Fukushima: Tepco musste wohl aufgrund Regierungsdruck die damalige Kernschmelze vertuschen

Laut neuer Berichte hat die japanische Regierung in Zusammenarbeit mit dem Atomkonzern Tepco absichtlich die Kernschmelze in Fukushima im Jahr 2011 vertuscht.

Ich würde sagen, dass es eine Vertuschung war. Es ist äußerst bedauerlich. – Naomi Hirose, Tokyo Electric Power Company Präsident während einer Pressekonferenz

(I would say it was a coverup. It’s extremely regrettable. – Tokyo Electric Power Company President Naomi Hirose during a press conference)

Fukushima I - Bildquelle: Wikipedia / Digital Globe

Fukushima I – Bildquelle: Wikipedia / Digital Globe

So erliess Masataka Shimizu, damaliger Präsident von Tepco, nach dem Erdbeben, dem Tsunami und der sich anschließenden Atomkatastrophe, die Anweisung, dass seine Mitarbeiter das Wort „Kernschmelze“ nicht verwenden dürfen – angeblich auf Druck aus dem Büro des Premierministers.

Über zwei Monate lang umschrieben die Offiziellen von Tepco die Kernschmelze bei öffentlichen Erklärungen als „Schaden am Kern (core damage)“, obwohl sie in voller Kenntnis des wahren Ausmasses der Katastrophe waren. In den ersten drei Tagen nach der Katastrophe verwendeten einige Unternehmensvertreter den Begriff „Kernschmelze“, der aber plötzlich aus der öffentlichen Diskussion verschwand, gar verbannt wurde.

Nach Angaben im Bericht erhielt Shimizu eine Nachricht bei einer Pressekonferenz des Vizepräsidenten Sakae Muto, dass er das Word „Kernschmelze“ nicht verwenden dürfe.

In Anbetracht dieser Tatsache ist es wahrscheinlich, dass das Amt des Premierministers Shimizu gebeten hatte, in der Öffentlichkeit bei der Bestätigung einer Kernschmelze vorsichtig zu sein. – Japan Times

(Considering this fact, it is presumable that the Prime Minister’s Office requested Shimizu to be careful about admitting to a meltdown in public. – Japan Times)

Die drei Anwälte, die den Bericht autorisiert hatten, fanden keinen direkten Beweis dafür, vermuteten jedoch, dass es Druck seitens der Regierung gab, das Ausmaß der Katastrophe zu verschleiern.

Das Büro des Premierministers weist natürlich alle Vorwürfe einer Vertuschung zuück. Der ehemalige Regierungssprecher und jetzige Generalsekretär der oppositionellen Demokratischen Partei verurteilte den Bericht gar als „unzureichend und einseitig“ – zumal die Anwaltskanzlei mit der aktuellen Regierungspartei verbunden sei.

Rechtsanwalt Yasuhisa Tanaka, der die Untersuchungen leitete, gab zu, dass Tepco wahrscheinlich nicht absichtlich die stattgefundene Kernschmelze verschleiern wollte:

Mit Blick auf die damalige Situation denken wir, dass es für Tepco schwierig war den Begriff Kernschmelze zu verwenden, da ihn auch die Nuclear and Industrial Safety Agency nicht nutzen konnte [aufgrund des Drucks der Regierung]. – Japan Times

(Looking at the situation back then, we think it was too difficult for Tepco to use the term meltdown because even the Nuclear and Industrial Safety Agency couldn’t use it [because of pressure from the government]. – Japan Times)

Die Nuclear and Industrial Safety Agency hatte zum Zeitpunkt der Katastrophe die Aufsicht über die Atomkonzerne in Japan.

Bemerkenswert ist, dass fünf Jahre nach der Katastrophe Tepco die Existenz eines Firmenhandbuchs eingestand, in dem offiziell von einer Kernschmelze gesprochen wird, wenn 5% der Brennstäbe einen Schaden erlitten haben. Was natürlich nicht zu den Geschehnissen am 14. März 2011 passt:

Am 14. März 2011 schätzte Tepco, dass 55 Prozent der Brennstabanordnungen in Reaktor Nr. 1 und 25 Prozent in Reaktor Nr. 3 beschädigt wurden, aber es gab bis Mai in diesem Jahr keine Erklärung heraus, dass sie beschädigt waren.

(As of March 14, 2011, Tepco estimated that 55 percent of the fuel rod assemblies in reactor No. 1 and 25 percent of those in reactor No. 3 were damaged but did not declare they were damaged until May that year.)

In dem Tepco und die japanische Regierung die Kernschmelze verschleierten, setzten sie unzählige Zivilisten großen Gefahren aus. Trotz Evakuierungen hatten viele Bewohner gezögert ihre Häuser zu verlassen – was sie vielleicht früher getan hätten, wenn sie über den vollen Umfang der Kernschmelze informiert worden wären.

Tepco verstrickt sich weiter in einem Sumpf aus Geheimhaltung und unfähigem Umgang bei bzw. mit der Katastrophe. Dabei dürften die drei Führungskräfte Tepcos, die im Februar diesen Jahres verurteilt wurden, nur als Feigenblatt einer japanischen Regierung dienen, die bereits von Anfang an wusste, wie schwer die Atomreaktoren in Fukushima betroffen waren und dass dort eine Kernschmelze stattgefunden hatte.

Quellen:
New Report Exposing Cover-Up of Fukushima Proves Conspiracy Theorists Right
Fukushima meltdown apology: „It was a cover-up“
Tepco chief likely banned use of ‘meltdown’ under government pressure: report
Yet Again, More Radiation Leaks Plague Fukushima
Fukushima Radiation is Still so Bad It “Kills” Robots That Go Near It
Why You Should Still Be Paying Attention to Fukushima 5 Years Later
As Fukushima Continues Leaking, 3 Former TEPCO Execs Charged with Negligence


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5 Kommentare bei “Fukushima: Tepco musste wohl aufgrund Regierungsdruck die damalige Kernschmelze vertuschen

  1. Al-Harakiri
    23. Juni 2016 um 16:23

    Die Ikarus-Sage beschreibt diesen Zustand wohl am besten. Was unbeherrschbar ist, von dem sollte der Mensch beser die Finger lassen. Aber er hält sich ja für die Krone der Schöpfung. Die Hybris führt unweigerlich in den Untergang.

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