Digitale ID: EUDI und das „Kalt Start“-Problem

Böse – Bildquelle: Pixabay / TheDigitalArtist; Pixabay License
Die digitale ID (dID) als gewolltes Überwachungs- und Kontrollwerkzeug ist essenzieller Bestandteil der Systemungestaltung. Ohne dID keine CBDCs, keine Sozialkreditprogramme, keine Altersverifizierung im Internet, keine … Deshalb habe ich in den letzten Jahren auch eine enorme Anzahl an Artikeln zu diesem Thema veröffentlicht, um zu warnen und aufzuklären. Leider scheinen diese Bemühungen fruchtlos gewesen zu sein, wenn man sich a) die Gesellschaft und deren Naivität im Kontext Digitalisierung anschaut oder b) wie weit die Internationalisten/Globalsiten/Eliten (IGE) inzwischen dabei gekommen sind. Aber es gibt auch (noch) kleine vereinzelte Lichtblicke:
So wird Europa bei der Einführung der European Digital Identity (EUDI) Wallet Ende 2026 mit dem sogenannten „Kalt Start“-Problem konfrontiert sein.
Digitale Ausweise sind nur dann von Wert, wenn sie von allen Seiten des Ökosystems akzeptiert werden. Allerdings haben vertrauende Parteien wie Banken, öffentliche Dienste und private Unternehmen keinen Anreiz, digitale Ausweise zu integrieren, solange es keine Nutzer gibt. Die Bürger hingegen haben keinen Grund, die Wallets zu nutzen, wenn es keine Dienste gibt, die sie damit in Anspruch nehmen können. Aus Sicht der Regierungen bzw. deren Strippenzieher im Hintergrund ein Henne-Ei-Problem.
Daher wird derzeit alles daran gesetzt, dieses Problem zu „beheben“, so Jarek Sygitowicz, Mitbegründer und Chief Strategy Officer von Authologic. Die Europäische Kommission hat beschlossen, dass sie die Menschen nicht zur Nutzung digitaler Ausweise zwingen will, was bedeutet, dass sie Unternehmen und Regierungen „im Wesentlichen zwingt“, den ersten Schritt zu tun. Also wie immer: Tust Du es nicht freiwillig, lieber Bürger, dann zwingen wir Dich indirekt über den Ausschluss der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Keine dID, kein Konto. Keine dID, kein Arbeitsplatz. Keine dID, keine Krankenversicherung. Keine dID, kein Zugang zum Internet. Keine dID, kein Bürgergeld. Keine dID, keine … Immer über den Hebel der Privatwirtschaft oder Sozialleistungen.
„Unternehmen sind nicht besonders erpicht darauf, etwas zu unternehmen (Businesses are not eager to do anything)“, sagt Sygitowicz. Und weiter:
In der Regel müssen sie sich aufgrund der Vorschriften mit dem Thema Identität befassen.
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(Typically, when it comes to identity, it’s something that they have to do because of the regulation.)
Als Anbieter einer einheitlichen E-ID-Plattform für Unternehmen hat Authologic aus nächster Nähe miterlebt, wie die EUDI Wallet von Unternehmen angenommen wird. Die Akzeptanz digitaler Ausweise variiert laut Sygitowicz erheblich zwischen den einzelnen Ländern.
In Frankreich wurden im Dezember über die nationale digitale Identitäts-App „France Identité“ nur 3,2 Millionen elektronische Ausweise ausgestellt – eine Zahl, die für Unternehmen zu gering ist, um sie zur Kenntnis zu nehmen. In Polen hingegen sind die meisten Unternehmen sehr daran interessiert, den staatlichen elektronischen Ausweis und die App „mObywatel (mCitizen)“ zu integrieren, die mittlerweile über 11 Millionen Nutzer hat.
„Die Situation ist in Europa uneinheitlich (The situation is uneven across Europe)“, so Sygitowicz.
Nach den EU-Vorschriften müssen regulierte Unternehmen wie Banken, Telekommunikationsbetreiber und öffentliche Dienste bis Ende 2027 die EUDI Wallet als sichere Authentifizierungsmethode akzeptieren. Aber auch andere Unternehmen wie Hotels, Fluggesellschaften, Rechtsanwälte und andere müssen digitale Ausweise akzeptieren, merkt er an.
„Wir schätzen, dass es in Europa 100.000 Unternehmen gibt, die bis Ende 2027 die Anforderungen von eIDAS 2.0 erfüllen müssen (We estimate that there are 100,000 businesses in Europe that need to be compliant with eIDAS 2.0 by the end of 2027)“, führt er weiter aus. Gleichzeitig gibt es nur sehr wenige Spezialisten, die ihnen dabei helfen können, was zu einem Ungleichgewicht auf dem Markt führt.
