Weltwirtschaft und Iran: Die Rechnung, die wir Donald und Bibi stellen sollten

Börsenchart - Bildquelle: Pixabay / PIX1861; Pixabay LicenseBörsenchart - Bildquelle: Pixabay / PIX1861; Pixabay License

Börsenchart – Bildquelle: Pixabay / PIX1861; Pixabay License

Die Straße von Hormus ist eine extrem wichtige Meerenge zwischen dem Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Arabischen Meer bzw. dem Indischen Ozean. Über sie muss der Großteil der maritimen Energieexporte aus dem Nahen Osten passieren. Die Staaten, die fast ausschließlich über die Straße von Hormus exportieren, sind: Saudi-Arabien, Irak, Vereinigte Arabische Emirate, Kuwait, Katar, Iran.

Eines der wichtigsten Versorgungszentren der Welt

Etwa 20 Millionen Barrel pro Tag an Rohöl und Ölprodukte werden durch die Meerenge verschifft. Dies entspricht ca. 20% des weltweiten Ölverbrauchs und in etwa 27% des Seeölhandels. Saudi-Arabien, Irak, UAE, Kuwait und Iran exportieren den Großteil ihres Öls über Hormus. Etwa 80% dieser Mengen gehen nach Asien – vor allem nach China, Indien, Japan, Südkorea.

Zudem fließen etwa 20% der weltweiten LNG-Exportmengen durch die Straße von Hormus. Vor allem aus Katar, dem größten LNG-Exporteur der Welt, wobei diese 20% global ausgeliefert werden. Darüber hinaus werden auch verflüssigte Produkte aus Erdgas-Nebenströmen über Hormus in alle Welt exportiert.

Petrochemische Grundstoffe (Methanol, Ammoniak, Schwefel etc.) sind stark mit den Ölexportströmen verbunden und sind damit ebenfalls von einer Schließung massiv betroffen. Massengüter wie Düngemittel-Basisprodukte (z.B. Ammoniak, Harnstoff-Vorprodukte) sind sehr stark abhängig von Chemie-Importen, die indirekt über Öl/LNG-Erzeugnisse hergestellt werden (z.B. Kraftstoff-Input, Energie). Konkrete globale Harnsäure-Exportmengen sind über Hormus weniger separat statistisch erfasst, aber viel Produktions- und Transportwert hängt an Energiepreisen und Energieversorgung.

Generell transportieren viele Schiffe auch andere Güter durch Hormus (Containerschiffe, Massengutfrachter), aber Energieexporte dominieren den wirtschaftlichen Wert der Passage.

Die Folgen der Schließung

Daher ist es mehr als logisch, dass die Schließung der Straße von Hormus und die Behinderung des Schiffsverkehrs massive Folgen für die Energiemärkte und darüber hinaus hat. Dies betrifft zum einen die Energiepreise, da der Ölexportausfall von 15 bis 20% der globalen Versorgung die Preise regelrecht explodieren lässt, wie wir aktuell auch an den Zapfsäulen feststellen können. Analysten gehen davon aus, dass die Ölpreise schnell über 100 US-Dollar/Barrel steigen, teilweise auf 120 bis 130 US-Dollar oder mehr in Szenarien längerer Sperrung. Auch bei LNG und Gas blockiert die Sperrung ca. 20% der LNG-Lieferungen, was besonders Europa und Asien trifft. Auch die Gaspreise sind bereits nach oben ausgebrochen und in Europa sind Preise beim TTF von über 70 bis 100 Euro/MWh bei längerem Stillstand zu erwarten. Darüber hinaus werden die Versicherungen und Frachtraten weiter anziehen, da immer mehr Versicherer ihre Risikoabdeckung für die Frachter zurückziehen. Des weiteren werden die Frachtkosten steigen, da Routen teurer und länger (z. B. um Afrika herum) werden.

Die zu erwartenden wirtschaftlichen Kettenreaktionen

Was viele derzeit „nur“ an den Zapfsäulen feststellen, wird sich via Inflation in den Bereich der Lebenshaltungskosten „durchfressen“. Höhere Energiepreise bedeuten immer steigende Transport-, Produktions- und Lieferkettenkosten, was wiederum global zu einer breitflächigen Inflation führen wird.

Energieintensive Industrien (Chemie, Stahl, Auto-Fertigung) werden unter einem Margendruck kommen und Lieferengpässe erleben. Die Produktion wird zurück gefahren werden müssen. Dies betrifft sogar einfache Dinge wie Verpackungsmaterial das aus Erdöl hergestellt wird. Eine Rezession ist unausweichlich.

Die globale Versorgungssicherheit (insbesondere Europa, Asien und viele Entwicklungsländer) werden eingeschränkt werden und es werden signifikante Versorgungsprobleme entstehen, so dass (staatliche) Reserven (z.B. strategische Ölreserven) angezapft werden müssen. Es steht zudem zu befürchten, da es zu Hungersnöten in bestimmten Gebieten kommt, wenn die Straße länger geschlossen bleibt (Stichwort Dünger und grundsätzliche Versorgung mit Energie).

