Naher Osten: Von Düngemittelversorgungsengpässen und wahrscheinlichen (regionalen) Hungersnöten

Landwirtschaft - Bildquelle: Pixabay / PublicDomainPictures; Pixabay LicenseLandwirtschaft - Bildquelle: Pixabay / PublicDomainPictures; Pixabay License

Landwirtschaft – Bildquelle: Pixabay / PublicDomainPictures; Pixabay License

Viele blicken gebannt in Richtung der Straße von Hormus. Viele haben dabei ihren Fokus auf die wirtschaftlichen Folgen, insbesondere die Versorgung mit Gas, Öl und entsprechenden Nebenprodukten.

Was viele hingegen nicht auf dem Schirm haben, ist das Thema der Düngemittelversorgung der Welt, die aufgrund des illegalen Angriffkrieges der USA und Israels in starke Mitleidenschaft gezogen wurde und dass dies enorme Auswirkungen auf die kommenden Ernten haben wird:

Niemand wird die Frühjahrsaussaat auf der Nordhalbkugel jetzt noch retten können, und das sind wirklich schlechte Nachrichten, denn laut UN lag die Zahl der Menschen weltweit, die unter akutem Hunger leiden, bereits vor Kriegsbeginn auf einem Allzeithoch. Eine historische globale Nahrungsmittelkrise spitzt sich seit Jahren zu, und nun können Landwirte auf der gesamten Nordhalbkugel entweder den dringend benötigten Stickstoffdünger nicht mehr beschaffen oder müssen dafür deutlich mehr bezahlen. Infolgedessen werden die weltweiten Lebensmittelpreise mit Beginn der Erntezeit dramatisch ansteigen, und in vielen armen Ländern wird es schlichtweg nicht genug Nahrung für alle geben.

Normalerweise wird etwa ein Drittel des weltweit gehandelten Stickstoffdüngers durch die Straße von Hormus transportiert, doch derzeit kann er aufgrund des Konflikts den Persischen Golf nicht verlassen. Wenn dieser Stickstoffdünger nicht innerhalb einer bestimmten Frist bei den Landwirten auf der Nordhalbkugel ankommt, verpassen diese das Ausbringungsfenster vollständig. Und da man in Europa ja auch keinen Dünger aus Russland und Weißrussland mehr haben will, werden die Folgen auch bei uns enorm sein:

Durch die Straße von Hormus wird etwa ein Drittel des weltweiten Düngemittelhandels transportiert. Wenn die Landwirte das Ausbringungsfenster verpassen, kann kein noch so intensives Nachholen den Verlust ausgleichen. Der Internationale Getreiderat schätzt, dass die kumulierte weltweite Weizen- und Grobgetreideproduktion um 53 Millionen Tonnen unter dem Vorjahresniveau liegen könnte – ein Defizit, das größer ist als das gesamte jährliche Getreideexportvolumen der Ukraine in einem typischen Jahr.

(The Hormuz Strait carries roughly one-third of global fertilizer trade. If farmers miss the application window, no amount of catch-up planting can recover the loss. The International Grains Council estimates cumulative global wheat and coarse grain output could fall 53 million tons below last season, a shortfall larger than Ukraine’s entire annual grain export volume in a typical year.)

Laut einem ehemaligen Vorsitzenden der Task Force für Lieferkettenstörungen des Weißen Hauses endet das Zeitfenster für die Düngung im Frühjahr auf der Nordhalbkugel nächsten Monat:

Die Düngung im Frühjahr auf der Nordhalbkugel dauert bis Juni. Teile Afrikas treten gerade in die Hauptanbausaison ein – ein entscheidendes Zeitfenster für die Bevölkerungsgruppen des Kontinents, die am stärksten von Ernährungsunsicherheit betroffen sind. Ein verpasstes Zeitfenster verzögert die Ernte nicht – es macht sie zunichte. Der Mangel wird unsichtbar bleiben, bis er sich im kommenden Herbst in steigenden Preisen und leeren Regalen bemerkbar macht.

