Ölpreis und Anleihemarkt: Die Zeichen stehen auf Sturm

Schon einmal sank der Ölpreis innerhalb eines halben Jahres um 40 US-Dollar. Das war in der zweiten Hälfte des Jahres 2008 und leitete den Finanztsunami der folgenden Monate ein. Und jetzt sehen wir wieder einmal einen Einbruch des Ölpreises um 40 US-Dollar. Mit dem Unterschied, dass alles – Indices, Geldvolumen, Verschuldung usw.- in unbegreifliche Höhen getrieben wurde und somit einen viel größeren Absturz nach sich ziehen wird.

Immer wenn sich der Ölpreis dramatisch gen Süden bewegt, dann ist das Ausdruck einer einbrechenden Wirtschaft. Und eine einbrechende Wirtschaft hat auch enorme Auswirkungen auf das Finanzcasino. Beispielsweise zeichnen sich zwischenzeitlich Energieunternehmen für 20% des – sagen wir einmal – Anleihemarkts zwielichter Qualität aus. Damit sind diese “Energie-Anleihen” so etwas wie die “Kanarienvögel” unserer Tage, was einen Crash auf dem Aktienmarkt anbelangt. Sollte dieser “Markt” einbrechen, dann darf sich jeder an der Wall und Main Street warm anziehen.

Der Bereich der Schieferöl-Förderung (Stichwort Fracking) hat den USA zu einem enormen wirtschaftlichen Boom verholfen. Auch wenn dabei die Umwelt zugrunde geht, Bürgerrechte beschnitten und verletzt werden oder die Förderung bereits nach einem Jahr ihr Maximum erreicht hat. Doch dieser Boom steht vor einem abrupten Ende, wenn man die OPEC-Entscheidung letzte Woche berücksichtigt:

For all intents and purposes, OPEC is now engaged in a “price war” with the United States. What that means is that it’s very cheap to pump oil out of places like Saudi Arabia and Kuwait. But it’s more expensive to extract oil from shale formations in places like Texas and North Dakota. So as the price of oil keeps falling, some US producers may become unprofitable and go out of business. The result? Oil prices will stabilize and OPEC maintains its market share.
(Nach allen Absichten und Zwecken befindet sich die OPEC nun in einem “Preiskrieg” mit den Vereinigten Staaten. Das bedeutet, dass es sehr billig ist Öl aus Ländern wie Saudi-Arabien und Kuwait zu pumpen. Aber es ist teurer Öl aus Schieferformationen an Orten wie in Texas und North Dakota zu fördern. So wie der Ölpreis weiter fällt, so werden einige US-Produzenten unrentabel und verabschieden sich aus dem Geschäft. Das Ergebnis? Der Ölpreise wird sich stabilisieren und die OPEC hält ihren Marktanteil.)

Dow Jones 2006-2008 - Bildquelle: Wikipedia / K.boroshko

Dow Jones 2006-2008 – Bildquelle: Wikipedia / K.boroshko

Letztendlich bedeutet dies, dass der Boom einbrechen und auch die vielen Arbeitsstellen im Fracking-Bereich verloren gehen werden. Und das wird einen signifikanten Einfluss auf die US-Wirtschaftsleistung haben:

Specifically, if prices get too low, then energy companies won’t be able to cover the cost of production in the US. This spending by energy companies, also known as capital expenditures, is responsible for a lot of jobs.
“The Energy sector accounts for roughly one-third of S&P 500 capex and nearly 25% of combined capex and R&D spending,” Goldman Sachs’ Amanda Sneider writes.
(Insbesondere dann, wenn die Preise zu niedrig werden, sind die Energieunternehmen nicht in der Lage, die Kosten für die Produktion in den USA zu decken. Diese Ausgaben der Energieunternehmen, auch als Kapitalinvestitionen bezeichnet, sind für viele Arbeitsplätze verantwortlich.
“Der Energiesektor ist für rund ein Drittel der S&P 500 Investitionen und fast 25% der kombinierten Investitionen und FuE-Ausgaben zuständig,” schreibt Goldman Sachs Amanda Sneider.)

