Gastbeitrag: Wie ein Spiel mich auf die kommende Währungsreform vorbereitete

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Jeder Vorsorgeheini kennt das masochistische Vergnügen sich auf ein großes sich noch in weiter Ferne befindende Ziel hin zu schleifen.

Weder Altersvorsorge, noch Wunschimmobilie, noch Weltreise, fallen einem leicht in den Schoß. Es erfordert teils Jahrzehnte lange Sparanstrengungen. Es erfordert Verzicht. Man muss Pläne schmieden und Strategien erarbeiten. In mancherlei Hinsicht gleicht Sparen Fahrradfahren. Natürlich kannst Du einen Tritt auslassen. Doch sobald das passiert, verlierst du sofort an Schwung.

Nun hatte ich mir vor einem halben Jahr das Spiel Age of 2048 herunter geladen.

Die Regeln erschienen so klar und einfach.

Auf einem minimalistischen 5 mal 5 Feld lassen sich alle Konstruktionen zu einer der vier Seiten schieben. Handelt es sich um gleiche Konstruktionen, schieben sich die beiden ineinander und ergeben eine bessere schönere Konstruktion der nächsthöheren Stufe. Ansonsten blockieren sie einander nur.

Bleibt man nur lange genug dabei, schmiedet Pläne und erarbeitet Strategien, macht das Ganze sogar Spaß. Man sieht seinen Punktefortschritt.

Die ganze Arbeit war nicht umsonst!

Es gibt sogar eine Art Zins. Für jeden Tag, den man sich einloggt, erhält man kleine Boni. (Zum Beispiel Zauberstäbe, die ein Bauwerk hochleveln, oder Besen, die hinderliche Bauwerke wegfegen.)

Klar kann man auch ab und an mal einen Tag auslassen. Doch sobald das passiert, verliert man die täglichen Boni. Man darf in seinen Anstrengungen halt nicht nachlassen!

Ein großes zu Beginn des Spiels sich noch in weiter Ferne befindende Ziel existiert natürlich auch: Errichte ein Bauwerk der höchsten Stufe!

Der Marathon

Das Ganze hatte was von einem langen Lauf. Zu Anfang machte es noch Spaß. Ich ging mit Eifer und Faszination an das große sich noch in weiter Ferne befindende Ziel heran. So hatte ich mir vorgenommen Age of 2048 nur auf der Strecke von und zur Arbeit zu spielen. Im ersten Monat erwischte ich mich aber häufig beim Bruch dieser Vorgabe. Ich hatte die App auch in der “echten” Freizeit oft gestartet. Analog einem Sparer, der zu Beginn der Sparphase seine Bemühungen intensiviert. Die Hoffnung auf einen späteren Zinseszins-Effekt stirbt eben nie. Auch nicht im Jahr 8 nach Beginn der Niedrigzins-Phase.

Eine lange Reihe von Monaten fühlte die in das Spiel investierte Zeit sich wie echte mühsame Arbeit an. Wiederholt drängte sich in mir die Frage auf, ob ich es nicht einfach abbrechen sollte. Es fehlte mir leider die geistige Flexibilität dazu. Ich blieb bei dem Spiel. Was auch sonst?! An der Stelle abzubrechen hätte bedeutet, das große sich immer noch weit weg befindende Ziel aufgeben zu müssen. Wäre dann nicht auch die Zeit, die ich bis dahin darauf verwendet hatte, verschwendet?

Licht am Ende des Tunnels

Freude kam erst wieder im letzten Monat auf. Ich hatte die Gesetzmäßigkeiten des Spiels inzwischen recht gut verstanden, meine Strategien optimiert. Dem Großen Ziel hatte ich mich bis auf ein paar Wochen genähert. Plötzlich ging mir auch das Spielen wieder leichter von der Hand.

Oh

Dann öffnete ich die App 3 Tage vor dem Erreichen des Großen Ziels. Ich hatte erwartet wieder einen dieser kleinen Tagesboni geschenkt zu bekommen.

Stattdessen blickte ich auf ein leeres Spielfeld und machte ein dummes Gesicht. Meine Spielfläche hatte doch gestern noch ganz anderes ausgesehen! Vollgestopft mit mühsam erarbeiteten Bauwerken. Nun war sie eine Wüste. Lediglich ein paar läppische Level-1-Bauwerke standen sinnlos in der Leere herum.

Mein alter Spielstand war über Nacht verschwunden.

Erstaunlicherweise ärgerte ich mich nur kurz und auch nur schwach. Ähnliches hatte ich bei 2 Freunden bemerkt, die kurz vor der griechischen Staatspleite einen teuren Gedanken gehabt hatten: Europa wird sich schon solidarisch mit den Griechen zeigen und sie retten! Ich kaufe antizyklisch griechische Anleihen und mache einen schnellen Reibach. Im nach hinein erwies sich das natürlich als falsch. Sie mussten über Nacht einen harten haircut hinnehmen. Merkwürdigerweise hielt sich ihr Ärger in enge Grenzen. Sie hatten ein paar Monatslöhne in das Wagnis gesteckt. Aber nachdem sie ein paar Tage wie vor die Wand gefahren rumgelaufen waren, normalisierte sich ihr seelisches Gleichgewicht schnell wieder.

Nein. Es wird also bei der nächsten Währungsreform kein großes Geschrei geben. Wir werden schimpfen. Wir werden uns die Wunden lecken.

Und dann machen wir weiter wie bisher.


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