Das ist die Geschichte, die in der Berichterstattung über die Blockade der Straße von Hormus fehlt. Die Krise treibt nicht nur die Energiepreise in die Höhe – sie unterbricht auch die Lebensmittelversorgungsketten. Die Welt steht vor einer Katastrophe in Zeitlupe, die sich erst bemerkbar machen wird, wenn es bereits zu spät ist.

(Spring fertilizer application in the Northern Hemisphere runs through June. Parts of Africa are entering the primary planting season now – a critical window for the continent’s most food-insecure populations. A missed window doesn’t delay a harvest – it eliminates it. The shortfall will be invisible until it materializes in spiking prices and empty shelves next fall.

This is the story the Hormuz blockade coverage is missing. The crisis isn’t just raising energy prices – it is breaking food supply chains. The world is facing a slow-motion catastrophe that will not announce itself until it is too late.)

Dieser letzte Satz trifft es genau. Wir stehen tatsächlich vor einer Katastrophe in Zeitlupe. So wird uns beispielsweise berichtet, dass Düngemittelknappheit und hohe Treibstoffkosten eine „kritische Bedrohung“ für die weltweite Reisversorgung darstellen:

Die weltweite Reisversorgung ist in diesem Jahr einer kritischen Bedrohung ausgesetzt, da Landwirte in ganz Asien aufgrund von Düngemittelknappheit und explodierenden Treibstoffkosten gezwungen waren, ihre Anbauflächen zu reduzieren – Probleme, die durch den anhaltenden Iran-Konflikt noch verschärft werden. Diese Situation wird durch den sich abzeichnenden El-Niño-Effekt noch verschärft, der die weltweite Reisproduktion voraussichtlich weiter einschränken wird.

Reis ist für die weltweite Ernährungssicherheit von zentraler Bedeutung, und selbst geringfügige Versorgungsengpässe können weitreichende Auswirkungen haben. Experten warnen, dass steigende Preise die Haushaltsbudgets belasten könnten, insbesondere in preissensiblen Regionen wie Asien und Afrika.

(Global rice supplies are facing a critical threat this year as farmers across Asia have been forced to reduce planting due to fertilizer shortages and soaring fuel costs, issues exacerbated by the ongoing Iran war. This situation is compounded by the emerging El Nino effect, which is anticipated to further tighten global rice output.

Rice is central to global food security, and even slight disruptions in supply can have wide-ranging effects. Experts warn that rising prices could pressure household budgets, especially in price-sensitive regions like Asia and Africa.)

In diesem Jahr wird deutlich also weniger Reis angebaut werden. Gleichzeitig wächst die Weltbevölkerung weiter. Wer wird also genug Reis zu essen haben? Die Armen werden es nicht sein. Die reichen Länder werden alles aufkaufen, was verfügbar ist, und das zu deutlich höheren Preisen. In Afrika leben fast 1,6 Milliarden Menschen, und dort wird gewarnt, dass sie bald mit explodierenden Preisen und Nahrungsmittelknappheit konfrontiert sein werden:

Der Krieg im Iran könnte „dramatische Folgen“ haben und in einigen der ärmsten und am stärksten gefährdeten Gebieten Afrikas zu Nahrungsmittelknappheit und Preisanstiegen führen, sagte der Chef des weltweit größten Düngemittelherstellers.

Svein Tore Holsether, der Vorstandsvorsitzende von Yara International, sagte, die Staats- und Regierungschefs der Welt müssten sich vor explodierenden Preisen und Düngemittelknappheit hüten, die eine de facto globale Auktion auslösen würden, bei der die ärmsten Länder, insbesondere in Afrika, um Vorräte kämpfen müssten, die sie sich kaum leisten könnten.

(The Iran war could have „dramatic consequences“, causing food shortages and price rises in some of Africa’s poorest and most vulnerable communities, the head of the world’s largest fertiliser company has said.

Svein Tore Holsether, the chief executive of Yara International, said world leaders needed to guard against soaring prices and shortages of fertiliser causing a de facto global auction that would leave the poorest countries, particularly in Africa, scrambling for supplies they could ill afford.)