Und wie eingangs bereits angedeutet hat dies auch enorme Auswirkungen auf den Finanzsektor:

Everyone could suffer if the collapse triggers a wave of defaults through the high-yield debt market, and in turn, hits stocks. The first to fall: the banks that were last hit by the housing crisis.
Why could that happen?
Well, energy companies make up anywhere from 15 to 20 percent of all U.S. junk debt, according to various sources.
(Alle könnten darunter leiden, wenn der Zusammenbruch eine Welle von Zahlungsausfällen durch den High-Yield-Anleihemarkt auslöst und dies wiederum die Aktien trifft. Die ersten die fallen: die Banken, die als letzte von der Immobilienkrise betroffen waren.
Warum konnte das passieren?
Nun, Energieunternehmen machen irgendwas zwischen 15 und 20 Prozent aller US Junk Bonds aus, so verschiedene Quellen.)

“This is the one thing I’ve seen over and over again,” said Larry McDonald, head of U.S strategy at Newedge USA’s macro group. “When high yield underperforms equity, a major credit event occurs. It’s the canary in the coal mine.”
(“Dies ist die eine Sache, die ich immer und immer wieder gesehen habe”, sagte Larry McDonald, Leiter der U.S strategy at Newedge USA’s macro group. “Wenn High-Yield keine Rendite erwirtschaften, kommt es zu einem großen Kreditereignis. Es ist der Kanarienvogel in der Kohlengrube.”)

Und da die großen Wall Street-Figuren auch diesesmal ihre Finger ganz tief im Spiel haben, wird der Steuerzahler auch diesesmal zur Kasse gebeten werden. Daher sollten wir alle genau auf diese Anleihen schauen und ein mögliches Einbrechen in diesem Marktsegmenet als Vorboten eines großen Crash werten.

Denn wenn selbst die Mainstreammedien, wie CNN,  darüber berichten, dann sollten wir alle aufmerksam werden:

That swing away from junk bonds often happens shortly before stock market downturns.
“High yield does provide useful sell signals to equity investors,” Barclays analysts concluded in a recent report.
Barclays combed through the past dozen years of data. The warning signal they found is a 30% or greater increase in the spread between Treasuries and junk bonds before a dip.
(Die Bewegung raus den Junk Bonds geschieht häufig kurz vor Börsenkrisen.
“Hohe Zinsen sind nützliche Verkaufssignale für Equity-Investoren,” schlussfolgerten Barclays Analysten in einem kürzlich veröffentlichten Bericht.
Barclays durchkämmte Daten der letzten zwölf Jahre. Das Warnsignal, das sie fanden ist ein 30%-iger oder höherer Anstieg der Spreads zwischen Staatsanleihen und Junk Bonds vor einem Einbruch.)

Letztendlich bedeutet das nichts anderes, als dass ein Crash weit näher ist als wir uns derzeit vorstellen können. Deswegen sollten wir genau die Entwicklung des Ölpreises und des Anleihemarkts beobachten. Und darauf, was die großen Spieler der Wall Street und der City of London tun.

Quellen:
Guess What Happened The Last Time The Price Of Oil Crashed Like This?…
Did We Just Witness The Last Great Black Friday Celebration Of American Materialism?
U.S. Seen as Biggest Oil Producer After Overtaking Saudi Arabia
U.S. Chamber’s fracking job boom: Behind the numbers
Civilian Employment-Population Ratio
Oil prices keep plummeting as OPEC starts a price war with the US
“We Are Entering A New Oil Normal”
This Chart Shows Why America Should Be Nervous About Crashing Oil Prices
Could oil collapse cause next credit crisis?
Should you sell stocks? Check junk bonds first


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