China: Neue Überwachungssoftware erkennt Bürger an der Art und Weise wie sie sich bewegen

Panoptisches Gefängnis zur leichteren Überwachung der Gefangene - Bildquelle: Wikipedia / Friman

Panoptisches Gefängnis zur leichteren Überwachung der Gefangene – Bildquelle: Wikipedia / Friman

China ist die Blaupause, wenn es um neue Technologien im Kontext von Überwachung und Kontrolle geht. “Projekte” wie Social Credit (ehemals Sesame Credit) oder die allgegenwärtigen Kameras an öffentlichen Plätzen, sind Ausdruck dieses “Versuchslabors”. Auch die neueste Entwicklung, dass man Menschen mittels ihres Ganges identifizieren kann, wird gerade im Reich der Mitte getestet. Die als gait recognition bezeichnete Technik nutzt die Körperform und die Art der Bewegung eines Menschen, um ihn identifizieren zu können – selbst wenn das Gesicht der Person nicht von der Kamera erfasst wurde.

Dieser dystopische Alptraum ist bereits in den Straßen der Millionenmetropolen Peking und Shanghai als Teil der Forschung zur Künstlichen Intelligenz Realität, wobei man hier auf eine datenbasierte Überwachung setzt.

Die Software, die von der Firma Watrix stammt, extrahiert die Silhouette einer Person aus einem Video und analysiert die Bewegungen dieser Silhouette, um daraus ein Modell der Person zu generieren. Das System ist in der Lage Personen bis zu einer Entfernung von 50 Metern zu identifizieren, wobei keine speziellen Kameras zum Einsatz kommen müssen.

Mit dem System des Social Credits versucht die Kommunistische Partei bereits seine 1,4 Milliarden Bürger in ein vorgegebenes Korsett des Erlaubten zu zwingen. Gait recognition ist nur ein weiterer Baustein zur vollständigen Überwachung der chinesischen Bürger:

Die Ganganalyse kann nicht getäuscht werden, indem man einfach humpelt, mit gespreizten Füßen geht oder sich überbeugt, weil wir alle Merkmale eines ganzen Körpers analysieren. Sie brauchen keine Mitarbeit der Menschen, damit wir ihre Identität erkennen können. – Watrix-Vorstandsvorsitzender Huang Yongzhen

(Gait analysis can’t be fooled by simply limping, walking with splayed feet or hunching over, because we’re analyzing all the features of an entire body. You don’t need people’s cooperation for us to be able to recognize their identity. – Watrix chief executive officer Huang Yongzhen)

Huang ist selbst ein ehemaliger Forscher auf diesem Gebiet und gründete im Jahr 2016 Watrix. Das Unternehmen und seine Forschungen wurden bereits kurz darauf von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften unter die Fittiche genommen. Die Software hat aktuell eine Erkennungs- bzw. Genauigkeitsrate von 94% und ist zusammen mit der Gesichtserkennung der feuchte Traum aller Überwachungs- und Kontrollbefürworter.

Für Shi Shusi, chinesischer Kolumnist und Kommentator, kommt es nicht überraschend, dass die Technologie zuerst in China aufkommt und dort schneller in die Umsetzung geht als anderswo auf der Welt. Pekings Besessenheit für und die Betonung auf die Kontrolle der Bürger ist für Shusi eine nicht aufzuhaltende Entwicklung:

Die Verwendung der biometrischen Erkennung zur Aufrechterhaltung der sozialen Stabilität und zum Management der Gesellschaft ist ein unaufhaltsamer Trend. Es ist ein tolles Geschäft.

(Using biometric recognition to maintain social stability and manage society is an unstoppable trend. It’s great business.)

Schöne Neue Welt… bald auch in Ihrem Kino.

Quellen:
The Chinese Government Identifies Citizens By The WAY THEY WALK
Chinese authorities use facial recognition, public shaming to crack down on jaywalking, criminals
Leave no dark corner
Communist China Moves To Control Billions Through ‘Social Credit’
Mirror, mirror: How AI is using facial recognition to decipher your personality
Govt use of suspect Chinese surveillance devices a ‘dereliction of duty’: expert
Why do the Chinese seem more willing to give up their privacy for security than Australians?


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