regierungsmitteilung ein Erfolg für die digitale Reforminitiative „Home Affairs @home“.
Das südafrikanische Innenministerium stellte im Jahr 2025 etwas mehr als 4 Millionen Smart-IDs und im Jahr 2024 3,4 Millionen aus. Zwischen 2022 und 2023 wurden etwa 2,7 Millionen Smart-IDs ausgestellt, teilte das Innenministerium Anfang 2026 mit. Das bedeutet, dass – ohne die in diesem Jahr direkt vom Innenministerium ausgestellten Smart-IDs – insgesamt nun etwa 11,1 Millionen Smart-IDs im Umlauf sind.
Als die Regierung der Partei der Nationalen Einheit Mitte 2024 die Macht übernahm, konnten sich Südafrikaner laut der Mitteilung nur über 214 ständige Außenstellen des Innenministeriums für die Smart-ID registrieren und diese erhalten. Das Innenministerium ging Anfang dieses Jahres Partnerschaften mit einer Reihe von Banken ein, darunter im Juli mit der Absa, und weitete den Smart-ID-Service auf 669 Bankfilialen im ganzen Land aus.
„Dieser Meilenstein ist ein eindeutiger Beweis dafür, dass unser Fokus auf die umfassende digitale Transformation aller Abläufe im Ministerium langjährige Herausforderungen zügig angeht (This milestone serves as unequivocal proof that our focus on the wholesale digital transformation of all departmental processes is rapidly addressing long-standing challenges)“, sagt Innenminister Dr. Leon Schreiber. Und weiter:
Durch dieses Reformprogramm verbessern wir die Sicherheit, beseitigen Warteschlangen und Papierkram, bekämpfen Identitätsdiebstahl und definieren die Effizienz der öffentlichen Dienstleistungen neu – und das alles auf einmal.
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(Through this reform programme, we are transforming security, eliminating queues and paperwork, combatting identity theft, and redefining the efficiency of public service delivery – all at once.)
Schreiber erklärt, dass digitale Anträge für Smart-IDs und Reisepässe, die in fünf Minuten erledigt sind, sowie die Zustellung nach Hause innerhalb weniger Monate in mehr als 1.000 Bankfilialen verfügbar sein werden.
Der Minister war zudem vor einem Monat der erste Bürger des Landes, der die nationale digitale ID erhielt. Zu den geplanten Reformen gehört auch eine Modernisierung der MyMzansi-DPI-Plattform, für die die Regierung letzte Woche eine Aufstockung des Budgets um 9 Millionen US-Dollar angekündigt hat.
Die Agenda der digitalen ID und damit des „digitalen Gefängnisses für alle“ läuft unbemerkt von der breiten Masse im Hintergrund fleißig weiter. Und nein, ich denke nicht, dass wir es noch aufhalten können. Die Lethargie, Gleichgültigkeit und Ignoranz der Masse vor dem Faktischen ist und war schon immer die Grundlage der Macht weniger. Und hier zeigt es sich einmal mehr.
Jede Folgerung, die wir aus unseren Beobachtungen ziehen, ist meistens voreilig: Denn hinter den wahrgenommenen Erscheinungen gibt es solche, die wir undeutlich sehen, und hinter diesen wahrscheinlich noch andere, die wir überhaupt nicht erkennen. – Gustave Le Bon
Quellen:
Psychologie der Massen von Gustave Le Bon
South Africa establishes fully digitalized ID issuance system in local banks
Over 4 million smart ID cards issued in 2025
South Africa boosts Smart ID adoption through expanded bank network
South Africa expands Smart ID rollout through Absa bank partnership
South Africa unveils digital ID prototype, issues first credential
South Africa allocates additional $9M to MyMzansi digital government platform
Zitate von Gustave Le Bon
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