Im Westen wird es weiterhin Lebensmittel geben. Aber sie werden viel teurer sein als früher, da die Landwirte gezwungen sein werden, die deutlich gestiegenen Kosten für Düngemittel und Treibstoff weiterzugeben:

Die Landwirte spüren bereits die Auswirkungen in Form steigender Düngemittelkosten und Versorgungsengpässen.

Die Auswirkungen des globalen Konflikts seien in ganz Ohio zu spüren, sagte Bales. Sie hätten Gebiete wie den nördlichen zentralen Teil und den Westen von Ohio, wo in großem Umfang Reihenkulturen angebaut werden, besonders hart getroffen.

„(Angesichts der) doppelten Belastung durch Düngemittel und Treibstoff werden wir in Zukunft definitiv einige schwierige Entscheidungen treffen müssen“, sagte Bales.

(Farmers have already begun to feel the effects, with rising fertilizer costs and shortages in supply.

The effects of the global conflict are being felt all over Ohio, Bales said. They have taken a large toll on areas such as north central Ohio and western Ohio, where a large amount of row cropping occurs.

„(Between the) double whammy of fertilizer and fuel, that is definitely going to make some tough decisions going forward,“ said Bales.)

Diese Krise wird uns viel härter treffen, als den meisten Menschen heute bewusst ist. Eine aktuelle Umfrage ergab, dass sich satte 70 Prozent aller US-Landwirte den Dünger, den sie in diesem Jahr benötigen, nicht vollständig leisten können:

Die Folgen sind für die Landwirte verheerend. Eine Interessenvertretung der Landwirtschaft, die American Farm Bureau Federation, führte eine Umfrage durch und stellte fest, dass 70% der Landwirte sich nicht den gesamten benötigten Dünger leisten konnten.

„Die Vorbestellungsquoten für Düngemittel variierten erheblich je nach Region: Nur 19% der Produzenten im Süden gaben an, sich den Dünger bereits vor der Saison gesichert zu haben, verglichen mit 30% im Nordosten, 31% im Westen und 67% im Mittleren Westen. Dies spiegelt Unterschiede bei den Zeitplänen für Anbauentscheidungen und der Auswirkung der jüngsten Preissteigerungen wider“, schrieb die AFBF. Die Preise für Agrardiesel, mit dem die in der Branche eingesetzten schweren Maschinen betrieben werden (mit Ausnahme kleiner landwirtschaftlicher Betriebe, die nicht den Großteil der Nahrungsmittelpflanzen des Landes produzieren), sind laut den Organisationen seit Ende Februar um 46% gestiegen.

(The result is wreaking havoc on farmers. An agricultural lobbying group, the American Farm Bureau Federation, ran a survey and found that 70% of farmers couldn’t afford all the fertilizer they needed.

„Fertilizer pre-booking rates varied significantly by region, with just 19% of Southern producers reporting fertilizer purchases secured ahead of the season, compared to 30% in the Northeast, 31% in the West and 67% in the Midwest, reflecting differences in planting decision timelines and exposure to recent price increases,“ the AFBF wrote. Farm diesel prices, which fuel the heavy machinery used in the industry (other than small-scale farms that don’t produce the majority of food crops in the country) are up 46% since the end of February, according to the organizations.)

In Europa sieht es nicht besser aus und Vertreter der europäischen Landwirtschaft sagen, dass sie so etwas noch nie erlebt haben. Einige Landwirte haben daher beschlossen, auf Kulturen umzusteigen, die weniger Dünger benötigen, andere haben sich entschieden, in dieser Saison gar nichts anzubauen. Tatsächlich wird beispielsweise die Anbaufläche für Weizen, die US-Landwirte in diesem Frühjahr bewirtschaften, die geringste sein, die „wir seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1919“ gesehen haben.

