Pentagon: Über eine halbe Millionen Waffen sind im Irak und in Afghanistan „verloren gegangen“

Die US-Regierung verliert ja mal gerne was. Oder kann sich nicht erinnern, wo, wann, wem oder für was man ein paar Milliarden Billionen US-Dollar (aus)gegeben hat. Seien es „zufällige“ Waffenlieferungen an den Daesh per Flugzeugabwurf, die leider am falschen Ort gelandet sind und eigentlich für die „moderaten Rebellen“ bestimmt waren. Oder seien es mehrere Billionen US-Dollar, deren „Unauffindbarkeit“ man zufälligerweise einen Tag vor 9/11 bekannt gab und deren Spuren man leider im Anschluss nicht mehr verfolgen konnte, da dummerweise genau jener Teil des Pentagons „getroffen“ wurde, in dem sich die Unterlagen dazu befanden. Oder seien es neuerdings ca. 700.000 kleinere Waffen, die die US-Regierung nicht mehr finden kann.

Pentagon - Bildquelle: Wikipedia / The Pentagon, David B. Gleason

Pentagon – Bildquelle: Wikipedia / The Pentagon, David B. Gleason

Diese neueste „Schludrigkeit“ hat dabei einen besonderen Nachgeschmack. Denn diese 700.000 Kleinstwaffen sind Teil der 1,4 Millionen Stück, die die US-Regierung seit 9/11 in den Irak und nach Afghanistan verbracht hat. Laut der britischen Gruppe Action on Armed Violence (AOAV) kann das Pentagon als „Versender“ keine Ausagabe darüber abgeben, wo diese 700.000 Kleinstwaffen abgeblieben sind.

AOAV nutzte zur Analyse offizielle Daten des US-Kriegsministeriums. Dabei zeigen die Angaben des Kriegsministeriums, dass 700.000 kleinere Waffen aus den USA in die Länder Irak und Afghanistan nach dem 11. September gingen. Jedoch sind nach AOAV-Angaben diese 700.000 Stück nur 48% der Gesamtanzahl an solchen Waffen, die die US-Regierung laut anderen offiziellen US-Dokumenten dorthin verbracht hat. AOAV geht sogar davon aus, dass die Gesamtzahl weit höher als die „offiziellen“ 1,4 Millionen ist, da die Aufzeichnungen des Pentagon sehr „schludrig“ erfolgten und teilweise überhaupt keine Aufzeichnungen dazu vorhanden sind.

In einem New York Times Magazine-Artikel schreibt C. J. Chivers dazu:

Seit den Terroranschlägen vom 11. September haben die Vereinigten Staaten eine große, aber durchgehend unzählbare Menge an militärischen Feuerwaffen seinen vielen Schlachtfeldpartnern in Afghanistan und im Irak ausgehändigt. Heute besitzt das Pentagon nur eine teilweise Vorstellung davon, wie viele Waffen es ausgegeben hat, und viel weniger, wo diese Waffen sind. Inzwischen ist die effektiv als Fass ohne Boden zu bezeichnende Anzahl an Schwarzmarktwaffen aus amerikanischen Quellen ein Grund, warum sich der Irak nicht so bald von seinem Post-Invasionsleiden erholen wird.

(Since the Sept. 11 terrorist attacks the United States has handed out a vast but persistently uncountable quantity of military firearms to its many battlefield partners in Afghanistan and Iraq. Today the Pentagon has only a partial idea of how many weapons it issued, much less where these weapons are. Meanwhile, the effectively bottomless abundance of black-market weapons from American sources is one reason Iraq will not recover from its post-invasion woes anytime soon.)

Rechenschaft, Transparenz und eine Nachverfolgbarkeit ihres Tuns scheinen für die US-Regierung laut AOAV keinen Stellenwert zu besitzen. Ich würde vielmehr dazu sagen, dass hier Absicht dahinter steckt und dass es sich hierbei um ein gezieltes „Ausbringen von Waffen“ in dieser Region durch die USA handelt, um Chaos, Unruhen und Gewalt zu stiften.

Chivers schreibt in seinem Artikel weiter:

[Heute] weiß niemand, wo viele der Waffen sind, bis sie in sozialen Medien auftauchen oder sich als Mündungsfeuer im Kampf oder bei einem Verbrechen zeigen, eine Erinnerung an zig Milliarden Dollar, die in Länder gegangen sind, wo Gewalt und Terrorismus weiter zügig voranschreiten.

