Gasmangellage: Die Übung „LÜKEX 18“ und ein mögliches Szenario

Gasherdflamme – Bildquelle: Pixabay / meineresterampe; Pixabay License
Eines vorab: Ich möchte niemanden Angst machen oder gar Panik schüren – aber ich denke, es ist wichtig entsprechend auf eine Gasmangellage vorbereitet zu sein. Daher dieser Artikel, der natürlich nur ein Szenario abbildet, das nicht kommen muss, aber dessen Eintrittswahrscheinlichkeit täglich zunimmt, wenn man sich die Füllständer der deutschen Gasspeicher ansieht.
2018 führte das Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) eine Übung zu einer Gasmangellage in Süddeutschland durch. Der Name der Übung: „LÜKEX 18: Gasmangellage in Süddeutschland“
Dabei wurde ein Übungsszenario (extrem kalter Winter, bis −25 °C, sinkende Speicherfüllstände, Abschaltung von Industriekunden, Auswirkungen auf Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Lebensmittelindustrie) sowie die Zusammenarbeit der beteiligten Länder und Bundesbehörden durchgespielt und beschrieben. Ein Fokus lag dabei auf Notfallmechanismen der Gaswirtschaft und Risiko- bzw. Krisenkommunikation sowie der Koordination zwischen Bund, Ländern und kritischen Infrastrukturen.
Das Szenario sah ein polares Tief mit bis zu -25 °C, sinkenden Gasspeicherfüllständen und versagenden Importen vor. Dieser harte Winter in Folge führte zu einem massivem Gasverbrauch, technischen Störungen und wirtschaftlichen Engpässen. Da die Übung sich vornehmlich auf süddeutsche Bundesländer bezog waren Baden-Württemberg und Bayern die „Hauptbeoabachtungsfelder“, aktiv beteiligt waren jedoch weitere neun Bundesländer.
Die Übung lässt sich dabei vereinfacht wie folgt zusammenfassen:
Folgen für die Wirtschaft
Industriekunden wurden priorisiert abgeschaltet, um Haushalte zu schützen, was Produktionsausfälle bei Chemie-, Stahl- und Lebensmittelindustrie verursachte. Die Übung zeigte Abhängigkeiten: Ernährungssektor (z. B. REWE) litt unter fehlender Kühlung und Transportkälte (eigentlich ein Widerspruch in sich, bei Minustemperaturen von 25 Grad), die Wärmeversorgung brach lokal zusammen. Das Ergebnispapier hebt die hohen Vulnerabilitäten wie Branchenverkettungen hervor und empfahl 2018 eine größere Diversifikation und Aufbau von entsprechenden (Gas-)Reserven.
Folgen für Privathaushalte
Haushalte blieben bis Stufe 3 (Notversorgung) priorisiert, doch bei Vollgasengpass drohten Heiz- und Stromausfälle durch betroffene Kraftwerke. Erhöhte Krankheitsfälle durch Kälte trafen vor allem vulnerable Gruppen, aber auch Pflegepersonal, das dann ausfiel. Die Übung testete zudem die Kommunikation bzgl. Sparappellen und Notmaßnahmen an die Bevölkerungen. Eine erkannte Schwachstelle daraus (vgl. hierzu die Plandemie) war die unzureichende Berücksichtigung zuhause gepflegter Menschen.
Folgen für Versorgung (Krankenhäuser etc.)
Krankenhäuser und Pflegeheime erhielten Notstromaggregate (die inzwischen in der Ukraine stehen, siehe Terroranschlag in Berlin), doch der Gasmangel gefährdete die Versorgung mit Wärme, Sterilisation und Beatmung. Die Übung deckte Lücken in der lokalen Versorgung und Netzwerken auf und empfiehl die Stärkung von Nachbarschaftshilfen und THW-Einsätzen. Ein wichtiger Punkt ist die Lebensmittelindustrie: diese litt unter Produktionsstopps, was Versorgungsketten belastete (z.B. Großbäckereien konnten keine Waren mehr backen).
War diese Übung 2018 noch fiktiv, scheinen wir uns dieser Gasmangellage mit großen Schnitten zu nähern, wie die aktuellen Füllstände zeigen:

Gassspeicherstand – Bildquelle: Screenshot-Ausschnitt www.zeit.de
Alternative Beobachter gehen davon aus, dass wir uns bereits in drei Wochen in der Gasmangellage wiederfinden könnten:
Vorab
Eine Gasmangellage unter 20% Füllstand wird von der Bundesnetzagentur offiziell ausgerufen und aktiviert entsprechende Krisenstufen (Alarmstufe bis Notfallstufe). Ab diesem Punkt eskaliert die Situation durch Kältewetter, fehlende Importe und systemische Abhängigkeiten (Gas → Strom → Industrie → Versorgung).