Unternehmen werden noch in diesem Jahr mit der Integration der EUDI Wallet beginnen, und Authologic sieht darin eine Chance für sich. Das Start-up mit Sitz in Warschau unterstützt Unternehmen bei der Optimierung ihrer Know-Your-Customer- (KYC) und Anti-Geldwäsche-Prozesse (AML), indem es eine Aggregations- und Orchestrierungsebene für eIDs bereitstellt.
Dieses „Stripe für KYC“ ermöglicht Unternehmen den Zugriff auf eine Vielzahl von Identitätsprüfungsmethoden über eine einzige API, darunter auch herkömmliche Prüfungen wie Dokumentenscans und Lebendigkeitserkennung.
Das Unternehmen hat von europäischen und US-amerikanischen Firmen 8,2 Millionen US-Dollar in einer Serie-A-Finanzierungsrunde erhalten und arbeitet mit Finanz-, Gaming- und Wettunternehmen zusammen.
Authologic plant, in einigen Wochen eine neue App auf den Markt zu bringen, die mit Apple-, Google– und Samsung-Wallets sowie später im Jahr auch mit EUDI-Wallets kompatibel sein wird. Nutzer können dann Zugangsdaten zum Wallet hinzufügen und diese zum Einloggen in digitale Bankdienste und zur Authentifizierung von Zahlungen verwenden.
Der Zeitpunkt ist entscheidend. Viele Länder sehen in digitalen Ausweisen und digitalen Zugangsdaten „eine Möglichkeit, die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Wirtschaft zu verbessern und gleichzeitig die Cyber-Resilienz zu stärken“: Die Identitätsprüfung anhand physischer Dokumente im Internet dürfte aufgrund von Deepfake-Betrug bald der Vergangenheit angehören.
„Die ganze Welt stellt auf digitale Zugangsdaten um (The whole world is moving to digital credentials)“, sagt Sygitowicz. „Der erste Markt, der dies tatsächlich umgesetzt hat, sind wir. (The first market that is actually up and running in this is us.)“
Die EU hat digitale Zugangsdaten und digitale Ausweise für Anwendungen getestet, die über die Onboarding- und Identitätsprüfung hinausgehen. Authologic war an den EUDI Wallet Large Scale Pilots (LSPs) als Teil von WE BUILD beteiligt, einem Konsortium, das von der Europäischen Kommission ausgewählt wurde, um Geschäfts- und Zahlungsinteraktionen in den Bereichen Business-to-Business (B2B), Business-to-Government (B2G) und Business-to-Consumer (B2C) zu testen.
Das Start-up ist einer von fast 200 Partnern, darunter Veridas, Raidiam, Izertis und Youverse, EU-Mitgliedstaaten und andere Organisationen des öffentlichen und privaten Sektors. Zusammen mit anderen arbeitet Authologic daran, Zahlungen für Unternehmen zu vereinfachen, indem es Wallets für die Zahlungsauthentifizierung nutzt, darunter Konto-zu-Konto-Zahlungen, Kartenzahlungen und sogar Stablecoins.
Man kann beispielsweise eine DPC (Digital Payment Credential) als Zugangsdaten verwenden und mit seiner Identitäts-Wallet online bezahlen. Das ist sehr spannend und wird enorme Auswirkungen auf die Wirtschaft haben.
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(For example, you can have a credential that is a DPC, a digital payment credential, and you can pay online using your identity wallet. This is super exciting and will have a huge impact on the economy.)
Dies sei einer der Gründe, warum die europäischen Regierungen sich so intensiv für die Verwirklichung der EUDI Wallet eingesetzt hätten, fügt er hinzu.
Ich sehe die Unterschiede zwischen dem, was wir in der EU tun, und dem, was beispielsweise im Vereinigten Königreich und anderen Ländern geschieht, und wir sind wirklich führend.
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(I see the differences between what we do in the EU versus the UK, for example, and other countries and we are really leading the pack.)
Auch wenn es aktuell ein kleines „Problem“ zu geben scheint, können wir uns sicher sein, dass die IGE alles daran setzen werden, ihre dID allumfassend, global zu implementieren. Auf diesem Weg werden viel Opfer zu beklagen sein, sie werden keine Rücksicht auf Alte, Technikinaffine oder bestimmte Konstellationen nehmen. Sie werden die dID durchzudrücken versuchen, weil es ihr Überlebensinstrument ist. Scheitert die dID, scheitern die IGE. Und ja, sie werden mittelfristig scheitern – auf die eine oder andere Weise.
Quellen:
France’s national digital ID scaling up after graduating from pilot
Poland campaigns to boost the use of its digital ID platform mObywatel
Polish startup raises $8.2M to combat AI-driven fraud with digital ID
Wallet Ecosystem for Business and payments
Veridas joins WE BUILD as Indicio, Vidos pitch EUDI Wallet business benefits
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