([Today] no one knows where many of the weapons are, until they turn up on social media or announce themselves in combat or crime with the crack of incoming fire, a reminder of tens of billions of dollars gone into nations where violence and terrorism continue apace.)

Und um die selbst geschaffene Gewaltspirale in diesen Ländern wieder eindämmen zu können, wird den USA nichts anders einfallen (weil so gewollt) als noch mehr Waffen in diese Länder zuschicken. Wollen wir wetten?

Quellen:
OOPS: Pentagon Admits It “Lost” Over Half a Million Guns in Iraq and Afghanistan
US government sent over 1.4 million guns to Iraq and Afghanistan
How Many Guns Did the U.S. Lose Track of in Iraq and Afghanistan? Hundreds of Thousands.


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7 Kommentare bei “Pentagon: Über eine halbe Millionen Waffen sind im Irak und in Afghanistan „verloren gegangen“

  1. Libelle
    26. August 2016 um 12:42

    Zitat:

    Und um die selbst geschaffene Gewaltspirale in diesen Ländern wieder eindämmen zu können, wird den USA nichts anders einfallen (weil so gewollt) als noch mehr Waffen in diese Länder zuschicken. Wollen wir wetten?

    Dann kann man sich ja schon einmal vorstellen was in Europa nach Ausbruch eines Bürgerkriegs Dank des Invasions-Tsunamis passieren wird.
    Waffenlieferung von Usrael!
    Die Frage ist an wen wird geliefert. An die Regierungen zur brutalen Unterdrückung der Massen oder an die IS-Invasoren? Wahrscheinlich wieder an beide Seiten zur Gewinnmaximierung.
    Auf jeden Fall explodieren wieder einmal die Gewinne des militärisch-industriellen Rüstungskomplexes und deren Eigner, den usraelischen Oligarchen/Plutokraten.
    Was für ein unmenschlicher Abschaum ist das bloß?

    • 28. August 2016 um 10:41

      @Libelle:

      Die Waffenindustrie muss laufen, damit die dort Beschäftigten ihren Lebensunterhalt verdienen können.
      Der Staat kann für eine Zeitlang die produzierten Waffen beim eigenen Heer unterbringen und lagern. Wenn die Lager voll sind, dann muss er die Waffen irgendwie loswerden. Einfach verschrotten widerspricht der kapitalistischen Ideologie – also werden die überschüssigen Waffen verscherbelt. Und von Zeit zu Zeit ein Krieg angefacht, damit das alles kontinuierlich läuft.
      Das ist einer der vielen SystemFehler des derzeitigen Systems.
      Solange die Menschen nicht einsehen wollen, dass das derzeitige System untauglich ist, solange wird sich auch nichts zum Guten wenden.

  2. flowerpower
    28. August 2016 um 17:04

    Forensisch gesehen, könnte dies auch ein Akt der weltweiten Bevölkerungsreduzierung sein.
    Man muss eben Mephistos Spielregeln verstehen, um ihm nicht auf den Leim zu gehen.

  3. Benno Herbst
    29. August 2016 um 03:24

    Irgendwie müßt Ihr Euch schon mal entscheiden um glaubwürdig zu bleiben. Sind es nun siebenhunderttausend Kleinwaffen oder sieben Millionen? Das wäre nämlich das Zehnfache. Nicht gerade ein kleiner Unterschied so eine Null vor dem Komma.

    Mit dem „Verloren gehen von US-Waffen“ war das doch schon im Krieg in Afghanistan gegen die Sowjetunion als die Muhadschedin mit US-Waffen ausgerüstet wurden. Ein paar Jahre später hatten die Boys der Army doch echte Manschetten, ob von den verschenkten Manpads, die den sowjetischen Hubschraubern das Leben schwer machten, nicht ein paar übrig geblieben sein und den US-Fliegern nun Dampf unter den Schleudersitz machen könnten. Aber im Irak scheint sich dann das Waffen verlieren bei den US-Behörden im Irak so richtig zum Volkssport gemausert zu haben. War und ist ja auch nicht so schlimm. Das ist und bleibt ja ein inneres Problem der US-Streitkräfte. Die Waffenhersteller waren doch schon längst bezahlt worden.

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