Wenn die Straße von Hormus morgen wieder geöffnet würde – was auf keinen Fall passieren wird -, würde es Wochen dauern, bis Frachtschiffe ihre Ziele erreichen. Und sobald die Straße endlich wieder geöffnet ist, wird uns gesagt, dass „es Monate dauern könnte, bis sich die Lieferketten wieder normalisieren“:

„Selbst wenn die Meerenge wieder geöffnet wird, wird es Wochen dauern, bis die Anlagen wieder in Betrieb genommen werden und effizient laufen […] es könnte Monate dauern, bis sich die Lieferketten normalisieren““, schrieb der Landwirtschaftsausschuss des US-Repräsentantenhauses in einem Brief an das US-Landwirtschaftsministerium.

(„Even if the strait reopens, it will take weeks to bring the plants back online and get them running efficiently […] it could be months before supply chains normalize,“ the United States House Agriculture Committee wrote in a letter to the U.S. Department of Agriculture.)

Die Frühjahrsaussaat auf der Nordhalbkugel ist mittlerweile nicht mehr zu retten. Die Wahrscheinlichkeit einer globalen Nahrungsmittelknappheit, mit Hungersnöten in bestimmten gebieten der Erde ist sehr hoch. So haben daher inzwischen 60 verschiedene Länder in den letzten zwei Monaten Notfallmaßnahmen im Energiebereich ergriffen:

X-Post – Bildquelle: Screenshot-Ausschnitt X

Die Welt braucht dringend die Wiederöffnung der Straße von Hormus. Ein Ende der Sperrung, die ohne den illegalen Angriffskrieg der USA und Israel nie stattgefunden hätte. Dieser Umstand wird gerade in der westlichen Hochleistungspresse konsequent verschwiegen, wo wir immer nur lesen, dass der Iran die Straße gezielt blockiere. Natürlich tut er das (aber auch die USA, die iranischen Schiffen die Fahrt verwehren). Teheran hat die volle Kontrolle über die Meerenge, wie der Angriff gegen ein weiteres Frachtschiff zeigt – obwohl Trump uns doch alle wissen ließ, dass die iranische Marine bzw. deren Boote alle versenkt oder funktionunfähig seien:

Ein Frachtschiff wurde am Sonntag in der Nähe der Straße von Hormus von mehreren kleinen Booten gerammt, wie britische Militärvertreter mitteilten.

Das Schiff, das zunächst nicht identifiziert werden konnte, wurde laut dem United Kingdom Maritime Trade Operations Centre des britischen Militärs direkt vor der Küste von Sirik im Iran, östlich der Meerenge, getroffen.

(A cargo ship was struck by multiple small craft while sailing near the Strait of Hormuz on Sunday, UK military officials said.

The ship, which was not immediately identified, was hit right off the coast of Sirik, Iran, just east of the strait, according to the British military’s United Kingdom Maritime Trade Operations Centre.)

Wir befinden uns noch ganz am Anfang dieses Albtraums. Sollten die USA und Israel bzw. der Iran die Weltwirtschaft über einen längeren Zeitraum hinweg in Geiselhaft nehmen, werden wir ein wirtschaftliches Chaos erleben, mit großen Versorgungsproblemen im Kontext der Nahrungsmittel. Doch derzeit nehmen die meisten Menschen in der westlichen Welt diese Krise (noch) nicht ernst genug, da sie davon überzeugt sind, dass es sich lediglich um eine vorübergehende Delle handelt. Auch weil die Hochleistungspresse und die Politkaste dieses Thema geflissentlich ignorieren.

Quellen:
The Global Fertilizer Shortage Is Going To Mean The Spring Planting Season In The Northern Hemisphere Will Be A Total Disaster
Opinion – The world needs a Hormuz fertilizer initiative now
Global Rice Crisis Looms as Fertilizer Shortages and War Disrupt Supply
Iran war may cause food shortages in Africa, world’s largest fertiliser firm says
Iran war hits Ohio farmers with rising fertilizer, fuel costs
70% of Farmers can’t afford to grow all their crops
The Global Oil Crisis Just Escalated To A New Level And U.S. Farmers Are Planting The Fewest Acres Of Wheat Since Records Began In 1919
X-Post The Assembly
Iran attacks cargo ship in Strait of Hormuz

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