Die ökonomische Folgen für Weltwirtschaft und Preisentwicklung

Kurzfristig werden die Preise für Rohöl und Gas massiv anziehen, da beide preissensitiv sind. Die Spotpreise sind innerhalb von Tagen deutlich gestiegen und werden dies auch in den nächsten Tagen noch weiter tun. Dies führt wiederum zu einem Inflationsschub bei Energie, Gütern, Transportkosten. Auch die Börsen werden mit hoher Volatilität (Einbrüche bei Risiko-Assets, Rallys bei Energieunternehmen) reagieren.

Mittel- bis langfristig sind die höheren Energiepreise Auslöser für eine Verbraucher-Preisinflation, eine schwächere Nachfrage aufgrund der gestiegenen Preise, was zu einer Wirtschaftsabkühlung und erhöhten Rezessionsrisiken führen wird. Länder mit einer eigener Energiereserve bzw. -­produzenten (z. B. USA, Kanada) werden von der Schließung profitieren, während Importländer massiv leiden.

Im globalen Kontext gesehen werden energiearme oder stark energiezentrierte Volkswirtschaften (wie Europa, Indien, Japan) besonders betroffen sein. Neben den explodierenden Energiekosten werden wir einen massiven Anstieg der Lebensmittelpreise durch höhere Düngemittel-, Herstellungs- und Transportkosten sehen. Die Ausprägung ist dabei natürlich auch von der Dauer der Schließung abhängig.

Zwischenfazit

Durch die Straße von Hormus wird eine signifikante Menge Erdöl (ca. 20% global) und LNG (ebenfalls ca. 20 % global) transportiert. Eine Schließung führt zu starken Preissteigerungen bei Öl und Gas bzw. Erdölnebenprodukten, Treibstoffkosten, Energiepreisinflation und steigenden Lieferkosten. Die weltweite Wirtschaft wird breite Effekte spüren – von Konsumgütern bis zu Industriegütern. Die Energiepreise sind dabei am sensibelsten, aber über Lieferketten-Kopplungen werden auch andere Sektoren getroffen.

Die geschätzten Kosten für die Weltwirtschaft

Es gibt natürlich keine verlässlichen Schätzungen zu den Kosten aufgrund der Schließung der Straße von Hormus als Reaktion des Irans auf die Angriffe der USA und Israels. Berichte sprechen von Risiken wie globaler Stagflation, massiver Inflation (bis zu 10% und mehr) und einer verzögerten Konjunktur durch Preisanstiege bei Energie. Eine Rezession – gerade in bereits „schwachen“ Wirtschaften wie Deutschland – ist sehr wahrscheinlich. Solche Szenarien könnten jährlich Hunderte Milliarden US-Dollar/Euro kosten (z. B. via höhere Energiekosten und Transportraten, die um 200% stiegen), aber kumulierte Summen werden natürlich nirgends quantifiziert oder benannt werden. Der Konflikt ist hierfür noch zu jung, um eine tragfähige erste Bilanz erstellen zu können. Aber Prognosen warnen vor anhaltenden Schwankungen in der Weltwirtschaft, ohne konkrete Gesamtkosten zu benennen.

Geht man jedoch einfach mal logisch vor und sieht sich die explodierten Preise allein am Energiemarkt fest, muss man konstatieren, dass der für mich völkerrechtswidrige Angriff der USA und Israel gegen den Iran Milliarden, wenn nicht gar in den Billionenbereich gehend, kosten wird.

Und weil Donald Trump immer so gerne den anderen Staaten vorrechnet, wie sie die USA „ausnehmen“ würden (was natürlich eine Verdrehung der echten Fakten ist) oder was den angeblichen „Schutz“ vor anderen Staaten durch die USA anbelangt, sollten wir Donald und Bibi einmal eine Rechnung aufmachen und von ihnen die Begleichung dieser anfallenden Kosten einfordern.

Ich weiß natürlich, dass das naiv ist und auch nicht passieren wird, weil offenbar diese beiden Staaten machen können, was sie wollen, ohne echte Konsequenzen befürchten zu müssen. Stattdessen stellen sich zahlreiche Vasallen hinter Trumps und Netanjahus Vorgehen und bestätigen damit nur, dass Souveränität und Eigenständigkeit nur ein „politisches Versprechen“ ist.

Und ja, dies ist eine ausschließlich wirtschaftliche Betrachtung. All die Tausenden an Opfern an Leib und Seele  (und damit sind  nicht nur die Opfer im Nahen Osten gemeint, da die Folgen global gerade in den armen Ländern massiv zu spüren sein werden) werden wohl ungenannt bleiben…

Quellen:
Why the Strait of Hormuz remains critical for the global economy
Strait of Hormuz: The World’s Most Critical Oil Chokepoint
Iran Conflict and the Strait of Hormuz: Oil and Gas Market Impacts
Strait of Hormuz: why it matters to global shipping and energy
Middle East conflict set to drive oil and LNG prices significantly higher
How Will the Iran Conflict Impact Oil Prices?
Impact of Iran conflict on oil and LNG
China calls for vessels in strait of Hormuz to be protected amid soaring shipping costs
Dow pares steep losses but gas prices surge after Iran orders Strait of Hormuz closure
Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China

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