Tag 0 – 3: Sofortmaßnahmen und Alarmstufe
Die Regierung ruft den Notstand aus, priorisiert Haushalte/Kliniken (Stufe 1), schaltet Industrie (Stufe 3) ab. Unternehmen mit einem hohen Energieverbrauch wie Chemie-/Stahlwerke stoppen sofort ihre Produktion (BASF, ThyssenKrupp, Aluminiumwerke), was Umsatzeinbußen in Höhe von 2 Milliarden Euro je Tag zur Folge hat. Es entstehen erste Lieferengpässe bei Kunststoffen und Dünger. Privathaushalte müssen ihre Heizung auf 16°C drosseln, die Stromversorgung kann noch stabil durch Hochfahren von Kohle und Importen (Atomkraft) aus dem Ausland gehalten werden. In den Krankenhäusern laufen Notstromaggregate an, aber die Themen Sterilisation und Wärme werden schwieriger, da auch die entsprechenden Brennstoffvorräte endlich sind. Erste Schäden entstehen, noch sind diese gering, aber es wird ein erster Fokus auf eine Rationierung gelegt und es kommt zu ersten Panikkäufen.
Tag 4 – 10: Rationierung und erste Dominoeffekte
Ab diesem Zeitpunkt fallen die Speicher unter die 15%-Marke, was zur Folge hat, dass die Stromproduktion gedrosselt werden müssen (30% der Gas-Kraftwerke müssen wegen fehlendem Gas abgeschaltet werden). In der Wirtschaft kommt es aufgrund ausbleibender Energie und Rohstoffe zu immer mehr Betrieben, die die Produktion komplett einstellen müssen. Die Logistik bricht zunehmend ein/zusammen und die Lebensmittelpreise steigen erheblich um bis zu 50%. Aufgrund von Stromausfällen (4 Stunden/Tag) verschärft sich die Lage in der Bevölkerung zunehmend, 10% der Haushalte sind bereits ohne Heizung. Bei vulnerablen Gruppen (Ältere) entstehen Hypothermie-Risiken. Kliniken evakuieren Wahlpatienten, Dialyse/Beatmung läuft nur noch auf Backup-Basis. Erste Apotheken rationieren Insulin. Die Schäden belaufen sich in dieser Phase auf 20 Milliarden Euro am Tag, 50.000 Jobs sind suspendiert und es kommt zu ersten Unruhen an Tankstellen.
Tag 11 – 20: Systemische Kollaps und Blackouts
Die Speicherfüllstände fallen unter 10%, es kommt zu bundesweiten Blackouts, da das Stromnetz immer instabiler wird und ca. 20 GW fehlen. Die Vollabschaltung der Industrie folgt, zahlreiche Insolvenzen im Mittelstand sind die Folge. Jede weitere Woche lässt das BIP um 3% aufgrund der Lieferkettenbrüche einbrechen. Die Privathaushalte werden nur noch 8 Stunden am Tag mit Strom versorgt, immer mehr Todesfälle durch Kälte (+500/Tag) sind zu verzeichnen. Es kommt zu einem Massenexodus aus Städten, da die Versorgung nicht mehr gewährleistet ist. Erste Krankenhäuser kollabieren (OP-Stopp, Beatmungsausfälle), noch laufende Pflegeheime werden mit Pflegebedürftigen überfüllt. Die Lebensmittelversorgung wird immer problematischer. Die Schäden beziffern sich in dieser Phase auf 100 Milliarden Euro am Tag und es kommt zu Plünderungen und Unruhen.
Tag 21 – 30: Langfristige Krise und humanitäre Lage
Es kommt zu einer extremen Rationierung in allen Bereichen. Die Arbeitslosigkeit und die Inflation explodieren – die Folge ist ein Kollaps des Finanzsystems in Deutschland, mit enormen globalen Auswirkungen. Der Schwarzmarkt boomt und ersetzt zusammengebrochene Strukturen. Die psychische Belastung ist massiv, THW und Co. sind vollkommen überfordert, die Ernährungskrise wird immer dramatischer. Der Gesamtschäden beziffert sich in dieser Phase auf 300 Milliarden Euro pro Tag und die Abhängigkeiten (Energie → Transport → Nahrung) führen zum Kollaps der kritischen Infrastruktur.
Natürlich ist dieses Szenario fiktiv und geht von dauerhaften Minustemperaturen aus, aber bereits das Beispiel Berlin hat gezeigt, wie vulnerabel unsere Infrastruktur und damit das Gesamtsystem sind. Leider ist es so, dass die Politik dieses Szenario vollkommen zu ignorieren scheint oder einfach auf den Wettergott hofft und dass die Temperaturen nicht zu stark ins winterliche fallen. Aber Wettervorhersagen (wie Kai Zorn) sprechen von weiter anhaltenden Minustemperaturen mit teilweise viel Schnee:
Wie ich eingangs bereits geschrieben habe, will ich keine Angst oder Panik verbreiten. Dieser Artikel soll nur aufzeigen, dass es wichtig ist, sich auf eine solche Möglichkeit vorzubereiten. Und natürlich muss jeder für sich selbst entscheiden, ober das tun möchte oder nicht. Noch haben wir einige Tage Zeit dafür, falls es wirklich dazu kommt.
Quellen:
Länderübergreifende Krisenmanagementübung
Wikipedia – LÜKEX
LÜKEX 18: Gasmangellage in Süddeutschland – eine kritische Betrachtung
Auswertungsbericht LÜKEX 18 PDF
Bundesweite Krisenübung LÜKEX 2018
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