Schuldgeldsystem: Es ist noch Luft nach oben

Schuldgeldsysteme benötigen zu ihrem Erhalt immer zwei Dinge: Eine Zentralbank und zur Finanzierung der Schulden ausreichend Einnahmen zur Befriedigung der Zins- und Zinseszinszahlungen.

Dabei spielten bislang die Einnahmen aus der Einkommenssteuer als direkte Steuer eine besondere Rolle. Es ist daher nicht sehr verwunderlich, dass der Gründung einer Zentralbank parallel oder zumindestens sehr zeitnah die Einführung einer Einkommensteuer folgte.

Zwar wurden erste Versuche einer sogenannten Klassensteuer 1820 in Preußen eingeführt, doch die erste richtige klassifizierte Einkommensteuer Deutschlands erblickte erst 1851 das Licht der Welt. Fünf Jahre nach der Gründung der Preußischen Bank, die als Vorläufer und Vorbild der Deutschen Reichsbank und somit Bundesbank gilt.

In ähnlicher Weise gingen auch (Wieder-)Einführungen von Einkommensteuer und (Wieder-)Gründungen der Zentralbanken in den USA von statten. So wurden nach zwei gescheiterten bzw. nur kurzfristig erfolgreichen Versuchen einer Zentralbankgründung, einzelne Nationalbanken in verschiedenen Bundesstaaten der USA in den Jahren 1863 und 1864 geschaffen. Zwei Jahre zuvor – im Jahr 1861 – die Einkommensteuer des Revenue Act of 1861, die im Folgejahr erstmals progressiv ausgestaltet wurde.

Dieser erste Versuch einer US-Einkommensteuer wurde jedoch 1872 wieder abgebrochen. Zwar versuchten man in den Folgejahren erneut eine Einkommensteuer einzuführen, doch erst 1913 gelang es – nach einer notwendig gewordenen Verfassungsänderung – die noch bis heute gültige Version der US-Einkommensteuer (natürlich mit Anpassungen und Änderungen) zu verankern. Zeitnah wurde vom damaligen Präsidenten Woodrow Wilson der Federal Reserve Act am 23. Dezember 1913 unterzeichnet. Die Geburtsstunde des Federal Reserve Systems (Fed).

Soweit bekannt und soweit nichts neues.

Wie Eingangs angeführt benötigt unser Schuldgeldsystem ausreichend Einnahmen zur Befriedigung der Zinsbelastungen, die für das Jahr 2012 geschätzt bei 54,5 Milliarden Euro lagen:

Zinsausgaben Deutschland

Zinsausgaben Deutschland – Bildquelle: Screenshot-Ausschnitt Bund der Steuerzahler

54,5 Milliarden, die durch die Steuern der Bundesbüger bedient werden müssen. Im Jahre 2012 betrugen die gesamten Steuereinnahmen (direkte und indirekte Steuern) Deutschlands 601,5 Milliarden Euro, d.h. 9,1% der Steuereinnahmen wurden zur Bedienung der Staatsschulden verwendet. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass wir aufgrund der Eurokrise historisch tiefe Zinsen sehen, die dem Bundesfinanzministerium in die Hände spielen.

Wir sehen also, dass bei gleichbleibenden Zinsen (wovon nach derzeitiger Lage noch für einen längeren Zeitraum auszugehen ist) noch ordentlich Luft nach oben ist.

Luft, die wir theoretisch auch im Verhältnis von Bruttolöhnen zur gesamten Steuerbelastung haben:

Bruttolöhne und Steuereinnahmen Deutschland

Bruttolöhne und Steuereinnahmen Deutschland – Bildquelle: www.konjunktion.info

Während im Betrachtungszeitraum 1997 bis 2012 die Bruttolöhne inflationsbereinigt um 33,01% zunahmen, stieg die steuerliche Belastung dagegen um 47,58%. Damit hatte ein Arbeitnehmer 1997 14,57% mehr in der Tasche als im Jahre 2012, was auf 15 Jahre gerechnet ca. 1% p.a. ausmacht.

Unter der Annahme, dass der Mensch bis zu einer Steuerbelastung von 90% das System mit trägt, würde eine Erhöhung der Steuerbelastung um noch 42,42% möglich sein. Bleibt man gleichzeitig bei der Annahme, dass Reallohnverluste ähnlich wie im Betrachtungszeitraum 1997-2012 erfolgen, also 1% p.a., können wir aus rein steuertechnischer Sicht das Spiel noch weitere 42 Jahre weiterbetreiben. Oder ca. 30 Jahre, wenn man 80% Steuerbelastung als Obergrenze annimmt. Oder ca. 20 Jahre bei 70%.

Natürlich ist das Ganze reine Zahlenspielerei. Es verdeutlicht jedoch in meinen Augen sehr gut, dass das reine System von Schulden und Zinszahlungen unter bestimmten Voraussetzungen (wie niedrige Zinsen, keine exorbitante Ausweitung der Verschuldung mehr oder Aufbegehren der Bevölkerung bei bereits geringeren Steuerquoten) durchaus noch länger betrieben werden kann.

Es ist noch Luft nach oben. Zumindestens für Deutschland.

Außer es greifen andere Mechanismen wie fällig werdende CDS, Inanspruchnahme durch ESM und Co. oder andere exogene Faktoren in das System ein. Wovon jedoch auszugehen ist.

Quellen:
Wikipedia – Einkommensteuer (Deutschland)
Zur Entwicklung der Zentralbanken und der Bankaufsicht in Deutschland und in den Niederlanden
Wikipedia – Federal Reserve System
Wikipedia – Einkommensteuer (Vereinigte Staaten)
Zinsausgaben der Öffentlichen Haushalte in Deutschland
Steuern und Abgaben: Deutschland im Mittelfeld
Wikipedia – Steueraufkommen (Deutschland)
Bruttolöhne und -gehälter in Deutschland von 1991 bis 2012 (Milliarden Euro)
Historische Inflation Deutschland – VPI Inflation
Wikipedia – Staatsverschuldung Deutschlands


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